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  • Kochen in der Pandemie: Mehr gesunde Lebensmittel wandern in die Töpfe.
  • Foto: imago images/Westend61

Das Corona-Jahr 2020: Was wir während der Krise gelernt haben – eine Analyse

Das Jahr 2020 war so, wie das Wetter gerade ist: ziemlich durchwachsen! Ja, es ist verständlich, dass die Leute erschöpft, traurig und mutlos sind –  auch diejenigen, die sich bisher nicht mit dem Coronavirus  infiziert haben. Doch es lässt sich auch über 2020 durchaus Gutes berichten. Die Hamburgerin Mareike Fell ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, betreibt eine Praxis in Blankenese. Sie hat für die MOPO fünf Aspekte der Krise zusammengefasst –  und fragt, was Sie Gutes daraus gelernt haben.

1. Seit Corona kochen die Deutschen mehr – und zwar weniger Fleisch

Laut dem Ernährungsreport der Bundesregierung wird seit Corona tatsächlich wieder mehr gekocht! Wobei der Fleischkonsum dabei rückläufig ist und mehr frische Zutaten verwendet werden. 28 Prozent geben an, häufiger als zuvor gemeinsam zu essen.

Was haben Sie gelernt?

a) Ich kann jetzt kochen!

b) Ich werde kochen nie lernen.

c) Meine Kinder können viel besser kochen,  als ich dachte.

Corona war in dieser Hinsicht für viele eine echte Herausforderung, aber eben auch eine Chance: Manche Kinder müssen ihr Mittagessen plötzlich selbst kochen, weil die Eltern im Homeoffice beschäftigt sind oder schlichtweg zur Arbeit gehen müssen, während die Schulen geschlossen sind. Dieser Umstand fördert nicht nur die Selbstwirksamkeit der Kinder, sondern auch ihre Selbstständigkeit.

Aber auch der letzte Erwachsene hat seine Kochkünste erweitert oder gelernt, aus den Zutaten der Frischebox nach Anleitung etwas Leckeres zu zaubern!

2. Anpassungsfähigkeit ist die Königsdisziplin des Menschen

Es gab sicherlich Momente, in denen wir dachten,  wir können nicht mehr. Und doch sind wir heute hier, feiern Weihnachten und auch Silvester –  nur eben anders!

Welche Erkenntnis ist Ihnen gekommen?

a) Ich schaffe viel mehr,  als ich dachte!

b) Gemeinsam schaffen wir das!

c) Ich schaffe das nicht alleine –  ich hole mir dafür jetzt Hilfe.

Anpassungsfähigkeit ist die Königsdisziplin des Menschen – dank unseres Gehirns. Wenn wir unvorbereitet in eine Krise geraten wie zum Beispiel Corona sind wir  erst mal hilflos, ohnmächtig und orientierungslos. Dann allerdings geht es schnell: Wir entdecken Grenzen, die wir vorher noch gar nicht kannten, und entwickeln Lösungen, die wir nie für möglich gehalten hätten!

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Wir kreieren und kombinieren Neues aus dem Erlebten, sodass wir auf die zweite Welle der Corona-Krise besser vorbereitet und flexibler sind. Wir haben uns angepasst: Das Homeoffice ist das neue Normal, Inlandsreisen werden gehandelt wie Gold, Sport findet online statt, Schule geht plötzlich doch auch digital und sogar die Kultur kommt nun zu uns nach Hause – wer hätte das vor einem Jahr für möglich gehalten?

3. Corona-Krise: Struktur zählt zu den Grundbedürfnissen

Der Mensch braucht Struktur. Struktur bietet uns Kontrolle und Berechenbarkeit. Planbarkeit. Sie gibt uns Vertrauen und Orientierung. Nun hat Corona unsere gewohnten Strukturen von heute auf morgen außer Kraft gesetzt. Einfach weg.

Was haben Sie daraus gemacht?

a) Ich kann Struktur! Hab mir einfach eine neue gebaut.

b) Wofür brauche ich Struktur?! Alles so schön bunt hier.

c) Struktur fehlt mir! Ich orientiere mich jetzt an anderen.

Struktur zählt zu den Grundbedürfnissen der Menschen. Wenn sie wegfällt, zeigt sich die Persönlichkeit: Der eine baut die verloren gegangenen Strukturen einfach um und gestaltet seinen Homeoffice-Tag oder das Home-Schooling nach genauen, von ihm selbst definierten Strukturen neu.

Die andere entdeckt, dass sich das Leben ohne das Korsett der gewohnten Strukturen viel freier anfühlt! Hier wird plötzlich ausgeschlafen und die Dinge werden dann erledigt, wenn es passt.

Eine dritte Gruppe findet sich erst mal tatsächlich nicht so richtig zurecht. Die alte Struktur passt nicht, neue Strukturen sind doof und ohne fühlt man sich nackig. Diese Personen scheinen erst mal zu wackeln, aber auch ihnen bietet Corona die Chance zur Weiterentwicklung: Nie gab es mehr Orientierung und Hilfsangebote im Netz!

