Das Hauptgebäude der Universität Hamburg im Stadtteil Rotherbaum. 
  • Das Hauptgebäude der Universität Hamburg im Stadtteil Rotherbaum. 
  • Foto: imago images/Hoch Zwei Stock/Angerer

Corona-„Studie“: Professorin wirft eigener Uni Desinformation vor

Rotherbaum –

Die wissenschaftliche Welt ist in Aufregung, seit ein Physik-Professor der Universität Hamburg ein Papier zum möglichen Ursprung des Coronavirus publiziert hat. Es hagelt Kritik von allen Seiten. Eine Professorin wirft ihrer eigenen Hochschule nun Desinformation vor. 

Juliane Lischka ist Professorin für Digitalen Journalismus an der Universität Hamburg. Auf Twitter schrieb sie am Freitag: „Die Publikation und der Post haben klare Desinformationsmerkmale. Keine Verantwortlichen haben reagiert. Es wird ein trauriges Fallbeispiel in meinem Desinformations-Seminar.“

Corona-„Studie“: Professorin wirft Uni Desinformation vor

Zur Erinnerung: Am Donnerstag hatte die Pressestelle der Hochschule ein Papier zum Ursprung des Coronavirus veröffentlicht und es als „Studie“ bezeichnet. Darin kommt der renommierte Physik-Professor Roland Wiesendanger zu dem Ergebnis, dass ein Laborunfall der Ursprung der Pandemie ist.

Daraufhin hagelte es Kritik: Die Arbeit erfülle nicht die wissenschaftlichen Kriterien einer Studie und berufe sich zum Teil auf dubiose Quellen. Der Physiker hat für seine Veröffentlichung mit internationalen Kollegen gesprochen, wissenschaftliche Literatur ausgewertet – aber auch Twitter-Accounts, Youtube-Videos sowie Medienberichte, darunter von der „Epoch Times“, die bei Verschwörungstheoretikern beliebt ist.

Professorin Juliane Lischka kritisiert Universität Hamburg

Die Professorin Juliane Lischka übt harte Kritik an ihrer Hochschule. „Ich finde, die Hochschule muss sich der Verantwortung bewusst werden, die man als wissenschaftliche Institution gegenüber der Gesellschaft hat, und verantwortungsgemäß handeln. Also die Trennung zwischen wissenschaftlichen Studien und Meinungen kenntlich zu machen“, sagt sie in einem Interview mit „Zeit Online“.

Das Mindeste sei gewesen, noch ein Statement abzugeben, das den Post und die Publikation einordnet und relativiert. Meinung und Fakten nicht zu trennen – für sie ein Merkmal von Desinformation. 

An der Universität Hamburg seien viele von dem Tweet der Universität irritiert und würden gern wissen, wie es dazu kam, dass dieses Papier als Studie gepostet wurde. „Es schadet der Reputation der Universität Hamburg und letztendlich der gesamten Wissenschaft“, so die Professorin in dem Interview. 

Hamburger Universitätspräsident Dieter Lenzen äußert sich nicht 

Universitätspräsident Dieter Lenzen hat sich bislang nicht geäußert. Aus der Pressestelle der Hochschule hieß es, dass man Studien der Wissenschaftler nicht inhaltlich bewerten und keine Zensur an Forschungsgegenständen oder -ergebnissen ausüben wolle. 

Das könnte Sie auch interessieren: Alle Neuigkeiten zum Coronavirus in Hamburg gibt es in unserem Newsticker

Das Virus wurde erstmals in der chinesischen Millionenstadt Wuhan identifiziert. Der genaue Ursprung ist noch immer nicht bekannt. Ein Laborunfall, wie der Hamburger Professor annimmt, ist die am wenigsten wahrscheinliche Ursache. Das sagt jetzt eine niederländische Virologin, die mit einem Team der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach China gereist war, um nach dem Ursprung der Pandemie zu suchen. 

WHO: Laborunfall ist wenig wahrscheinlich

„Dass das Virus bewusst als eine Art Biowaffe herangezüchtet worden sein könnte, gilt nach dem Stand der wissenschaftlichen Debatte als sehr unwahrscheinlich“, so die Wissenschaftlerin im „Spiegel“. Bliebe die Möglichkeit eines Laborunfalls. Das WHO-Team habe drei infrage kommende Labors besucht und sich die Forschungen dort erklären lassen.

Ein Laborunfall sei die am wenigsten wahrscheinliche Ursache der Pandemie, so das Fazit das WHO-Teams. Nach wie vor stehen Fledermäuse im Verdacht, der eigentliche Ursprungsherd zu sein. 

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp