Caroline Stüdemann mit Jennifer Martens
  • Caroline Stüdemann (l.) mit Jennifer Martens
  • Foto: Patrick Sun

„Auch Lockenköpfe wollen ihre Haare nachhaltig pflegen“

Die MOPO stellt gemeinsam mit „Viva con Agua“-Geschäftsführerin Carolin Stüdemann Unternehmer:innen und Vordenker:innen vor, die eine bessere Welt schaffen. Heute spricht Carolin mit Jennifer Martens, die mit nachhaltigen Pflegeprodukten für Afrohaare nicht nur eine Marktlücke entdeckt hat, sondern auch das Selbstbewusstsein junger Menschen stärkt.

Carolin Stüdemann: Hey Jen, schön, dich zu treffen. Du hast das Naturkosmetik-Label Ōmaka gegründet, das speziell Produkte herstellt für Menschen mit Locken oder Afrohaaren. Was war die Intention dahinter?

Jennifer Martens: Ich möchte, dass Menschen mit Afro und lockigem Haar stolz auf ihr Haar und die Verbindung zu ihrer Herkunft sein können, anstelle diese zu verstecken. Ich bin mir bewusst, dass ich durch Ōmaka eine große Reichweite habe. Diese möchte ich nutzen und alle Lockenköpfe stärken. Mein Wunsch ist, dass Ōmaka ihnen die Kraft und den Mut schenkt, ihre Schönheit mit der Welt zu teilen und sich wohl in ihrer Haut zu fühlen. Darum teile ich in meinem Haarpflege-Guide auf der Webseite und auf Social Media meine eigenen Struggles, die ich mit meinen Locken hatte, und was ich daraus gelernt habe. Diese Erlebnisse verbinden – und sie helfen vielleicht anderen Menschen, ihre Natural Hair Journey mit mehr Zuversicht zu beschreiten.

Viva con Agua
Auf ein Wasser mit: Die Interview-Reihe von Viva con Agua und MOPO

Hast du das Gefühl, dass Kosmetik-Produkte für Menschen mit starken Locken und Afro-Locken unterrepräsentiert sind?

Ich habe auf dem deutschen Markt lange keine passenden Produkte für meine Haare gefunden. Mit Sicherheit gab es vor meiner Zeit auch schon Produkte für meine Haare, aber sie wurden nicht prominent präsentiert. Somit habe ich angefangen, meine eigenen Haarprodukte anzumischen und unter Freunden und in der Familie zu verteilen. Ich hatte damals nicht die Intention, eine Marke daraus zu machen. Wir hatten alle ähnliche Haarprobleme und ich wollte nur helfen. Die Idee, eine eigene Marke zu gründen, kam erst später.

Woher wusstest du, was deine Haare brauchen?

Ich habe mich erst nach etlichen Jahren des chemischen Haareglättens dazu entschieden, meine natürlichen Afrohaare rauswachsen zu lassen. Deshalb wusste ich nicht viel über die Pflege, die sie brauchen! Ich musste mich erst einmal erkundigen, welche Inhaltsstoffe meine Kosmetik enthalten sollte, damit ich ein bestimmtes Ergebnis erzielen kann. So habe ich angefangen, mich intensiv mit Inhaltsstoffen auseinanderzusetzen. Ich habe nächtelang im Internet verbracht und mich informiert. Außerdem habe ich mir diverse Bücher zum Thema Haarpflege allgemein und zu Afrohaarpflege aus Amerika bestellt. Mein Wissensdurst war geweckt und wollte gestillt werden – genau wie der Durst meiner Haare nach tollen Produkten.

Female Empowerment: Mit Tipps und Produkten zu einem starken Selbstbild

Probleme mit den Haaren können Menschen in ihrem Selbstbild stark verunsichern, dies betrifft häufig Mädchen oder junge Frauen. Siehst du deine Tipps und die Produkte auch als Female Empowerment?

Heute würde ich ganz klar sagen: ja! Aber damals, als ich mit meinem Blog „Frolicious“ anfing, war mir das noch nicht klar. Ich erinnere mich an ein Erlebnis: Ein ehemaliger Bekannter hatte mir mal gesagt, dass ich für eine schwarze Frau nicht schlecht aussehen würde, dass ich aber noch besser aussehen würde, wenn ich nicht diese „Krause“ auf dem Kopf hätte. Das hat mich jahrelang begleitet. Ich habe alles versucht, um mich diesem Schönheitsideal anzupassen. Erst durch die Natural Hair Movements in Amerika, Frankreich und UK habe ich gemerkt, wie schön natürliche Afrohaare aussehen, wenn sie nicht geglättet sind. In meinem Blog habe ich dann meine Natural Hair Journey dokumentiert. Auf meinem Instagram-Kanal habe ich alle Bilder von Menschen mit verschiedenen Afrohaar-Frisuren festgehalten, die ich schön und inspirierend fand. Durch die schnell wachsende Anhängerschaft habe ich dann gemerkt, wie wichtig diese Reise nicht nur für mich ist. Tatsächlich spielt das Thema bei vielen, vor allem jüngeren Menschen eine wichtige Rolle. Eine empirische Untersuchung zur „Psychologie des ersten Eindrucks“ hat ergeben, dass Haare einer der zentralen Auslöser für Sympathie oder Antipathie sind. Deshalb, ja, es ist mir wichtig, Tipps und Produkte anzubieten, mit denen meine Kund:innen ihre Schönheit unterstreichen und sich wohlfühlen können.


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Was ist dir außerdem wichtig bei deinen Produkten?

Ich achte sehr auf natürliche Inhaltsstoffe und verwende, wenn immer es geht, Bio-Rohstoffe. Ich bin noch nicht zu 100 Prozent da, wo ich gerne wäre, aber ich arbeite täglich daran. Außerdem sind die Produkte vegan und tierversuchsfrei. Und sie sind eine Hommage an meine Wurzeln. Deswegen steckt in jedem Produkt ein Hauch von Afrika. Das heißt, dass mindestens einer der Inhaltsstoffe seinen Ursprung in Afrika hat  wie zum Beispiel Sheabutter.

Besonders stolz bin ich darauf, das erste nachhaltige und vegane feste Shampoo für Afrohaare in Deutschland auf den Markt gebracht zu haben. Denn auch Lockenköpfe wollen ihre Haare nachhaltig pflegen! Ich verwende zum Verpacken der Bestellung zum Beispiel Graspapier, der Klebstoff für die Etiketten ist vegan und ohne Lösungsmittel, die Tinte, womit ich die Etiketten drucke, ist nachhaltig und wenn ich kann, nutze ich Schuhkartons als Verpackung, um sie zu recyceln. 

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Was würdest du anderen Gründer:innen mitgeben?

Als ich meine Pläne in meinem Umfeld bekannt gab, haben die meisten versucht, mich davon abzubringen. Auch angefragte Hersteller glaubten nicht an die Marke. Ich musste viel Überzeugungsarbeit leisten, um eine Zusage für die Herstellung zu erhalten. Mir ist in dieser Zeit bewusst geworden, wie wichtig ein positives Mindset für Gründer:innen ist. Außerdem halte ich es für wichtig, der eigenen Überzeugung zu folgen und sich nicht vom eigenen Weg abbringen zu lassen: Wenn du stockst, dann mach einfach mal eine Pause. Wenn du fällst, dann rück deine Krone zurecht, steh wieder auf und such dir einen anderen Weg. Sei nicht zu streng zu dir. Steck dir kleinere Ziele und feiere dich, wenn du diese erreicht hast.

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