Die Reeperbahn wie ausgestorben. Kein seltenes Bild während der Corona-Krise.
  • Die Reeperbahn wie ausgestorben. Kein seltenes Bild während der Corona-Krise.
  • Foto: imago images/Hoch Zwei Stock/Angerer

Alarmierende Zahlen – eine Überraschung: So hat Corona das Leben in Hamburg verändert

Die Corona-Krise hat den Alltag der Hamburgerinnen und Hamburger stark beeinflusst. Wirtschaft und Gesellschaft wurden durch das Virus völlig auf den Kopf gestellt – mit sichtbaren Auswirkungen. Das Statistikamt Nord hat Daten zusammengetragen, die aufzeigen, wie stark die Einschnitte in vielen Bereichen sind.

So stieg beispielsweise die Zahl der Arbeitslosen deutlich im Vergleich zum Vorjahr. Im Juni erreichte sie ihren bisherigen Höchststand mit 87.775 arbeitslos gemeldeten Hamburgern. Das ist die höchste Zahl innerhalb der vergangenen fünf Jahre. Im Juni 2019 lag die Zahl noch bei rund 64.700, ein Anstieg von über 23.000 (35 Prozent). 

Tourismusbranche leidet stark unter der Krise 

Auch die Daten aus dem Bereich Tourismus sind alarmierend. Im März zählte das Statistikamt Nord noch 215.000 Gästeankünfte in der Hansestadt, im April waren es nur noch 21.000. 2019 lag der Durchschnitt bei 635.000 Ankünften pro Monat. In Schleswig-Holstein sank das Gästeaufkommen im April um 96,4 Prozent, ähnlich stark wie in Hamburg. 

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Der Zusammenbruch der Tourismusbranche zeigt sich auch am Rückgang der Passagierzahlen im Luftverkehr. Anfang des Jahres landeten monatlich noch rund eine Million Passagiere am Flughafen Fuhlsbüttel, im März dann nur noch die Hälfte, im April gerade einmal etwas über 13.000. Nur noch 584 Flugzeuge starteten und landeten in Hamburg im April, knapp fünf Prozent der durchschnittlichen monatlichen Auslastung der Vorjahre.

Weniger Unfälle durch Corona

Im Verkehrssektor zeigten sich auch kleinere positive Effekte der Pandemie. So ging die Zahl der Verkehrsunfälle im Vergleich zu den Vorjahren leicht zurück. 553 Straßenverkehrsunfälle zählte das Statistikamt im April dieses Jahres. In den vergangenen fünf Jahren lagen die Werte im April durchgehend deutlich über 800.

Die KfZ-Neuzulassungen gingen im April ebenfalls wegen Corona zurück auf rund 3900, im Mai stieg die Zahl aber schon wieder auf knapp 8000. Damit liegt der Wert allerdings immer noch deutlich unter dem Vorjahresniveau.

Trotz Corona: Weniger Insolvenzen im Norden

Überraschend ist, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen sich leicht unter den Werten der Vorjahre einpendelt. Im März und April gab es in Hamburg 49 beziehungsweise 62 Insolvenzen von Unternehmen, 2019 waren es in den gleichen Monaten noch 56 und 86. 

Wegen des Lockdowns wurde allerdings deutlich weniger Gewerbe neu angemeldet. Im April waren es nur 1107 Gewerbeanmeldungen, statt üblicherweise 1500 bis 1700 Anmeldungen pro Monat. Im Mai stieg die Zahl aber wieder leicht an. 

Starker Rückgang bei Exporten nach China

Und auch den Außenhandel traf die Corona-Krise schwer. Besonders bei den Exporten verzeichnete das Statistikamt starke Einbrüche. Im April 2019 wurden noch Waren im Wert von rund 4,5 Milliarden Euro ins Ausland verkauft, 2020 waren es nur noch rund zwei Milliarden Euro.

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Im ersten Quartal 2020 gingen die Exporte um 14,1 Prozent zurück. Die Veränderungen unterschieden sich dabei stark zwischen den verschiedenen Handelspartnern, gab das Statistikamt Nord bekannt. Demnach ist beispielsweise der Export in die Volksrepublik China um fast 61 Prozent eingebrochen, der Export in die USA allerdings nur um etwa fünf Prozent.

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Der Corona-Lockdown hatte nicht nur für den Einzelhandel gravierende Folgen (Symbolbild). 

Foto:

picture alliance / Wolfram Stein

Die Einbußen bei den Importen waren hingegen nicht so stark, dort gab es zwischen Februar und April lediglich einen Rückgang um einige hundert Millionen Euro monatlich. Die Daten für Mai und Juni liegen noch nicht vor.

Mehr Baugenehmigungen in Hamburg 

Das Baugewerbe wurde von den Corona-Einschränkungen offenbar weniger stark getroffen. Die Zahl der erteilten Baugenehmigungen war im Mai mehr als doppelt so hoch wie 2019. 122 Genehmigungen für den Neubau von Wohngebäuden wurden erteilt. Auch im Februar und März lag die Zahl über den Vorjahreswerten. 

Das Statistikamt Nord wies außerdem daraufhin, dass die Corona-Krise Hamburg und Schleswig-Holstein schwer getroffen habe. „Die langfristigen Folgen der Pandemie sind in Gänze noch nicht abschätzbar“, gab das Statistikamt in einer aktuellen Veröffentlichung zu bedenken. (hb)

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