Der zu einer Geldstrafe verurteilte Maskengegner Frederik M.
  • Der zu einer Geldstrafe verurteilte Maskengegner Frederik M.
  • Foto: Quandt

„Das RKI verarscht uns nur“: Masken-Muffel muss mehrere Tausend Euro zahlen

Altona –

Im Oktober vergangenen Jahres hat ein Masken-Verweigerer auf seinen Social-Media Kanälen Videos davon hochgeladen, wie er im Kino und Supermarkt mit Mitarbeitern diskutiert. Zu der Auseinandersetzung kam es, weil er sich in beiden Fällen weigerte, eine Maske zu tragen. Die Videos gingen kurze Zeit später viral: das eine wurde mehr als 400.000 Mal angeklickt. Nun hat das Amtsgericht Altona den Maskengegner zu einer Geldstrafe in Höhe von 3200 Euro verurteilt.

„Ich bin super gespannt und freue mich auf diese neue Erfahrung“, sagt der Angeklagte Frederik M. (31) einen Tag vor der Gerichtsverhandlung auf seinem Instagram-Kanal. Zumindest nach außen hin entstand damit der Eindruck, als sei das alles für ihn eine Lachnummer und der deutsche Staat ein bisschen plemplem. Noch kurz vor der Verhandlung filmte er die Stühle im Gericht, die mit Abstand zueinander aufgestellt wurden, und wedelte mit der flachen Hand vor dem Gesicht herum.

Maskenverweigerer filmt Angestellte im Kino und Supermarkt – Videos gehen viral

Was ist überhaupt geschehen? Am 3. Oktober 2020 besuchte Frederik M. mit seiner Frau das Kino UCI Othmarschen. Beide trugen keine Maske. Er fragte die Mitarbeiter, ob er Popcorn für seine Frau haben könne. Das wurde verneint, mit der Begründung, dass im UCI eine Maskenpflicht bestünde. Doch der Angeklagte weigerte sich standhaft, eine Maske oder ähnliches aufzuziehen.

Schließlich zückte Frederik M. sein Handy und filmte den Streit. „Sehe ich das richtig, dass sie einer schwangeren Frau kein Popcorn verkaufen?“, fragte er dabei provozierend. Und: „Was sind Sie nur für ein abscheulicher Mensch“. Der Mitarbeiter bat den Angeklagten mehrmals, ihn nicht zu filmen. Doch Frederik M. stellte das Video kurze Zeit später online, welches sich innerhalb weniger Tage zum Online-Hit entwickelte.

Kino-Mitarbeiter leidet unter Folgen der Veröffentlichung des Videos

Das blieb nicht ohne Folgen: Der auf dem Ausschnitt zu sehende Kino-Mitarbeiter leidet bis heute unter den Auswirkungen. „Ich konnte nicht schlafen und hatte Kopfschmerzen“, erzählte der 28-Jährige vor Gericht. Einen Tag lang habe er das Handy sogar ganz ausgeschaltet, weil er die vielen Nachrichten und Anrufe der Freunde und Bekannten nicht mehr ausgehalten hätte. In seinen alten Supermarkt in UCI-Nähe könne er nicht mehr gehen. Zu viele würden ihn erkennen. Und das Echo auf den Social-Media-Kanälen? User äußerten sich mit „Der Typ gehört gefeuert“ und beschimpften ihn als „Hurensohn“.

Zwei Tage später spielte sich dasselbe in einem Altonaer Supermarkt ab, in dem Frederik M. ohne Maske einkaufen ging. Auch hier filmte er die Auseinandersetzung mit den Mitarbeitern, die ihn auf die Maskenpflicht hinwiesen. Die Ladenangestellte drängte darauf, dass Frederik M. die Aufnahmen löschen solle. Nichtsdestotrotz lud er die Aufnahme kurze Zeit später auf seinen Social-Media-Plattformen hoch. 

Hamburg: Angeklagter zeigt nur wenig Reue

Vor Gericht zeigte Frederik M. nur wenig Einsicht. Bei der Vernehmung der Zeugen lächelte der Angeklagte in sich hinein oder schüttelte den Kopf. Nach mehrmaliger Nachfrage des Richters sagte er schließlich, dass er es ihm schon leid täte, welche Auswirkung die Videos auf die Angestellten hätten. Zur Maskenpflicht schwieg er sich aus. Sein abschließendes Statement: „Ich will noch mal sagen, dass das Robert-Koch Institut uns hier alle verarscht.“

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Der Amtsrichter verurteilte Frederik M. wegen Hausfriedensbruchs und Verstoßes gegen das Urhebergesetz zu einer Geldstrafe in Höhe von 3200 Euro. Er betonte: „Es ist wichtig in einer Demokratie, dass man seine Meinung sagt.“ Doch gebe es dafür eine Grenze – die sei überschritten, wenn die Rechte anderer verletzt werden. So wie in diesem Fall. Und: niemandem mache es Spaß andere auf die Maskenpflicht hinzuweisen. „Man kommt sich so ein bisschen stasimäßig vor“, so der Richter. Doch gehöre diese Kontrolle in Pandemie-Zeiten schlicht zum Job einiger.

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