Ein Vancarrier im Einsatz am Containerterminal Burchardkai.
  • Ein Vancarrier im Einsatz am Containerterminal Burchardkai.
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Corona im Hafen: „Wir werden verheizt!“ Arbeiter haben Angst vor Ansteckung

Deutschland diskutiert über die Homeoffice-Pflicht, auch in Hamburg sollen Unternehmen ihre Mitarbeiter angesichts der Corona-Situation möglichst zu Hause arbeiten lassen. Doch was ist mit den Menschen, die nicht am Schreibtisch arbeiten? An den Arbeitern, die unter Einsatz ihrer Körperkraft schuften, geht diese Diskussion vorbei. Viele fühlen sich ausgeliefert – zum Beispiel im Hafen.

„Wir werden verheizt!“, sagt ein Arbeiter des Containerterminals Burchardkai, der aus Angst vor Repressalien seinen Namen nicht veröffentlicht haben will. Kurz nach Weihnachten war es hier an den Kaianlagen in Waltershof zu einem Infektionsgeschehen gekommen.

Sieben Terminal-Arbeiter in Waltershof mit Corona infiziert

Eine Person wurde positiv getestet. Zwar schickte der Terminalbetreiber HHLA sämtliche Schicht-Kollegen in Quarantäne. Doch eine Woche später tauchten die nächsten Fälle auf. Sieben Arbeiter sind bisher an Covid-19 erkrankt. Werden noch weitere folgen?

„Ich habe Angst, mich zu infizieren“, sagt auch ein Kollege des Mannes vom Burchardkai. Er sieht verschiedene Gefahrenzonen. „Zwischen den engen Spint-Reihen in den Umkleiden ist es gar nicht möglich, Abstand zu halten“, sagt er. Theoretisch könne man zwar immer einzeln reingehen. Doch das sei nicht realistisch. „Das würde ja zu enormen Verzögerungen beim Schichtwechsel führen“, sagt er.

Hamburg: Hafenarbeiter haben Angst vor Ansteckung

Was der Mann auch nicht versteht, ist, warum die Betriebskantine noch geöffnet sei, obwohl alle Restaurants in der Stadt geschlossen sind. Er räumt aber ein, dass eine Versorgung in Waltershof anders nicht möglich ist. Die HHLA hat externen Besuchern den Zugang zur Kantine untersagt. Schilder mahnen zum Abstandhalten und Maskentragen. „Da halten sich aber nicht alle dran. Kontrolliert wird das nicht“, sagt der Mann.

Zwischen den Jahren sei die Reinigungsfirma gewechselt worden, erzählen die beiden Arbeiter. Dabei sei es zu Hygienemängeln gekommen: „Fußböden wurden nicht gewischt, Mülleimer tagelang nicht geleert, Papierhandtücher und Seifenspender nicht aufgefüllt“, so die Schilderung. Inzwischen sei das aber besser geworden.

Kommt es zu Verzögerungen bei der Schiffsabfertigung?

Am meisten Sorgen macht den beiden Kollegen die Situation in den Führerhäuschen der Vancarrier und Containerbrücken. „Hier gibt es nach den Schichten immer einen fliegenden Wechsel. Da wird nichts desinfiziert. Es steht nicht mal eine Sprühflasche bereit, damit man die Griffe, Hebel und Knöpfe selbst reinigen könnte“, so die beiden Männer.

Sie befürchten, dass es zu Problemen bei der Schiffsabfertigung kommen könnte, sollte sich das Infektionsgeschehen noch weiter fortsetzen und die Personalsituation durch Quarantänemaßnahmen belastet.

HHLA: Umfangreiche und strenge Schutzmaßnahmen gelten

Die HHLA sieht darin keine Gefahr: „Seit dem Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr vergangenen Jahres gab es nicht einen Tag, an dem die Betriebsstabilität gefährdet war“, so eine Sprecherin. „Es gab keine Personalsituation, die den Betrieb gefährdet hat. Die Quarantänezahlen seien rückläufig. „Durch das schnelle und konsequente Eingreifen der Corona-Manager vor Ort, unterstützt vom betriebsärztlichen Dienst, konnte ein Corona-Ausbruch mit weitergehenden Infektionsketten verhindert werden.“ Aktuell gebe es keine weiteren Infektionsfälle.

Die HHLA betonte, dass man schon nach dem Auftauchen des Virus‘ in Wuhan angefangen habe, sich auf eine Pandemie-Situation vorzubereiten. Seit dem Frühjahr habe man umfangreiche Maßnahmen ergriffen, die in Teilen noch strenger seien als die behördlich angeordneten Regelungen.

HHLA: Verstöße gegen die Regeln werden nicht toleriert

„Alle Maßnahmen werden umfangreich und wiederholt an die Mitarbeiter und verantwortlichen Führungskräfte kommuniziert – über interne Kanäle, Aushänge und Betriebsanweisungen“, so die Sprecherin. Wenn einzelne Mitarbeiter gegen die Regeln verstießen, werde das nicht toleriert.

Was die Vancarrier angeht, halte man sich an die Vorschriften: „Nach den SARS-CoV2-Arbeitsschutzregeln des Bundesarbeitsministeriums werden Flächendesinfektionen außerhalb von Bereichen der direkten Patientenversorgung als nicht notwendig erachtet.“

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Die Terminal-Arbeiter machen sich dennoch Sorgen. Sie sollen sich in einem Brief an den Betriebsrat gewandt haben und eine wirksamere Strategie im Umgang mit dem Virus eingefordert haben. „Die Emotionen kochen hier hoch“, sagt einer der Arbeiter. 

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