• Leere Netze: Elbfischer Lothar Buckow (62) hat schon lange keinen guten Fang mehr gemacht.
  • Foto: Florian Quandt

Die Antwort kostet 750.000 Euro: Warum stirbt der Hamburger Stint in der Elbe?

Elbfischer Wilhelm Grube aus Hoopte hat bereits das Handtuch geworfen. Auch sein Kollege Lothar Buckow (62) aus Jork leidet unter den sinkenden Stintbeständen, die seine Existenz bedrohen. Umweltverbände schlagen seit Jahren Alarm. Jetzt endlich gibt die Hamburger Umweltbehörde ein Gutachten zur Lage des Hamburger Traditionsfisches in Auftrag. 

Dabei sitzt Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) zwischen allen Stühlen. Auf der einen Seite die Hafenwirtschaft und auf der anderen Umweltverbände und Fischer. Denn die sind bereits überzeugt, dass es einen starken Rückgang des Stints gibt. Und haben bereits eigene Gutachten erstellen lassen. Etwa das der Stiftung Lebensraum Elbe.

Immer weniger Stint in der Elbe in Hamburg

Die Ergebnisse sind unbequem für Kerstan und die Hamburger Politik. So wird als eine Ursache genannt, dass immer mehr Flachwasserbereiche vernichtet werden (Mühlenberger Loch), dass der Sauerstoffgehalt in der Elbe sinkt und dass es ständig gewaltige Baggermaßnahmen gibt, die den Fluss für die Schifffahrt freihalten.

Lothar Buckow mit Eimer

Lothar Buckow zieht einen Eimer mit trüben Elbwasser an Bord seiner „Elise“.

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Florian Quandt

Ursache ist dabei die Verschlickung der Hafenbecken, die durch die nächste Elbvertiefung noch zunehmen dürfte.

An der bereits begonnenen umstrittenen Elbvertiefung hält der Senat allerdings fest, mit Unterstützung der Grünen. So muss sich Kerstan um Diplomatie bemühen. Er sagt zum Auftakt der Studie äußerst zurückhaltend:„Gibt es in der Elbe einen Rückgang der Stint-Population? Wie groß ist dieser tatsächlich? Es gibt Meldungen und Anzeichen, die uns Sorge bereiten.“ Bei solchen Fragen schütteln die Fischer nur verständnislos den Kopf.

Studie der Umweltbehörde Hamburg zum Stint

Das auf fünf Jahre angelegte Gutachten kostet 750.000 Euro und soll die Laich- und Aufwuchsbedingungen des Stints erforschen. 

Jens Kerstan im Kajak

Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan kann nur hoffen, dass sein beauftragtes Gutachten nicht die Elbvertiefung als ein zentrales Problem für den Stint ermittelt.

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dpa

Daraus sollen später Maßnahmen zum Schutz des „Brotfisches der Elbe“ entwickelt werden. Denn der Stint ist natürlich nicht nur für die Fischer wichtig, sondern für das gesamte Öko-System der Elbe.

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Der Stint ist laut Umweltbehörde die dominante Fischart der Tideelbe und spielt eine zentrale Rolle im Nahrungsnetz. Die erwachsenen Stinte wandern nach dem Laichen im Laufe des Jahres wieder in die Nordsee. Aber seine Eier und Larven bleiben zunächst im Süßwasserbereich.

Die jungen Stinte wandern dann im Verlaufe des Sommers überwiegend in den Brackwasserbereich ab. Dort sind sie Nahrungsgrundlage für viele größere Fische und auch für Vögel.

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