John Schierhorn (47) vom „Schroedingers“
  • John Schierhorn (47) vom „Schroedingers“ freut sich auf die besondere Stimmung bei der Weihnachtsaktion.
  • Foto: Florian Quandt

Ein ganz besonderes Weihnachtsfest

Im Rahmen der MOPO- und Haspa-Aktion „Die Bessermacher“ wurden in diesem Jahr zwölf Initiativen vorgestellt. Die Projekte bekommen finanzielle Hilfe und langfristige Unterstützung. Im „Bessermacher-Recall“ zeigen wir, wie es mit den Vereinen und Privatinitiativen vorangegangen ist.

Hunderte Bedürftige standen im vergangenen Jahr Schlange, um an dem Weihnachtsfest teilnehmen zu können. John Schierhorn
Hunderte Bedürftige standen im vergangenen Jahr Schlange, um an dem Weihnachtsfest teilnehmen zu können.
Hunderte Bedürftige standen im vergangenen Jahr Schlange, um an dem Weihnachtsfest teilnehmen zu können.

Der alte Herr, der sich extra für den besonderen Anlass zurechtgemacht hat und einen blauen Samtanzug trägt, wird sicherlich wieder dabei sein. Die Senior:innen, deren Rente nicht mal für das Nötigste reicht. Obdachlose, Geflüchtete, Familien am Existenzminimum. Für sie alle veranstaltet das Stadtteilkulturzentrum „Schroedingers“ am Schanzenpark eine große Weihnachtsaktion. Damit es auch für Menschen in Not ein schönes Fest wird.

Ein Kiosk mit Hunderten Geschenken, eine warme Suppe von Tim Mälzer, Einkaufstaschen mit gespendeten Lebensmitteln und Tierfutter, Weihnachtsbäume zu verschenken. Das wird es an Heiligabend von 12 bis 16 Uhr im „Schroedingers“ geben. Bis zu 100 Helfende haben sich bereits angemeldet. Mit knapp 2000 bedürftigen Menschen wird gerechnet. 

Hunderte standen vor dem „Schroedingers“ Schlange

Bereits im vergangenen Jahr standen Hunderte vor dem Stadtteilkulturzentrum Schlange, um an Heiligabend dabei sein zu können. „Es war eine wunderbare Atmosphäre. Nicht nur für die Beschenkten ein ganz besonderer Tag, sondern auch für die Helfenden“, sagt John Schierhorn (47). Der Mann, der als Gründer des „Waagenbau“ und Mitinitiator des „Clubkombinats“ bekannt ist, leitet das „Schroedingers“ gemeinsam mit seiner Verlobten Claudia Mohr. Mittlerweile nicht nur die größte Lebensmittelausgabe der Tafel und Tiertafel, sondern auch ein geschützter Raum für ukrainische Familien. 

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Das größte Projekt des Vereins ist „City Kids“ – ein Begegnungszentrum für ukrainische Geflüchtete. Es werden Sprachunterricht, Kinderbetreuung, ein Café, etliche Kurse wie Geigen- oder Klavierunterricht und Ausflüge geboten. Am 6. Januar wird es ein großes Weihnachtsfest mit den ukrainischen Familien geben. Dank der neuen Anlage, die die Haspa finanziert hat, mit Musik und Tanz. „Da freuen wir uns sehr drauf. Musik verbindet“, sagt John Schierhorn.

In welchem Umfang die Hilfe für ukrainische Geflüchtete im nächsten Jahr weitergeführt werden kann, ist unklar. „Der Krieg ist mittlerweile so alltäglich geworden, dass die Spendenbereitschaft massiv abgenommen hat.“ John Schierhorn wünscht sich wieder mehr Unterstützung. Um anderen helfen zu können.

Vom Graffiti-Künstler zum Motivationstrainer

Graffiti-Künstler Ray de la Cruz (46) bei einem Schulprojekt. Florian Quandt
Graffiti-Künstler Ray de la Cruz (46) bei einem Schulprojekt.
Graffiti-Künstler Ray de la Cruz (46) bei einem Schulprojekt.

Ray de la Cruz (46) wuchs auf dem Kiez auf. Er spricht die Sprache der Kids und versteht, was die Jungs von der Straße bewegt. Er möchte Kindern eine Perspektive bieten und ist nicht nur als Graffiti-Künstler unterwegs, sondern neuerdings auch als Motivationstrainer an Schulen.

Seit knapp 20 Jahren kümmert sich der Graffiti-Künstler mit seinem Projekt „Graffiti-Kids“ ehrenamtlich um die Kinder vom Kiez, engagiert sich in Flüchtlingsheim, Schulen und bei Vereinen. In zwei Ganztagsschulen in Barmbek und Bramfeld ist er jetzt auch als Motivationstrainer im Einsatz. „Ich erzähle, wie ätzend ich die Schule selber fand und wie ich später feststellen musste, dass sie doch nicht so unwichtig ist.“ Er hört den Kindern zu und bestärkt sie. „Ein Junge sagte mir, dass ich der Erste sei, der an ihn glaubt. Das hat mich sehr berührt“, sagt Ray.

