Kindesmissbrauch (Symbolbild)
  • Der Angeklagte soll die Mutter angestiftet haben, ihre Kinder sexuell zu missbrauchen (Symbolbild).
  • Foto: IMAGO / Shotshop

paidMutter vergewaltigt ihre Kinder und schickt Videos davon an Rentner

Jürgen B. (74) atmet schwer aus, verbirgt sein Gesicht hinter seiner knöchrigen Hand. Er soll seine Freundin angestiftet haben, ihre minderjährigen Kinder sexuell zu missbrauchen und die Taten für ihn aufzunehmen. Seit Dienstag muss er sich dafür vor dem Landgericht Hamburg verantworten. Er habe der Frau doch nur helfen wollen, verteidigt sich der Angeklagte.

Jürgen B. scheint in seinem schlabbrigen, grauen Kapuzenpullover am liebsten verschwinden zu wollen, während er dem Staatsanwalt zuhört, der die Anklage verliest.

Der Vorwurf gegen ihn: Anstiftung zum Herstellen kinderpornographischer Schriften in sechsundzwanzig Fällen, teilweise in Tateinheit mit Anstiftung zum schweren sexuellen Missbrauch.

Hamburg: 74-Jähriger soll Mutter zum Kindesmissbrauch angestiftet haben

Laut Anklage soll der 74-Jährige aus Bergedorf mit der Mutter über WhatsApp eine Art Fernbeziehung geführt und sie dazu gebracht haben, sexualisierte Video- und Fotoaufnahmen von ihren drei minderjährigen Kindern anzufertigen und an ihn zu übersenden. Zudem soll er ihr Anweisungen für den Missbrauch an den zwei Mädchen und dem Jungen gegeben haben. Die Taten sollen sich zwischen Februar 2019 und Januar 2020 abgespielt haben.

Der Staatsanwalt beschreibt, was auf den gesicherten Fotos und Videos zu sehen ist. Die Mutter filmte die Kinder beim Duschen, mit Nahaufnahmen der Vagina ihrer Tochter. Sie nahm sich selbst beim Oralverkehr mit ihrem Sohn auf, befahl ihrer Tochter, mit einem Vibrator in sie einzudringen. Die Kinder mussten sich untereinander im Intimbereich anfassen, nackt aufeinander liegen und ihre Geschlechtsteile vor der Kamera präsentieren. Immer wieder fordert die Mutter sie in den Videos auf, „Hallo Jürgen“ zu sagen. Die Miene des jungen Schöffen verfinstert sich mit jedem Satz, er guckt, als würde er sich gleich übergeben.

Prozess: Angeklagter beschuldigt Mutter, ihm die Missbrauchsbilder aufgedrängt zu haben

Der Angeklagte will sich durch seine Verteidigerin zu den Vorwürfen äußern. Seine Einlassung zeigt die Gedankenwelt eines schlichten Mannes. Wurde er wirklich nur durch seine Naivität und Schwäche in das Verbrechen hineingezogen? Jürgen B. habe sich 2018 in einer BDSM-Gruppe bei WhatsApp als „Dirk32“ angemeldet. Kurz darauf habe die Mutter der Kinder ihn angeschrieben und wollte Kontakt.

Es folgten Bilder von ihr, bald darauf aber auch eins von ihren Kindern in der Badewanne. „Was schickst du mir für Bilder?“, habe er ihr geantwortet. Er wolle solche Fotos nicht haben. Daraufhin habe sie ihm erzählt, ihr Vater sei gestorben, der Bruder habe sich getötet, die Kinder würden sie erpressen. Kurz: Nach seinen Schilderungen, habe sie ihn emotional erpresst.

Das scheint Jürgen B. jedoch nicht verstanden zu haben. „Sie tat mir Leid“, lässt er über seine Verteidigerin sagen. „Ich wollte sie unterstützen und riet ihr, sich psychologische Hilfe zu suchen.“ Sie habe ihm aber weiterhin Missbrauchsbilder ihrer Kinder geschickt. Als er meinte, sie solle das lassen und könne dafür in den Knast kommen, wollte sie ihm die Schuld in die Schuhe schieben.

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Wenn das stimmt, ist ihr Plan nicht aufgegangen: Die Mutter wurde vom Landgericht Dortmund wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in neun Fällen und Herstellung von kinderpornographischen Schriften zu fünf Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig.

Der Prozess gegen Jürgen B. wird fortgesetzt.