Eine Frau sitzt im Fahrsimulator am UKE.
  • Durch zwei bis drei Fahrten in einem Fahrsimulator können gesunde Probanden eine UKE-Studie zu MS unterstützen.
  • Foto: hfr

Diagnose MS: Hamburger Studie soll Betroffenen den Alltag erleichtern

Für viele Betroffene ist die Diagnose Multiple Sklerose (MS) ein Schock. Das eigene Immunsystem beschädigt und zerstört die Nerven der Erkrankten. Doch nicht bei jedem muss die Krankheit einen schweren Verlauf nehmen. Die Geschichte von Jörg Faulhaber aus Niedersachsen macht Mut. Er nimmt jetzt an einer Studie teil, deren Ergebnis anderen Betroffenen den Alltag erleichtern könnte.

Jörg Faulhaber stand mitten im Leben: Er war ein gesunder Mann Ende 40 mit zwei erwachsenen Söhne und einer Ehefrau, lebte in einem Haus mit Garten in der Nähe von Stade. 2019 bekam er plötzlich eine schwere Entzündung in der Wirbelsäule.

„Ich hatte hohes Fieber und musste ins Krankenhaus. Meine Entzündungswerte waren stark erhöht“, berichtet Faulhaber. Hinzu kamen Schmerzen und Taubheitsgefühle in den Schultern, in den Beinen und im Brustkorb sowie immer wieder starke Erschöpfung.

Erst nach monatelanger Ärzte-Odyssee stand die Diagnose fest: Multiple Sklerose. Der heute 51-Jährige kannte die Krankheit bereits aus dem Freundes- und Familienkreis und wusste, welche Einschränkungen damit einhergehen können. Trotzdem bezeichnet er die Diagnose als gute Nachricht: „Jetzt weiß ich, wie mein Feind heißt!“ Die Symptome der vergangenen Monate ließen sich plötzlich erklären.

UKE sucht gesunde Probanden für Studie zu MS

Bei Jörg Faulhaber kommt die Krankheit in Schüben und die sind derzeit nicht so stark, sagt er. Seinem Job im Flugzeugbau kann er weiter nachgehen. Ein Medikament verhindert das Fortschreiten der Krankheit. „Es hätte mich auch schlimmer treffen können“, meint der 51-Jährige. „Ich habe gelernt, mit dem Feind zu leben.“

Um seine Krankheit besser zu verstehen und die Forschung zu unterstützen, nimmt Jörg Faulhaber immer wieder an Studien teil. Eine davon läuft gerade am UKE und sucht noch Probanden – auch gesunde.

In der Studie geht es darum, mit Fahrsimulatoren die Auswirkungen von MS auf die Fahrtüchtigkeit zu untersuchen. Vielen wird der Führerschein durch Prüfer oder Behördenstellen aufgrund ihrer Krankheit nicht zugetraut. Andere sind unsicher, ob sie mit ihren Einschränkungen noch am Straßenverkehr teilnehmen können.

Das UKE möchte dafür sorgen, dass solche Fahrsimulatoren bald überall eingesetzt werden, damit Patienten und Behörden die Fahrtüchtigkeit besser einschätzen können. Denn für viele gewinnt das Auto an Bedeutung, wenn das Gehen schwerfällt.

hfr Jörg Faulhaber hat den Test im Fahrsimulator bestanden. Er lässt sich von seiner Krankheit nicht runterziehen.
MS-Patient Jörg Faulhaber (51) in seinem Auto
Jörg Faulhaber hat den Test im Fahrsimulator bestanden. Er lässt sich von seiner Krankheit nicht runterziehen.

110 kranke und 105 gesunde Probanden wurden bereits untersucht. Die gesunde Vergleichsgruppe sorgt laut Studienleiterin Dr. Jana Pöttgen dafür, dass marginale Fehler der MS-Patienten beim Fahren nicht so herausstechen. Für einen guten Vergleich seien mindestens 120 Teilnehmer je Gruppe nötig.

„Die Teilnahme der Studie umfasst nur zwei bis drei Fahrten im Fahrsimulator hier im UKE. Der Studienzeitraum beträgt zwei Jahre“, so Dr. Jana Pöttgen. „Die Probanden erhalten zudem eine kleine Aufwandsentschädigung.“

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Jörg Faulhaber hat bereits zwei Untersuchungen abgeschlossen – mit gutem Ergebnis. Er kann weiterhin ganz normal Auto fahren. Wer es ihm gleichtun möchte, erreicht Jana Pöttgen unter Tel. (040) 7410-52266 oder unter j.poettgen@uke.de.

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