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Die neue Aufgabe erfüllt ihn, aber die meiste Zeit ist er nach wie vor als Graffiti-Künstler unterwegs, hat unter anderem den Innenhof der Haspa an der Reeperbahn verschönert und seine bisher größte Aktion gestartet. Beim „Rock Kids Festival St. Pauli“ bot er mit Hilfe der Haspa, die die Sprühdosen finanzierte, einen Graffiti-Workshop an. 200 Kinder machten mit. „So viele Kids zu erreichen – das war unglaublich.“

Weihnachtskugel-Aktion für bedürftige Kinder

Richterin Kathrin Sachse (48) hat den Verein „Zeit für Zukunft“ an der Bornstraße im Grindelviertel gegründet. Florian Quandt
Richterin Kathrin Sachse (48) hat den Verein „Zeit für Zukunft“ an der Bornstraße im Grindelviertel gegründet.
Richterin Kathrin Sachse (48) hat den Verein „Zeit für Zukunft“ an der Bornstraße im Grindelviertel gegründet.

Ein Festessen, Geschenke unter der prächtig geschmückten Tanne, leuchtende Kinderaugen – für viele Familien weit entfernt von ihrer eigenen Realität. Um Kindern aus bedürftigen Familien einen Wunsch zu erfüllen, hat „Zeit für Zukunft“ eine Weihnachtskugel-Aktion gestartet. Nur eines von zahlreichen Projekten des Vereins.

Im Foyer eines Hamburger Unternehmens hängen die Weihnachtskugeln mit Wünschen der Kinder an der Tanne. Die Mitarbeiter nehmen sich eine Kugel und erfüllen den Wunsch. „Wir haben 40 Kinder aus bedürftigen Familien ausgesucht“, sagt Kathrin Sachse (48). Die Richterin hat in ihrem Job bereits viele straffällige Jugendliche erlebt. Um ihnen eine „positive Begleitperson“ an die Seite zu stellen, haben sie und ihr Team „Zeit für Zukunft“ an der Bornstraße im Grindelviertel gegründet.

In dem Mentoring-Verein gibt es 146 ehrenamtliche Mentor:innen, die Kinder zwischen sechs und 18 Jahren begleiten und mit ihnen ein sogenanntes Tandem bilden. Zwar warten noch immer etwa 90 Kinder auf einen Weggefährten, doch „in den vergangenen Monaten haben wir 15 neue Patenschaften dazubekommen.“ Zum Start bekommen Mentor:in und Mentee jeweils einen Baumwollbeutel mit kleinen Geschenken wie Brotdose, Trinkflasche und Spiel. Einhundert solcher Tandem-Beutel wurden von der Haspa finanziert.

Immer mehr Pflanzaktionen bei den „Heckenrettern“

Die Heckenretter bei einer Pflanzaktion im Herbst. Heckenretter e.V.
Die Heckenretter bei einer Pflanzaktion im Herbst.
Die Heckenretter bei einer Pflanzaktion im Herbst.

Wildhecken sind ihre Leidenschaft. Orte, die dem Klimaschutz dienen und Lebensraum für etliche Tiere sind. Um sie zu schützen und neue zu pflanzen, hat Alexandra Werdes (48) 2020 den gemeinnützigen Verein „Heckenretter“ gegründet. Alleine von September bis November fanden fünf Pflanzaktionen mit 90 Freiwilligen, darunter auch 18 Konditor-Azubis, statt. 

Die „Heckenretter“ akquirieren Flächen für Wildhecken bei Landwirten und suchen Privatspender und Unternehmen, die Strauchpatenschaften übernehmen. Gemeinsam mit Freiwilligen oder den Mitarbeitern der Unternehmen wird gepflanzt. Dass das Wetter bei den Pflanzaktionen nicht mitspielt, ist keine Seltenheit. Deshalb hat die Haspa dem Verein einen großen Pavillon finanziert. „So können wir auf den Feldern mit bis zu 30 Helfern im Trockenen Mittag essen“, sagt Alexandra Werdes.

Zudem hat die Haspa Gartengeräte, Spaten, Wurzelscheren, Astscheren und einen Handwagen finanziert. Eine große Erleichterung. Mussten sich die „Heckenretter“ vorher doch immer alles mühsam ausleihen. „Das war sehr anstrengend und zeitaufwendig. Zumal wir planen, immer mehr Pflanzaktionen durchzuführen.“ Im Frühjahr sollen vier Hecken in Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein hinzukommen.

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