Mit der Maskenpflicht tun sich manche Fahrgäste im Öffentlichen Nahverkehr schwer.
  • Mit der Maskenpflicht tun sich manche Fahrgäste im Öffentlichen Nahverkehr schwer.
  • Foto: imago images/Michael Weber

Corona-Regeln: Masken-Ignoranz in Hamburgs S-Bahn

Seit dem 27. April gilt in Hamburg die Maskenpflicht in Geschäften, im Supermarkt und Öffentlichen Nahverkehr. Die Akzeptanz war anfangs hoch, doch sie scheint von Tag zu Tag zu sinken. MOPO-Reporterin Annalena Barnickel fährt täglich S-Bahn – und beobachtet einen Wandel.

Montag, 27. April, 8 Uhr morgens. Tag 1 der Maskenpflicht im Hamburger ÖPNV. Am unterirdischen S-Bahnhof Harburg Rathaus ist die Verunsicherung noch ziemlich groß. Immer wieder beäugen sich die wenigen Fahrgäste gegenseitig in den sehr leeren Waggons der Linie S31.

Maskenpflicht in Hamburg: Eine hohe Akzeptanz zu Beginn

Alle tragen einen Mund- und Nasenschutz. Wenn keine selbstgenähte Maske, dann eben einen Schal oder ein Halstuch, das um Mund und Nase gebunden wurde. Teilweise hält das aber etwas schlechter, doch eilig wird der Schutz wieder hochgezogen, sollte er nur ein bisschen verrutschen.

Verstöße gegen die Maskenpflicht gibt es so gut wie keine. Auch die S-Bahn Hamburg spricht an diesem Tag von kaum gezählten Verstößen. 95 Prozent hätten zu Beginn der Maskenpflicht im Öffentlichen Nahverkehr in Hamburg auch eine getragen, sagte Wirtschaftssenator Michael Westhagemann damals. So ist auch der Eindruck auf der Fahrt von Harburg nach Hamburg: Ganz vereinzelt setzt sich mal ein Provokateur ohne Maske auf einen Viererplatz und schaut grinsend in die Runde. Das ist aber die absolute Ausnahme.

Video: MOPO auf Streife mit der Bundespolizei

Maskenpflicht im ÖPNV Hamburg: Strenge Kontrollen

Die S-Bahn Hamburg setzt vermehrt Kontrollen in Zügen ein, öfter sieht man Teams in gelben Westen durch die Waggons laufen, die sich die Fahrgäste genauer anschauen. Auch am Bahnhof Altona wird stark kontrolliert.

Ein Fahrgast, der ohne Maske die Treppe herunterläuft, wird von den entgegenkommenden Passanten auf der Rolltreppe hektisch gewarnt, sich etwas vor den Mund zu halten. Und tatsächlich. Biegt man um die Ecke, steht dort die Polizei.

Maskenpflicht in Hamburg: Wie sieht’s nach ein paar Wochen aus?

Mittlerweile gilt die Maskenpflicht bereits seit drei Wochen. Die Züge der S31 und S3 füllen sich sicht- und spürbar. Hatte man vor ein paar Wochen noch stets einen Viererplatz für sich alleine, muss man ihn inzwischen meistens mit einem weiteren Fahrgast teilen. Vor allem die Strecke zwischen Hauptbahnhof und dem Süden Hamburgs wird wieder von deutlich mehr Menschen genutzt.

Die Maskenpflicht ist also wichtiger denn je. Denn auch ein einfacher Mundschutz hält einen Teil der infektiösen, größeren Virentröpfchen ab, wenn man hustet oder spricht. Außerdem werden austretende kleinere Tröpfchen (Aerosole) gebremst und fliegen nicht mehr so weit umher, wie ohne Schutz.

Maskenpflicht in Hamburg: Tragen weniger Fahrgäste die Maske richtig?

Doch ausgerechnet jetzt scheint die Akzeptanz der Mund-Nasen-Masken von Tag zu Tag zu sinken. Immer öfter wird die Maske nur über dem Mund getragen, um dann durch die Nase zu atmen. Das ist angenehmer – aber da kann man die Maske laut den Experten auch gleich weglassen. Aber auch immer mehr Fahrgäste lassen die Maske ganz weg.

Maskenpflicht im ÖPNV Hamburg: Essen in der Bahn

So etwa die Dreier-Jungsgruppe, die schon untereinander boxend in die Bahn einsteigt, während alle anderen Fahrgäste erschrocken zurückweichen. Im Waggon ziehen sie sich die Masken unters Kinn und schubsen sich im Vierersitz lärmend herum. Sehr unangenehm für die anderen Fahrgäste. 

Und dann sind da noch die Frühstücker und Abendbrotler in der Bahn, die auf dem Platz die Maske ablegen und in ihr Brötchen beißen. Auch da gilt: Da kann man es auch gleich lassen. 

Maskenpflicht im ÖPNV: Das sagt die S-Bahn Hamburg

Die MOPO hat bei der S-Bahn Hamburg nachgefragt, wie ihre aktuellen Beobachtungen bezüglich der Maskenpflicht sind. Dort hat man einen völlig anderen Eindruck. Pressesprecher Christoph Dross:

„Wir beobachten regelmäßig und sehen weiterhin eine sehr hohe Akzeptanz“, ist er sich sicher: „Wir haben die Möglichkeit, Stichproben zu nehmen mithilfe des Personals, das draußen unterwegs ist, und der Kameras. Wir sehen bei nahezu allen Fahrgästen weiterhin eine Maske.“

Maskenpflicht im ÖPNV: Weiterhin hohe Akzeptanz laut S-Bahn Hamburg

Die Kontrollen seien außerdem noch deutlich gestiegen, erklärt er weiter. Auf die vermehrten Fahrgäste habe die S-Bahn ebenfalls reagiert. Die S11 fahre wieder ihre normale Strecke zwischen Blankenese und Altona. Diese war zwischenzeitlich ausgesetzt worden. Und auch auf der Linie S3 gebe es wieder Langzüge.

„Außerdem können sich weiterhin Personen mit gesundheitlichen Problemen von der Maskenpflicht befreien lassen“, betont Dross, „deshalb ist nicht jeder ohne Maske gleich ein Regelbrecher.“ (aba)

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp