Friedrich Merz auf dem Dom
  • Friedrich Merz eröffnete den Wahlkampf der Hamburger CDU auf dem Hamburger Dom
  • Foto: / Florian Quandt

CDU-Wahlkampf auf dem Dom: Ein Herz für Merz, kein Wort zu Laschet

Kann man Wahlkampf machen, ohne den eigenen Kanzlerkandidaten anzupreisen? Die CDU Hamburg schafft das. Zum Auftakt des Wahlkampfes hat der neuerdings erzkonservative Landesverband den Fast-Beinahe-Parteichef Friedrich Merz auf den Dom eingeladen. Der kam, nahm ein riesiges Lebkuchenherz in Empfang, machte wortgewaltig die politischen Gegner nieder, sprach über alles und jeden, nur nicht über Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet.

Im Sommergarten „Zur Bratpfanne“ sitzt Friedrich Merz vor einem Wandgemälde mit Landschaft und Wasserfall. Dahinter rumpeln die Wagen der Achterbahn, über seinem Tisch baumelt ein Schild, auf dem „gebratene Champignons“ steht. Die Konservativen in der CDU raunen immer lauter: „Mehr Merz wagen“, weil der glücklose und ungeliebte Armin Laschet nicht so recht zieht.

Friedrich Merz macht Wahlkampf in Hamburg

Der Stargast ist tief gebräunt, trägt Anzug und Krawatte und macht sein strenges Klare-Kante-Friedrich-Merz-Gesicht. Für Bratpfannenkost ist es noch zu früh, es gibt Kaffee und Berliner.

Eingeladen hat Christoph de Vries, CDU-Bundestagsabgeordneter für Hamburg-Mitte – und ausgewiesener Merz-Fan. „Unser lieber Friedrich Merz“ und „einen der besten Köpfe der CDU“ nennt er ihn, und erzählt, dass er Merz früher immer gerne in Talkshows gesehen hat, zusammen mit seinen Eltern. Sogar das Wetter macht der Gast besser: „Kaum ist Friedrich Merz da, lässt sich die Sonne blicken.“

Friedrich Merz mit Lebkuchenherz
Friedrich Merz mit Sascha Belli (Schaustellerverband) und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Christoph de Vries

Immerhin: Einmal bringt de Vries es über die Lippen: „Wir wollen, dass Armin Laschet Bundeskanzler wird.“ Als er wenig später die Vermögens- und Erbschaftssteuer verteufelt, ist der Applaus des Publikums deutlich enthusiastischer als bei der Erwähnung des Kanzlerkandidaten. Im Publikum: zwei Männer mit de-Vries-T-Shirts („Christoph de Vries – Hanseat mit Format“). Die Mitglieder der Jungen Union werden sich später für ein Foto um Merz gruppieren, nur ein paar Sekunden, Zeit ist knapp.

De Vries arbeitet sich an der SPD ab („Ist Olaf Scholz kanzlerfähig? Ich sag nur G20!“ und an den Grünen („Ich möchte nicht, dass Sie sich verteidigen müssen, wenn Sie auf dem Dom eine Bratwurst essen“), dann noch ein letzter Lobgesang („Friedrich, ich verfolge alle deine Auftritte auf Social Media und ich muss sagen, ich kann dir selten widersprechen”) – und endlich tritt Friedrich Merz ans Mikrofon. Eine Dreiviertelstunde spricht er frei, in der Hand nur einen kleinen Werbeflyer von de Vries.

Friedrich Merz auf dem Hamburger Dom

Auch Merz geht auf alles links der CDU los. Seine Partei müsse aufwachen, denn wenn SPD und Grüne auch nur die kleinste Chance sehen: „Dann wird jeder Versuch unternommen, eine Regierung ohne die CDU zu bilden, jeder!“ Spott für „Frau Esken, vielleicht erinnern Sie sich, die SPD-Parteivorsitzende“, Lob für die Bundeswehr, und zwar ausdrücklich für die „Soldaten und Soldatinnen“. Merz lässt das generische Maskulinum tatsächlich links liegen, sagt auch „Schausteller und Schaustellerinnen.“ Er kann das.

Friedrich Merz auf dem Dom
Der nächste Termin ruft: Friedrich Merz eilt über den Dom

Kleiner Exkurs zu den Flüchtlingen. Es sei ein Märchen, dass Deutschland nur alle Grenzen aufmachen müsse „und dann kommen alle her, sprechen deutsch und haben Berufe, die wir brauchen“. Kürzlich hatte Merz die Grünen via Twitter attackiert, sie wollen „möglichst viele Einwanderer einladen“, was nicht stimmte. Es gab viel Gegenwind. Im Sommergarten nicht. Da sagt Merz: „Einwanderung muss sich an den Interessen des Staates orientieren, nicht an den Interessen der Einwanderer.“ Lautester Applaus des Nachmittages.

Noch etwas zum Klimawandel, der nicht bestritten wird („bitte nicht bestreiten!“), den deutsche Ingenieure aber mit ihrem Erfindungsgeist in den Griff kriegen werden, es ging ja schließlich schon die industrielle Revolution von Deutschland aus: „Es ist die Stunde der Ingenieure, nicht der Ideologen.“ Griffig, knackig, beruhigend. Keiner muss auf seinen Verbrenner verzichten: „Wir müssen das CO2 aus der Luft rausholen, nicht immer nur einsparen.“

Dann noch ein kleiner Ausblick auf die persönliche Zukunft des Friedrich Merz: „Wenn ich wieder gewählt werde, und das ist wohl nicht zu vermeiden, stehe ich für die CDU als moderne Volkspartei.“ Ich, Friedrich Merz. Nicht Armin Laschet.

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