Christoph Marloh (2.v.r.) mit weiteren Mitstreitern der Bürgerinitiative. Im Hintergrund die alte Polizeiwache. 
  • Christoph Marloh (2.v.r.) mit weiteren Mitstreitern der Bürgerinitiative. Im Hintergrund die alte Polizeiwache. 
  • Foto: Florian Quandt

Anwohner entsetzt über Neubau-Pläne: Der Kampf um die alte Polizeiwache an der Alster

Rotherbaum –

„Alsterwache retten”: Rotherbaum ist gepflastert mit diesen Plakaten. Ein Bürgerinititiative kämpft vehement gegen einen massiven Anbau der kleinsten Polizeiwache Hamburgs an der Alten Rabenstraße und spricht von einer „optischen Zerstörung” des Alsterufers durch einen „Millionen-Kubus”.  Neben „Bodos Bootssteg” sollen Polizei, Feuerwehr und DLRG künftig in einem „Wasserrettungszentrum” unter einem Dach arbeiten.

„Seid ihr völlig wahnsinnig?” Per Sprechblase wird auf den Protestplakaten dieser Ausspruch Hamburgs legendärem Oberbaudirektor Fritz Schumacher in den Mund gelegt. Die Bürgerinitiative ging bisher davon aus, dass es sich bei der Wasserschutz-Polizeiwache um einen Schumacher-Bau aus dem Jahr 1926 handelt. Doch das ist laut Denkmalschutzamt ein Irrtum.

Zwar fertigte Hamburgs oberster Stadtplaner einen Entwurf, der wurde aber nie realisiert. Stattdessen entstand damals zunächst eine Art Wachhäuschen, welches 1948 ausgebaut und vermutlich wenige Jahre später durch den heutigen Wachbau ersetzt wurde. Und der steht nicht unter Denkmalschutz. Heute befindet sich hier eine „Außenstelle” der Wasserschutzpolizei mit einem Bootsanleger.

Alte Polizeiwache Rabenstraße

Idyll mit Balkonpflanzen: die kleine Wache der Wasserschutzpolizei. 

Foto:

Florian Quandt

Hamburg: Kampf um alte Polizeiwache an der Alster

Eigentümer ist die Freie und Hansestadt Hamburg, und die will hier nun eine Million Euro investieren und bald direkt neben dem alten Wachgebäude ein Wasserrettungszentrum errichten. Kay Becker, Sprecher des Bezirksamts Eimsbüttel, sagt: „Die Notwendigkeit  des Zentrums ist aufgrund des zunehmenden Verkehrs auf der Alster durch Kanufahrer, Schlauchboote und Stand-up-Paddler dringend geboten.”

Tatsächlich haben vor kurzem Kapitäne der Alsterschifffahrt den immer stärker werden Verkehr der Freizeitkapitäne und deren oft gefährliches Verhalten beklagt. Laut Bezirk hat Oberbaudirektor Franz-Josef Höing den Neubau abgesegnet. Das ist bei allen Neubauten rund um Außen- und Binnenalster Vorschrift. So soll das einzigartige Erscheinungsbild der Alster  geschützt werden.Errichten soll den Anbau die städtische Sprinkenhof AG.

Neubau neben der Polizeiwache an der Alster geplant

Deren Sprecher Lars Vieten spricht davon, dass sich der Neubau „respektvoll in die Umgebung einfügt.” Und genau das sieht die Bürgerinitiative nun gar nicht. Deren Sprecher Christoph Marloh  erklärt: „Der geplante Bau ist unnötig, überdimensioniert und überteuert”. 

Neues Gebäude Rabenstraße

So wie auf dieser Darstellung soll der Neubau neben der Wache aussehen. 

Foto:

Sibylle Kramer Architekten BDA

Man wehre sich dagegen, dass  der Bezirk hier „die Genehmigung zur optischen Zerstörung unseres Alsterufers geben will”. Unterstützung bekommt Anwohner Marloh von Bodo Windeknecht, dem  Inhaber von „Bodos Bootssteg” direkt neben der Wache. Der 79-Jährige zur MOPO: „Ein fürchterliches Teil. Das braucht keiner.” 

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Star-Dirigent Justus Frantz, der unweit der Wache lebt, pflichtet ihm bei: „Architektur kann die Seele beflügeln und uns durch Harmonie und Schönheit erfreuen. Der geplante Kubus ist dissonant und erreicht das Gegenteil.”  Donnerstag und Freitag wird es am Anleger Ortstermine mit Mitgliedern der Bürgerinitiative und Lokal-Politikern geben.

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