Hier zeigt sich eine andere Kernkompetenz der Menschen: Zusammenhalt! Was immer Sie aus dem Wegfall der Strukturen machen: Hauptsache, es ist Ihres.

4. Sich abgrenzen gegen emotionalen Stress in der Corona-Zeit

Selfcare bedeutet gerade in diesen Zeiten, sich sichtbar zu machen. Sich abzugrenzen. Ansonsten droht zu Hause der „Dichtestress“! Also emotionaler Stress durch den Wegfall von Zeit und Raum für sich selbst.

Was ist Ihre Strategie geworden:

a) Nein sagen? Kein Problem mehr!

b) Ich kümmere mich jetzt selbst um meine Bedürfnisse.

c) Ich gebe Aufgaben und Verantwortung jetzt einfach ab!

In Zeiten von Corona, wo wir uns nicht mehr so einfach aus dem Weg gehen, nicht mehr einfach flüchten oder ausweichen können, hat sich eins deutlich gezeigt: Habe ich Strategien, gut für mich selbst zu sorgen, oder bin ich zu gut erzogen worden? Selfcare ist eng an unsere Abgrenzungs-Kompetenz gekoppelt: Je besser wir uns mit unseren Bedürfnissen sichtbar machen können, umso besser geht es uns in dieser Zeit.

Sichtbarmachen heißt, sowohl die eigenen Grenzen als auch Wünsche und Bedürfnisse klar kommunizieren zu können. Selfcare heißt aber auch, sich selbst darum sorgen zu können, wofür unser Gegenüber nicht sorgen kann, und gegebenenfalls tragbare Kompromisse zu finden.

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Eine Lösung kann in diesem Zusammenhang zum Beispiel sein, in der Triade von Home-Office, Home-Schooling und Home-Work vermehrt Aufgaben und Verantwortung an die Kinder abzugeben: Auch kleinere Kinder können den Tisch schon decken – anders vielleicht, aber es geht … Sie können sich auch schon selbst „ins Bett bringen“ und ja, manchmal reicht ein: „Heute habe ich keine Kraft mehr, dich zu erziehen – mach das bitte selbst!“ Großer Spaß! Ich verspreche Ihnen einen schönen Feierabend.

Ältere Kinder können die Verantwortung für ihre Schule weitreichender selbst übernehmen, als man denkt. Es ist sogar andersrum: Erst  wenn wir Eltern aus der Verantwortung für die Schule heraustreten, kann das Kind übernehmen. Nutzen Sie diese Chance! Selfcare ist einer der stärksten Wachstumsbereiche, die Corona für uns zu bieten hat!

5. Resilienz durch Verantwortungsübernahme: Raus aus der Opferrolle!

Der Begriff der Resilienz kommt ursprünglich aus der Materialwirtschaft und bedeutet, dass ein Material unter Druck seine Form verändern kann und danach wieder in seine Ursprungsform zurückkehrt, ähnlich einem Gummiband. Corona hat unsere Resilienz auf eine harte Probe gestellt.

Wie sieht es bei Ihnen aus:

a) Ich bin ein Gummiband!

b) Ich bin ein Stehaufmännchen!

c) Ich bin ein Chamäleon!

Resilienz ist nichts, was wir tun können. Vielmehr ist Resilienz das Ergebnis aus dem, was wir tun. Monika Gruhl hat sieben Strategien von Stehauf-Menschen herausgearbeitet: Optimismus meint dabei die Grundhaltung, dass es immer noch schlimmer kommen kann!

Akzeptanz steht für die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden (frei nach Reinhold Niebuhr). Lösungsorientierung heißt  immer Wege zu suchen. Wer nicht will, findet Gründe (frei nach Harald Kostial). Selbstregulierung zeigt sich an den Tools, die uns zur Verfügung stehen, um mit Stress umzugehen, seien es Atemübungen, die Laufeinheit oder das Stricken.

Verantwortungsübernahme ist ein zentraler Punkt der Resilienz: Raus aus der Opferrolle und Ohnmacht! Nicht mehr passiv sein,  sondern aktiv werden,  indem ich mich frage: Wie kann ich die Situation selbst gestalten und so zu meinem machen?

Netzwerkorientierung erklärt sich von selbst: Ich muss nicht alles können –  ich muss nur jemanden kennen, der es kann! Zuletzt ist Zukunftsplanung etwas, das uns resilient werden lässt. So sagt der Futurologe Max Thinius: Zukunft passiert uns nicht morgen, sondern wir gestalten sie heute.

Die eine ist dabei eher wie ein Gummiband, der andere verlässt nicht seine Form, aber weicht aus wie ein Stehaufmännchen, und ein Dritter macht sich einfach unsichtbar wie ein Chamäleon. Was immer Ihre Taktik dabei ist – Sie werden nicht zerbrechen! Und das ist doch, was zählt.

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