Autor Marc Elsberg bei einer Lesung zu seinem Thriller „Blackout – Morgen ist es zu spät“.
  • Für die Recherchen zu seinem Thriller „Blackout“ erhielt Marc Elsberg tiefe Einblicke in die Katastrophenpläne der kritischen Infrastruktur.
  • Foto: IMAGO / Lars Reimann

paid„Die Menschen helfen sich, solange sie Essen haben – dann wird es ungemütlich“

Kernkraftwerke havarieren, die Versorgung mit Nahrung und Medikamenten bricht zusammen, auf den Straßen herrscht Gewalt: Mit seinem Bestseller „Blackout – Morgen ist es zu spät“ schilderte Marc Elsberg vor zehn Jahren die katastrophalen Auswirkungen eines weiträumigen Stromausfalls. Die Gefahren eines solchen Blackouts werden in der Bevölkerung und in der Politik jedoch noch immer unterschätzt, sagt der österreichische Autor. Die MOPO hat mit ihm über ein solches Szenario gesprochen und wie er sich selbst vorbereitet. 

MOPO: Herr Elsberg, in Ihrem Thriller fällt plötzlich der Strom in Europa für mehrere Tage infolge eines Hackerangriffs aus. Wie bewusst ist sich die Bevölkerung der Gefahr und des Ausmaßes eines Blackouts? 

Marc Elsberg: Als mein Buch im Jahr 2012 erschienen ist, wurden mir oft Reaktionen wie „Ach, so schlimm wird das schon nicht sein“ entgegengebracht. Mittlerweile sind sich die Menschen der Gefahr eines Blackouts wesentlich bewusster. Wobei in der gegenwärtigen Diskussion oft von einem Blackout gesprochen wird, was gar keiner wäre: Wenn einzelne Betriebe oder Verbraucher für kurze Zeit geplant vom Netz abgekoppelt werden müssen, ist das kein Blackout. Was wirklich alles nicht mehr funktioniert, wenn der Strom in ganzen Teilen des Landes oder Europas ausfällt, und wie schnell das gehen kann, wird noch heute unterschätzt. Gerade hochentwickelte und vernetzte Gesellschaften wie unsere können schnell sehr tief fallen – das ist nicht in den Köpfen der Menschen angekommen.

Das wäre Aufgabe der Politik, gleichzeitig gibt es dann den Vorwurf der Panikmache. Wie kann Aufklärung funktionieren? 

Für die Politik ist es wahnsinnig schwierig, vernünftig über solche möglichen Ausnahmezustände zu informieren. Besonders, wenn manche Parteien mit dem Szenario eines Blackouts strategisch Angst verbreiten oder gegen den Ausstieg aus den Fossilen agitieren möchten. Umso wichtiger ist es, dass sich die politischen Institutionen vor diesem brenzligen Thema nicht verschließen, sondern Vorbereitungen für so einen unkontrollierten großflächigen Stromausfall treffen. Denn es gibt zwar Pläne der Bundesministerien und Länder, die Kommunen hingegen sind nahezu unvorbereitet, weil das Thema lange Zeit nicht ernst genommen wurde.  

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Einen großen Beitrag dazu, das Thema ernst zu nehmen, sowohl in der Politik als auch in der Bevölkerung, hat Ihr Thriller geleistet. War das Ihre Motivation? 

Eigentlich wollte ich einen spannenden Thriller schreiben. Und dann gab es im Laufe meiner Recherchen die Aha-Momente, wie: „Die Klospülung fällt aus, und auch der Diesel bei der Tankstelle bleibt weg?“ Das fand ich spannend und habe es aufgeschrieben. Dass ich jetzt Menschen erklären kann, worauf sie sich am besten vorbereiten sollen, war dann ein guter Nebeneffekt.  

Sind Sie froh, dass Sie genau wissen, was bei einem Blackout passiert?  

Ja, sehr sogar. Dadurch meine ich, die Lage ein bisschen einschätzen zu können. So gehe ich zum Beispiel nicht von vielen Plünderungen oder Straßenkämpfen aus, wenn der Strom nur für wenige Tage ausfällt. In sämtlichen Krisensituationen – sei es der Krieg in der Ukraine oder der Hurrikan Katarina in New Orleans – zeigt sich: Ganz überwiegend helfen Menschen einander. Zumindest solange sie ausreichend Lebensmittel und Wasser haben. Danach wird es ungemütlich.

Was passiert dann?  

Ein durchschnittlicher deutscher Haushalt hat Vorräte für zwei bis vier Tage. Spätestens, wenn sie mehrere Mahlzeiten auslassen müssen, kippt die Situation. Dann geht es ums blanke Überleben. Hungrige Menschen plündern dann Geschäfte und Haushalte, die noch Lebensmittel haben.

Wie sind Sie auf einen Blackout vorbereitet? 

Ich folge den behördlichen Empfehlungen: In meinem Keller befinden sich Lebensmittel und Trinkwasser für zehn bis 14 Tage, ein Radio mit Batterien, Taschenlampen, Kerzen und Hygieneartikel. Aber ich habe keinen Stromgenerator. Einen Blackout von ein paar Tagen könnte ich wohl gut bewältigen, da mache ich mir keine Sorgen.   

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