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Kiki Fehlauer (55) arbeitet in der Geschäftsleitung des Strahlenzentrums und kümmert sich mit ihrem Verein um kranke und sozial schwache Kinder und Jugendliche.
  • Kiki Fehlauer (55) arbeitet in der Geschäftsleitung des Strahlenzentrums und kümmert sich mit ihrem Verein um kranke und sozial schwache Kinder und Jugendliche.
  • Foto: Florian Quandt

Kiki und ihr Kampf für ein bisschen Kinderglück

Es begann mit einem Unfall. Ihr Sohn war so hart mit einem Mitschüler zusammengestoßen, dass er ein Schädelhirntrauma erlitt. Mehrere Nächte wachte Kiki Fehlauer am Bett ihres Kindes im Krankenhaus. Da sah sie die Not anderer Kinder „aus schlimmsten Familienverhältnissen, die mit schweren Verletzungen durch Stürze oder auch häusliche Gewalt in der Klinik waren“. Einfach weitermachen wie bisher – für die Frau undenkbar. Seitdem hat sich ihr Leben radikal verändert. Mit ihrem Verein „Hamburger Sternschnuppe“ setzen sich Kiki Fehlauer und ihr Mann Fabian für Kinder und Jugendliche in Not ein. Wie die kleine Ana Maria. Die Erinnerung an das Mädchen treibt Kiki noch immer die Tränen in die Augen.

Kiki wuchs in den noblen Elbvororten auf. Sie beschreibt ihre Kindheit als „schön und unbeschwert“. Allerdings auch geprägt von der Strenge des Vaters. „Ich bin Soldatenkind und hartgesotten. Da gab es keine Hätscheleien.“ Wahrscheinlich dadurch könne sie viel ertragen. Milde brachte ihr Mann Fabian in ihr Leben. Den Medizinstudenten lernte die Grafikdesign-Studentin damals bei einer Halloween-Party kennen. „Er als Tod, ich als Braut. Das musste zusammenkommen“, sagt die 55-Jährige lachend. Gemeinsame Wohnung, Hochzeit, zwei Kinder. Kiki war glücklich. Doch seit sie selber Mutter geworden war, beschäftigte sie die Not anderer Kinder immer wieder. Sie brachte sich in der Kita und Schule ein, übernahm unterschiedliche Ehrenämter.

Schlimme Zustände auf der Kinderkrebsstation

Als ihr Sohn damals nach dem Unfall in die Klinik kam, war für sie klar: Sie muss selber aktiv werden. „Ich wollte persönlich für etwas stehen und garantieren, dass die Spenden auch zu 100 Prozent ankommen.“ Ihr Mann Fabian hatte gerade erst das „Strahlenzentrum Hamburg MVZ“ an der Langenhorner Chaussee gegründet. Kiki stieg in die Geschäftsleitung mit ein. Viel Arbeit. Als der Mediziner jedoch im Oktober 2010 von einem Kongress in Rumänien zurückkam, berichtete er ihr von den schrecklichen Zuständen auf der Kinderkrebsstation einer Klinik in Bukarest. Es fehlte nicht nur an medizinischen Geräten und Medikamenten. Selbst eine Waschmaschine, um das Bettzeug zu reinigen, gab es nicht, und die meist von weit her angereisten Eltern schliefen in den Betten ihrer schwerstkranken Kinder oder im Auto auf dem Parkplatz der Klinik.

Für Kiki war klar: Da wird sie helfen. Und so gründete sie vor 13 Jahren gemeinsam mit Freunden den Verein „Hamburger Sternschnuppe“, der die Patenschaft der Kinderkrebsstation übernahm. Mit Spendengeldern wurden krebskranke Kinder aus Rumänien eingeflogen, um sie in Hamburg im Strahlenzentrum oder in Kliniken zu behandeln. Wie die kleine Ana Maria. Sie kam mit ihrer alleinerziehenden Mama. „Wir haben tolle Tage miteinander verlebt. Besonders schön war der Besuch auf dem Weihnachtsmarkt. Ana Maria war so glücklich.“

Bei der Behandlung: Die kleine Ana Maria mit Dr. Fabian Fehlauer. Hamburger Sternschnuppe
Bei der Behandlung: Die kleine Ana Maria mit Dr. Fabian Fehlauer.
Bei der Behandlung: Die kleine Ana Maria mit Dr. Fabian Fehlauer.

Kiki blickt auf ihre Hände. Über das Mädchen zu sprechen, fällt ihr sichtlich schwer. Mit drei Jahren hatten sie die Kleine, die an einem Hirntumor litt, das erste Mal nach Hamburg geholt. Sie wurde im Strahlenzentrum untersucht, bekam eine Chemotherapie. Zurück in Bukarest kümmerte sich eine Unterstützerin des Vereins, eine rumänische Ärztin, weiter um das Kind. Jedoch konnte Ana Maria nicht gerettet werden. Sie starb im Alter von sieben Jahren. „Mir ist es aber ein großer Trost, dass sie durch uns eine lebensverlängernde Therapie erhalten hat, wir in ihren letzten Jahren immer an ihrer Seite waren und ihr jeden Wunsch erfüllt haben“, sagt Kiki mit belegter Stimme und räuspert sich. Besonders schmerzhaft für sie: Auch die Ärztin, die sie die „Hamburger Sternschnuppe in Bukarest“ nennt, ist mittlerweile verstorben. Sie hatte Brustkrebs.

