Innenansicht Alimaus
  • In der Obdachloseneinrichtung Alimaus am Nobistor hängt eine Christusfigur an der Wand.
  • Foto: picture alliance/dpa

Ärger um Obdachlosen-Einrichtung: Nicht katholisch genug? Alimaus-Leiterin soll gehen

St. Pauli –

Die Obdachlosen-Einrichtung „Alimaus“ soll sich stärker auf katholische Grundsätze fokussieren – mit dieser Begründung soll der Trägerverein der bisherigen Leiterin Christiane Hartkopf die Verlängerung ihres Vertrages verweigert haben. Hartkopf ist nicht katholisch. Ehrenamtler und Vereinsmitglieder reagieren mit Unverständnis, betonen das große Engagement der Leiterin für die Ärmsten. 

Viele Ehrenamtler und Vereinsmitglieder reagieren geschockt auf die Entscheidung des katholischen Vorstandes. Der Hilfsverein St. Ansgar e.V. ist Träger der Obdachlosen-Tagesstätte „Alimaus“ auf St. Pauli. Auch der Kältebus, mit dem Helfer in den Winternächten Schlafstätten für Obdachlose abfahren, gehört dazu, ebenso das von einem freiwilligen Ärzteteam betriebene Gesundheitsmobil.

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Ehrenamtliche an der Essensausgabe der Alimaus (das Bild entstand vor der Pandemie).

Foto:

picture alliance / dpa

Christiane Hartkopf hat die Leitung der Alimaus vor zwei Jahren übernommen, hat den Kältebus ins Leben gerufen und das Gesundheitsmobil in die Struktur integriert.

Obdachlosenhife: Nicht katholisch genug? „Alimaus“-Leiterin soll gehen

Sie gilt als engagiert und zugewandt, ist bei den Ehrenamtlern hoch angesehen, ebenso bei Geldgebern: Die Spenden für die renommierten Projekte fließen, der Betrieb ist für das kommende Jahr bereits gesichert. 

Was genau an Hartkopfs Engagement für die Obdachlosen ist nicht katholisch genug? Der Vorstand des Hilfsvereins gibt sich auf MOPO-Nachfrage zugeknöpft: „Kein Kommentar.“

„Alimaus“: Obdachlosen-Tagesstätte auf St. Pauli

Vereinsmitglied Christina Pillat-Prieß kritisiert die Entscheidung von oben: „Bei den meisten meiner Vereinskollegen handelt es sich um katholische Berufschristen, wie Pfarrer, Ordensleute, oder den Vertreter des Erzbischofs. Deren Vorstellungen von christlich mögen daher formellerer Art als meine sein“, sagt sie zur MOPO und setzt sich für die Leiterin ein: „Christiane Hartkopf gehört zwar keiner christlichen Glaubensgemeinschaft an, vertritt gegenüber den Obdachlosen aber dennoch die christlichen Werte, wie die Nächstenliebe.“

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Der Kältebus der Alimaus fährt nicht nur Menschen in das Winternotprogramm, die Helfer verteilen auch Sachspenden und Tee.

Der Kältebus der Alimaus fährt nicht nur Menschen in das Winternotprogramm, die Helfer verteilen auch Sachspenden und Tee.

Foto:

Schimkus

Alimaus: Ehrenamtler gegen katholischen Trägerverein

Ehrenamtliche Helfer sprechen gegenüber der MOPO von einer „unchristlichen Entscheidung“ des Trägervereins, „nicht nachvollziehbar“. „Sie hat einen Megajob gemacht“, sagt einer. 

Auch Hartkopf selbst tappt im Dunklen: „Mit mir wurde keine Gespräche über die geplante Richtungsänderung geführt“, sagt sie gegenüber der MOPO, „ich kann auch keinen Widerspruch zwischen unserer Arbeit und dem christlichen Grundgedanken sehen.“

Gesundheitsmobil

Das Gesundheitsmobil steht sonntags auf der Reeperbahn und am Hauptbahnhof.

Foto:

Patrick Sun/ Patrick Sun

Alimaus: Generalvikar des Erzbistums Hamburg im Vorstand

Zu den Mitgliedern des „Alimaus“-Hilfsvereins gehört auch Ansgar Thim, zu Gründungszeiten des Vereins Pfarrer in Niendorf, inzwischen Generalvikar des Erzbistums Hamburg. Das Erzbistum betont, dass der Verein unabhängig agiere. Nach MOPO-Informationen macht Thim sich dafür stark, dass die Malteser die Alimaus übernehmen sollen. Begründung: Ein starker katholischer Träger sichere die Zukunft des Vereins. Das Übernahmeangebot der Malteser soll bereits seit längerem bestehen.

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Ansgar Thim, Generalvikar von Hamburg, ist im Vorstand des Trägervereins der Alimaus.

Foto:

picture alliance/dpa

Ehrenamtliche schildern jedoch, dass ein Trägerwechsel gar nicht nötig sei, der Dienst an den Armen „klappe wie am Schnürchen“. Selbst jetzt in Coronazeiten werden tägliche Mahlzeiten ausgegeben und der Kältebus sei jede Nacht unterwegs. „Das ist ein Skandal, wie der Verein mit Christiane Hartkopf umgeht“, sagt ein Helfer gegenüber der MOPO.

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