Eine Visualisierung des Elbtowers ist neben einem Porträt des Investors René Benko zu sehen
  • Der November könnte zum Schicksalsmonat für den umstrittenen Investor René Benko werden – und für die Finanzierung des Elbtowers.
  • Foto: SIGNA Real Estate/dpa/MOPO-Collage

paidProzess, Krise, Insolvenz: Schicksalsmonat für Benko und den Elbtower

Schmiergeld-Prozess in Wien. Karstadt-Insolvenz. Amtliche Überprüfung seiner Finanzierungen. Und dann rückt auch noch Geschäftspartner und Multimilliardär Klaus-Michael Kühne vorsichtig von ihm ab. Für Elbtower-Investor René Benko (45) kommt es jetzt knüppeldick. Der November könnte zum Schicksalsmonat für den umstrittenen Österreicher werden.

Zwei rote Kräne drehen sich an der Baugrube am S-Bahnhof Elbbrücken, hieven Bündel mit Stahlarmierungen in die Tiefe. Radlader und Betonmischer fahren hin und her. An der Elbtower-Baustelle herrschte Montagmittag reges Treiben. Doch es ist nicht ausgeschlossen, dass bald schon die Kräne stillstehen. Das Leben des Mannes, der hinter den Plänen für Hamburgs höchstes Haus steht, ist zurzeit eine einzige große Baustelle. Hier nur eine Auswahl seiner aktuellen Probleme.

Schmiergeld-Prozess

Ab heute muss sich der ehemalige Wiener Gemeinderat Christoph Chorherr in der österreichischen Hauptstadt vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Grünen-Politiker Bestechlichkeit und Amtsmissbrauch vor. Er soll, so die Anklage, für ein Spendenprojekt in Südafrika 1,6 Millionen Euro von Unternehmern kassiert haben. Im Gegenzug soll Chorherr Bauprojekte der edlen Spender „günstig behandelt“ haben. Chorherr hatte als grüner „Planungssprecher“ bei Bauentscheidungen ein gewichtiges Wort mitzureden.

Einer, der 100.000 Euro für das Spendenprojekt Chorherrs gegeben hat, ist René Benko. Dafür hätte er, so die Anklage, Chorherrs Unterstützung bei einem Bauprojekt in Wien erwartet. Die Spende ist unstrittig, Benko wies aber unlautere Absichten zurück. Neben ihm sind acht weitere Unternehmer wegen der Spenden angeklagt. Benko ist wegen versuchter Schmiergeld-Zahlung vorbestraft. Aktuell belastet ihn ein ehemaliger hoher Finanzbeamter schwer, wirft ihm versuchte Schmiergeld-Zahlungen vor.

Kühne-Kritik

In einem „Abendblatt“-Interview äußerte sich Milliardär Klaus-Michael Kühne ausführlich zu Benko. Kühne ist zweitgrößter Aktionär der Benko-Firma Signa-Prime – und die baut auch den Elbtower. Auf die brenzlige Situation bei Karstadt-Kaufhof, das ebenfalls Benko gehört, angesprochen, sagte Kühne: „Da wird es eine Bereinigung geben müssen, die am Signa-Image kratzen könnte. Die Korruptionsvorwürfe in Österreich setzen Benko zusätzlich unter Druck.“ Zu seinem Investment bei Signa erklärte Kühne: „Wir sind nicht besorgt, aber schauen genau hin. Eine Kapitalerhöhung würden wir derzeit nicht zeichnen.“

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Und weiter konkret zum Elbtower: „Herr Benko ist sehr geschickt in der Vermietung, aber es wird eine enorme Herausforderung, das alles in trockene Tücher zu bringen.“ Das klingt nicht so, als würde Kühne vollständig an das unternehmerische Geschick seines Geschäftspartners Benko glauben.

Elbtower: Platzt die Finanzierung, muss der Steuerzahler blechen

Laut „Spiegel“ ist die deutsche Finanzaufsichtsbehörde Bafin nach den jüngsten Schmiergeld-Vorwürfen alarmiert. Im Fokus der Ermittler stehen, so der „Spiegel“, nun die Banken, die Benkos Projekte in Deutschland finanzieren. Hier geht es um möglicherweise zu hohe Bewertungen seiner Immobilien. So wird der Hamburger Elbtower (Kosten nach aktueller Schätzung 950 Millionen Euro) nach exklusiven MOPO-Informationen von der staatlichen Landesbank Hessen-Thüringen finanziert. Platzt die Finanzierung, müsste der Steuerzahler blechen.

Die Bafin wird vermutlich auch ein „Worst Case“-Szenario bei Signa durchspielen. Der „Spiegel“ schreibt dazu: „Sollte der Milliardär verurteilt werden, hätte das womöglich drastische Folgen für sein Unternehmens-Konglomerat.“ Nur er halte sein verschlungenes Firmenreich zusammen.

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