Bornplatz-Synagoge in Hamburg: „Wir nehmen die Sorgen der Anwohner ernst“

    Rotherbaum –

    Es könnte eines der spektakulärsten Bauprojekte in Hamburg in naher Zukunft werden: der Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge im Grindelviertel. Mit der Zusage des Bundes, mit 65 Millionen Euro Fördermittel die Hälfte der Kosten zu übernehmen, ist das neue, alte Gotteshaus für die Juden in Hamburg in greifbare Nähe gerückt. Die MOPO sprach mit Daniel Sheffer, Hamburger, Jude und Initiator der Kampagne „Nein zum Antisemitismus, Ja zur Bornplatzsynagoge“.

    MOPO: Herr Sheffer, die Bürgerschaft hat für den Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge gestimmt, der Bund hat Fördergelder zugesagt, die Stadt will die andere Hälfte der Baukosten übernehmen. Wozu sammeln Sie noch Stimmen beziehungsweise Klicks?

    Daniel Sheffer: Dass der Bundestag so schnell zustimmt, haben wir nicht erwartet. Es hat uns sehr gefreut. Wir führen die Kampagne dennoch fort, auch um die Öffentlichkeit in den Prozess einzubeziehen und um Verständnis zu werben, wie wichtig die Synagoge ist. Die neue Bornplatzsynagoge soll ein Zeichen gegen den steigenden Antisemitismus sein. Ein Zeichen gegen Verschwörungstheorien, gegen Hass und Gewalt an Juden zum Beispiel auf Schulhöfen oder beim Sport.

    Mehr als 20.000 Menschen haben die Kampagne im Internet schon mit einem Klick unterstützt. Es scheint, als sei die Zustimmung groß.

    Wir bekommen viele Zuschriften von Menschen, die das Projekt gut finden. Unternehmen machen mit, Vereine sind dabei, Gewerkschaften, Kirchen oder auch Parteien. Aber es gibt auch Stimmen, die sich Sorgen machen: Wird das nicht zu teuer? Gehen Parkplätze verloren? Wird die Polizeipräsenz im Stadtteil erhöht? Wie groß ist die Gefahr eines Anschlags? Diese Sorgen müssen wir ernst nehmen. Wir hören zu.

    Wie wollen Sie die Anwohner einbeziehen?

    Das Bauvorhaben ist eine Aufgabe der Stadt Hamburg sowie der Jüdischen Gemeinde. Unsere Initiative ist das Zuhause von Mitgliedern ungeachtet einer Religion oder auch politischen Partei. Unsere Aufgabe sehen wir darin, die öffentliche Diskussion zu fördern. Wir planen eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Denkanstöße“. Dort sollen Fragen wie die Architektur und auch die Nutzung des Gebäudes als interkultureller Begegnungsort diskutiert werden. Und selbstverständlich muss auch frühzeitig der Dialog mit den Anwohnerinnen und Anwohnern gesucht werden – denn eine Großbaustelle bringt immer Beeinträchtigungen. Wir wollen für Verständnis werben.

    Wie ist denn die Stimmung innerhalb der Gemeinde zu dem Wiederaufbau?

    Natürlich gibt es Diskussionen innerhalb der ungefähr 2500 Mitglieder der Jüdischen Gemeinde: Die einen wollen lieber eine kleine, gemütliche Synagoge. Andere einen repräsentativen Bau. Manche eine exakte Rekonstruktion der Synagoge von 1906, andere eine moderne Neuinterpretation. Wieder andere wollen den Joseph-Carlebach-Platz so erhalten, wie er ist. Als leere Fläche. Als Mahnmal. Wie man so schön sagt: Vier Juden, fünf Meinungen. Die Diskussion ist wichtig. 

    Wie wahrscheinlich ist eine exakte Rekonstruktion?

    Die Baupläne für die 1906 gebaute Bornplatzsynagoge liegen im Staatsarchiv. Theoretisch wäre eine exakte Rekonstruktion möglich. Aber das ist nicht sinnvoll. Besonders das Innenleben des Gebäudes ist an den heutigen und zukünftig erwarteten Bedürfnissen der Gemeinde zu orientieren. Es gibt auch die Frage, was mit dem von der Uni genutzten Weltkriegsbunker an der Kopfseite des Joseph-Carlebach-Platzes geschieht. Es gibt Fragen der Statik. Bei der Betrachtung der Architektur darf die bewegende Vergangenheit ebenso wenig vergessen werden wie die Bedürfnisse an ein modernes, jüdisches Gemeindezentrum.

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    Und was würde aus der Synagoge Hohe Weide werden?

    Das können wir zur Zeit noch nicht absehen. Zunächst muss die Bornplatzsynagoge stehen, bevor man aus der heutigen, schmucklosen Synagoge auszieht.

    Eine für die orthodoxe Gemeinde, eine für die liberale?

    Es geht mir um die Einheit in der jüdischen Gemeinschaft. Ich wünsche mir die Vielfalt in der Einheit. Es gibt verschiedene Interpretationen, wie man Judentum lebt. Aber wir sollten auch an unseren Gemeinsamkeiten festhalten. Deshalb sehe ich den Bornplatz als einen Ort, der alle Juden unter einem Dach zusammenbringt. Und, ein Ort der Judentum sichtbar und erlebbar macht. Ein Wahrzeichen Hamburgs für die Weltoffenheit und jüdische Identität unserer Stadt.

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