• Chris Hahn (69) vor einem 600er-Mercedes  aus dem Jahr 1966. Das Fahrzeug gehörte einmal  dem Tanker-Milliardär Aristoteles Onassis  (1906-1975). Nun wird das Auto restauriert und  geht an einen Scheich in Katar.
  • Foto: Florian Quandt

Hamburger Auto-Veredler: Er baut Mercedes für Stars und Scheichs um

Er ist der Rockstar unter den Auto-Veredlern. Er stieg ganz hoch und fiel ganz tief. Christian „Chris“ Hahn belieferte in den 80er Jahren Promis wie Frank Sinatra, Michael Jackson oder James Last mit umgebauten Mercedes-Modellen. Star unter den Fahrzeugen der „Styling Garage Schenefeld“ (SGS) war der nur 57-mal gebaute „Gullwing“ mit Flügeltüren. In einem Alter, in dem andere sich längst zur Ruhe gesetzt haben, startet der 69-Jährige jetzt in Rellingen noch mal durch.

Der Autobauer aus Leidenschaft führt uns über sein Gelände. Dort schrauben vier Syrer an Oldtimern. „Deutsche Mechatroniker können doch nur noch auf den Bildschirm gucken. Bei mir ist aber noch echtes Handwerk gefragt und das können die Jungs aus Syrien“, sagt Hahn. Auf Wunsch der MOPO posiert Chris Hahn neben einem Mercedes 600, der restauriert werden soll. Der Firmenchef lässt so nebenbei fallen: „Der gehörte Tanker-König Onassis und geht jetzt an einen Scheich in Katar.“

Der Bauernjunge wurde Ingenieur

Und dann kommt der Autobauer aus Leidenschaft ins Plaudern, erzählt, wie er hinterm Deich in Cuxhaven als Bauernjunge groß geworden ist und Maschinenbauer auf einer Werft gelernt hat. Er erzählt, wie er sein Abitur nachholte und Ingenieur wurde. Hahn heuerte auf dem Kreuzfahrtschiff „Hanseatic“ als Ingenieur an und gehörte später zur Besatzung der Yacht „Nabila“ des Milliardärs Adnan Khashoggi. „Wir haben in Marbella wilde Sau gespielt – mit Prinzen aus den Emiraten.“ Kontakte entstanden, die dem damals schon autoverrückten Hahn später sehr nützlich wurden.

Der Wagen, der Chris Hahn berühmt gemacht hat: ein mit Flügeltüren versehener Mercedes 500 SEC aus dem Jahr 1983.
Der Wagen, der Chris Hahn berühmt gemacht hat: ein mit Flügeltüren versehener Mercedes 500 SEC aus dem Jahr 1983.

Christian Hahn wechselte zum Hamburger BMW-Händler Adolf Werner, wurde Motorrad-Verkaufsleiter. „Wir sind damals auf der Stresemannstraße auf den Hinterrädern rauf und runter gerast“, erinnert sich Hahn. Über BMW kam er wieder in Kontakt mit Käufern aus dem arabischen Raum. Die liebten deutsche Autos, die waren ihnen aber zu bieder. Chris Hahn gründete deswegen seine ganz spezielle Werkstatt zunächst am Lokstedter Weg (Eppendorf) und baute einem Emir mal eben einen Rolls-Royce-Kühlergrill an dessen 450er S-Klasse Mercedes. Der blieb ein Einzelstück, doch dann fand Chris Hahn seinen persönlichen Stil beim Umbau von Luxusautos, spezialisierte sich auf Mercedes und zog nach Schenefeld (Kreis Pinneberg).

Mercedes verbot ihm, den Stern zu nutzen

Der Daimler-Benz-Konzern wurde sauer, als Hahn ab 1983 das Modell 500 SEC plötzlich mit Flügeltüren versah oder als Cabrio anbot. Mercedes verbot ihm den Stern als Markenzeichen. Chris Hahn war es schnuppe, er baute geschnitzte Falkenköpfe als Schalthebel, schuf plüschige Inneneinrichtungen, installierte Videorekorder in gestreckte Limousinen und schockte die Autowelt mit grellen Farben. Und den Stern? Den legte er gern vergoldet ins Handschuhfach. Die Kunden konnten ihn dann selbst dranschrauben.

Ein von Chris Hahn umgebauter S-Klasse-Mercedes der 126er Baureihe.
Ein von Chris Hahn umgebauter S-Klasse-Mercedes der 126er Baureihe.

40 knallbunte S-Klassen für Abu Dhabis Herrscherhaus

Hahns Meisterstück: 40 für das Herrscherhaus von Abu Dhabi anlässlich der Hochzeit des Kronprinzen umgebaute Mercedes-S-Klassen, lackiert in den Farben des Regenbogens. Bald arbeiteten 100 Menschen in der „Styling Garage“ und die Autos wurden weltweit verkauft. Doch wegen Währungsturbulenzen geriet SGS in Schieflage, 1986 folgte die Pleite. Im kleinen Rahmen machte Hahn noch bis 2005 weiter. Der Auto-Styler: „Ich hatte eine megageile Zeit.“

Hatte? Vor zehn Tagen zeigte er auf dem größten deutschen Mercedes-Treffen „Schöne Sterne“ bei Dortmund vier seiner Modelle und war der Star unter den Ausstellern. Chris Hahn bekommt wieder Aufträge aus der ganzen Welt und seine Autos von damals sind heute gesuchte Raritäten. Rente? Kein Thema für den legendären „Flügel-Gott“.

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