Reporterin Daphne Ivana Sagner ist Teil des Hamburger Projekts „Viertes Deutsches Fernsehen“.
  • Reporterin Daphne Ivana Sagner ist Teil des Hamburger Projekts „Viertes Deutsches Fernsehen“.
  • Foto: Viertes Deutsches Fernsehen

Corona-Projekt: Das steckt hinter Hamburgs „Viertem Deutschen Fernsehen“

„Wir machen Unterhaltung mit Haltung und holen die Leute da ab, wo sie nicht sind.“ Mit diesen Worten beschreibt der Hamburger Journalist und Moderator Michel Abdollahi das „Vierte Deutsche Fernsehen“ (VDF): Sein neuer eigener Sender, der aus der Corona-Krise heraus entstanden ist.

Zu finden ist das VDF auf Instagram, Facebook und Youtube. Dort will der Sender vor allem Jugendliche zwischen 19 und 29 Jahren mit gesellschaftlichen und sozialpolitischen Themen, wie Sexismus und Alltagsrassismus, abholen.

Auf Instagram und Co: „Das Vierte Deutsche Fernsehen“

„Während einer Pandemie wird Tag und Nacht über nichts anderes außer Corona berichtet“, sagt Michel Abdollahi im Gespräch mit der MOPO. „Die Anschläge von Hanau sind mit Beginn der Corona-Krise direkt in Vergessenheit geraten“, nennt er nur ein Beispiel. Es gebe noch so viele andere Themen. 

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Der Hamburger Journalist Michel Abdollahi hat seinen eigenen Sender gegründet.

Foto:

imago/Chris Emil Janßen

Die Idee für den Non-Profit-Onlinesender kam zu Beginn des ersten Lockdowns im März, als er mit Kolleginnen und Kollegen aus der Kultur- und Medienbranche zusammensaß. „Alle unter 30“, sagt der 39-Jährige.

„Das Vierte Deutsche Fernsehen“: Aus der Krise entstanden

„Viele dachten, dass die Pandemie schnell vorbei geht und verschoben ihre Poetry Slams auf den September. Ich habe daran nicht geglaubt.“ Er bot ihnen das Projekt an, das er jetzt mit Geschäftspartner Robert Oschatz als Gesellschafter führt.

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Mitten in der Krise haben sie sieben Vollzeit-Arbeitsplätze geschaffen. „Wir sind eine richtige kleine Redaktion“, sagt Abdollahi. „Und haben Lust, Dinge, die uns im Alltag begegnen, journalistisch umzusetzen.“

Ein viraler Hit: „Catcalling“ mal umgedreht

Eine Erfahrung aus dem Alltag, die das „Vierte Deutsche Fernsehen“ umgesetzt hat, ist „Catcalling“. Darunter versteht man unerwünschte, sexuelle Äußerungen oder Gesten durch fremde Männer im öffentlichen Raum. Das kann so klingen: „Hallo Süße!“ „Geiler Arsch!“ oder „Wo geht’s hin? Kann ich mitkommen?“ In Deutschland ist „Catcalling“ immer noch straffrei.

Über 1,3 Millionen Aufrufe hat das virale Video, in dem Reporterin Daphne Ivana Sagner den Spieß einfach mal umgedreht und Männern auf der Straße hinterhergepfiffen hat. „Bleib doch mal stehen! Geiler Arsch!“, ruft sie. Ergänzt wurde das Video mit Aussagen junger Frauen, die von ihren „Catcalling“-Erfahrungen berichteten. „Damit haben wir einen Nerv getroffen“, sagt Abdollahi, „und das wollen wir öfter machen.“

Kulturbehörde fördert „Das vierte Deutsche Fernsehen“

Besonders freut den Hamburger die relativ große Community auf Social Media. „Es gibt so viele rege, aber sachliche Diskussionen, das ist einfach toll. Inzwischen schreiben uns auch viele Leute direkt an und fragen um Rat.“ Das betreffe die unterschiedlichsten Themen: Von schlechten Schul-Erfahrungen, Sexismus oder Gewalt in der Ehe. „Wir vermitteln dann zum Beispiel Hilfsorganisationen.“

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Für das Hamburger Projekt geht es jetzt mindestens bis Jahresende weiter. Von der Kulturbehörde hat Abdollahi knapp 100.000 Euro Fördergeld bewilligt bekommen.

„Das Vierte Deutsche Fernsehen“: Eine Hamburger Idee

In der Hansestadt ist der Journalist und Moderator kein Unbekannter. Auf St. Pauli dreht er für den NDR seine Late-Night-Show „Der deutsche Michel“ und im U-Boot am Altonaer Fischmarkt den Talk „Käpt’ns Dinner.“ 2016 wurde er für seine NDR-Reportage „Im Nazidorf“ und seine Straßenaktionen im „NDR-Kulturjournal“ mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet.

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