„Als ich die Liste gesehen habe, kamen mir die Tränen“

Nach wie vor hilft der Verein in Rumänien und auch in anderen Krisengebieten wie der Ukraine, doch Kiki wollte auch Kinder in Hamburg unterstützen. Seit Jahren gibt es mittlerweile die „Weihnachtswichtelaktion“, bei der Geschenke vom Verein gesammelt und an die Maria-Magdalena-Kirchengemeinde am Osdorfer Born gespendet werden. Auch andere Einrichtungen wie der Kindergarten am Osdorfer Born und das Eltern-Kind-Zentrum wurden bereits unterstützt. An der Geschwister-Scholl-Stadtteilschule durften sich die sozial benachteiligten Kinder zum Zeugnis etwas von der „Hamburger Sternschnuppe“ wünschen. „Als ich die Liste gesehen habe, kamen mir die Tränen. Es waren Wünsche wie ein Malset, eine Sporthose oder ein bestimmter Pulli, der gerade mal neun Euro gekostet hat.“

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Die Lehrer berichteten, dass viele ihrer Schützlinge morgens weit vor dem Unterricht schon vor der Schule rumlungern – ohne gefrühstückt zu haben. Auch eine gefüllte Brotdose hätten viele nicht dabei. „Jedes fünfte Kind kommt ohne Frühstück zur Schule. Das darf doch nicht sein“, sagt die Mutter von zwei Kindern, die in Flottbek lebt. Deshalb realisierte die „Sternschnuppe“ das Projekt „Schulfrühstück für alle“. Seit neun Monaten gibt es jeden Morgen Frühstück in der Schule. Engagierte Lehrer und eine Ehrenamtliche des Vereins betreuen die Schüler. Manchmal sind auch Kiki oder ihre Tochter Felina (18) dabei. „Die Kinder fröhlich beim Frühstück zu sehen, macht mich unsagbar glücklich. Mein Herzenswunsch ist, dass wir das Schulfrühstück auf weitere Schulen ausweiten. Wer Bedarf hat, kann sich gerne an uns wenden.“ 

Steckbrief: Kiki Fehlauer (55), Gründerin des Vereins „Hamburger Sternschnuppe“

Auto oder Fahrrad? Eine Fahrradtour macht sehr viel Spaß, aber leider komme ich nicht wirklich oft dazu, somit nutze ich meistens aus praktischen Gründen das Auto.

Bier oder Wein? Ich trinke auch gerne mal ein Bier oder Rosé, aber am liebsten ist mir etwas mit Blubber, wie ein guter Sekt.

Schnitzel oder Veggie-Burger? Wenn dann ein echtes Schnitzel von guter Herkunft, aber am liebsten esse ich Fisch.

Kind oder Haustier? Ich liebe meine zwei Kinder über alles, aber auch unsere zwei Hunde und zwei Katzen.

Nordsee oder New York? Beides schöne Orte, an denen ich auch schon war und dies gerne, aber wir sind am liebsten an der Ostsee.

Kiez-Club oder Elphi? Ich bin ein großer Fan der Elphi und besuche diese regelmäßig, aber gehe auch gerne mal auf den Kiez.

Heavy Metal oder Klassik? Auf jeden Fall Klassik.

Yoga oder Fitnessstudio? Sport ist allgemein toll – und wichtig. Aber beides gerade nicht. Am liebsten spiele ich mit meiner Familie oder Freunden Golf.

Die Bessermacher – eine Aktion von MOPO und Haspa MOPO
Die Bessermacher – eine Aktion von MOPO und Haspa (Logo)
Die Bessermacher – eine Aktion von MOPO und Haspa

Hilfe für Schüler am Osdorfer Born

Gutes verdient Unterstützung. Mit der Aktion „Die Bessermacher“ wollen wir nicht nur engagierte Menschen zeigen. Die Projekte bekommen auch finanzielle Hilfe und langfristige Unterstützung.

Der Verein „Hamburger Sternschnuppe“ wünscht sich zwei Kickertische und eine Tischtennisplatte für die Schüler der Geschwister-Scholl-Stadtteilschule am Osdorfer Born. Die Haspa kümmert sich um die Finanzierung mit Mitteln aus dem „Haspa-LotterieSparen“. Zudem wird die Haspa Othmarschen die Patenschaft übernehmen. „Die Hamburger Sternschnuppe hilft da, wo es am nötigsten ist. Das ist absolut unterstützenswert“, so Filialdirektorin Almut Heins.

Wie es mit dem Projekt vorangegangen ist, erfahren Sie im Bessermacher-Recall. Die MOPO bleibt dran und berichtet!

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