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  • Foto: dpa

Brasilianer ermordet: Hamburger lebte Monate mit Leiche – jetzt spricht er vor Gericht

Marco T. (46) lebte monatelang mit der Leiche von Matheus José Gabriel A. (29) zusammen. Am Montag stand er erneut vor dem Hamburger Landgericht. Der Vorwurf: Er soll den 29-jährigen Brasilianer unter Drogen gesetzt und umgebracht haben. Das stritt Marco T. im Prozess ab und ließ über seine Verteidigung erklären, wie es angeblich zum Tod gekommen sei.

Der 1,65 Meter große Mann wirkt mit seinem weißen Hemd und der Glatze unscheinbar, gar harmlos. Würde er nicht auf der Anklagebank sitzen – keiner würde ihn verdächtigen. 

Erst feiern und dann noch Drogen dazu: Marco. T. sieht sich als Opfer

Laut der Erklärung des Angeklagten lernte er das Opfer beim Feiern kennen, am darauffolgenden Tag verabredeten sie sich. Sie gingen aus und später in die Wohnung von Marco T., wo sie weiter tranken.

Der Angeklagte behauptet, dass Matheus A. Drogen genommen hätte und sich sein Verhalten immer stärker veränderte. So sehr, dass dieser ihm erst unerwünschte Sexuelle-Avancen machte, nur um ihn dann einige Augenblicke später gewaltsam mit einem Kopfkissenbezug zu fesseln. „Ich wollte nur noch, dass er geht!“, liest der Anwalt vor.

Angeklagter Marco T. brachte Leiche ins Gästezimmer

Die Polizei wollte er nicht rufen, da es bei ihm bereits zwei Wohnungsdurchsuchungen gegeben hatte – bei beiden wurden Drogen gefunden. Der Angeklagte konnte sich befreien und es kam zu einer Rangelei, die Matheus A. anscheinend ermüdete, sodass dieser sich ins Bett im Schlafzimmer legte und einschlief.

Marco T. legte sich neben ihn. Am nächsten Tag war Matheus A. tot. Die Verteidigung liest weiter vor:  „Ich glaube, er hat durch die Drogen gekrampft“, und bis zum Kopf im Bettbezug verheddert. Als er diesen zur Seite nahm, sei das Gesicht blau angelaufen und der Mund blutig gewesen.

Marco T. nach Erklärung:  „Ich wünschte, ich hätte gleich die Polizei gerufen“

„Jeder Tag, den ich nicht zur Polizei gegangen bin, machte alles nur noch schlimmer. Mir ist klar, dass ich ganz anders hätte reagieren müssen“, liest der Anwalt vor. Vier Monate lebte Marco T. mit der Leiche zusammen. Diese brachte er ins Gästezimmer, welches er danach nicht mehr betrat, so auch das Schlafzimmer.

Er schlief im Wohnzimmer oder bei einem Freund. „Ich wünschte, ich hätte gleich die Polizei gerufen – das hätte so vielen Menschen viel Leid erspart“, sagt er, nachdem seine Erklärung verlesen wurde.

Matheus José Gabriel A. – seit September wird er vermisst. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass er tot ist.

Die Leiche von Matheus José Gabriel A. (✝29) wurde stark verwest in der Hamburger Wohnung des Angeklagten gefunden.

Foto:

Privat/HFR

Diese Schilderungen stehen im starken Kontrast zu denen der Staatsanwaltschaft. Sie geht davon aus, dass der Angeklagte Matheus A. unter Drogen gesetzt hat, um ihn zum Sex zu zwingen. Als Matheus A. anfängt sich zu wehren und zu schreien, soll der Angeklagte mit Gewalt reagiert haben.

Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass das Opfer entweder an der Drogen-Überdosis oder durch körperlichen Gewalt zu Tode gekommen ist. Erst durch einen anonymen Tipp kam es zu einer erneuten Durchsuchung, bei welcher letztendlich auch die Leiche gefunden wurde.

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Der Angeklagte ist kein unbeschriebenes Blatt. Ein Nebenkläger beschuldigt Marco T., ihm bei einem Open-Air Festival am 14. Juli 2018 Drogen ins Getränk gemischt und ihn anschließend vergewaltigt zu haben. Später soll der Angeklagte ihn mit den Bildern der Vergewaltigung, erpresst haben.

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