Das Naturschutzgebiet im Duvenstedter Brook zieht bei gutem Wetter viele Besucher an.
  • Das Naturschutzgebiet im Duvenstedter Brook zieht bei gutem Wetter viele Besucher an.
  • Foto: Hami Roshan

Ärger in Hamburger Naturschutzgebiet: „Besucher benehmen sich wie im Stadtpark“

Wohldorf-Ohlstedt –

Die Naturschutzgebiete in und um Hamburg erfreuen sich in Zeiten des Lockdowns und der Schließung vieler Geschäfte einer großen Beliebtheit. Doch kommt es bei dem hohen Besucherandrang auch zu Problemen: Die Unkenntnis über geltende Regeln führt zu schweren Eingriffen in die Natur. Die Tiere ziehen sich immer weiter zurück oder wandern in andere Gebiete ab. Die Mitarbeiter im Duvenstedter Brook beobachten die Veränderungen mit großer Sorge.

Das Naturschutzgebiet Duvenstedter Brook im Hamburger Norden ist ein beliebtes Ausflugsziel. Bei schönem Wetter zieht es zahlreiche Familien, Radfahrer, Walker und andere Naturliebhaber in den 785 Hektar großen Brook.

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Das Moor im Brook beherbergt zahlreiche seltene Pfanzen- und Tierarten – und ist ein richtiger Hingucker.

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Der Charme des Schutzgebietes: Eine besondere Vielfalt durch Moore, Heideflächen, Bäche und Bruchwälder. Wer aufmerksam durch das Gebiet läuft, kann einen Blick auf seltene und bedrohte Tierarten erhaschen – wie den Uhu, Kranich oder Seeadler. Aber auch Großsäuger wie Rothirsche und Damwild leben in dem Gebiet. 

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Auf den ausgewiesenen Pfaden können Besucher durch die weitläufige Landschaft laufen.

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Duvenstedter Brook in Hamburg: Besucher schrecken Tiere auf

Eine Garantie dafür, die Tiere zu sehen gibt es allerdings nicht – und hier fangen die Probleme an. Matthias K. (Name von der Redaktion geändert), Mitarbeiter im Naturschutzgebiet, erzählt im Gespräch mit der MOPO: „Einige Besucher nehmen sich Leitern mit, um in ein Uhu-Nest zu schauen. Oder sie laufen für ein Foto hinter tragendem Dam- und Rehwild hinterher.“

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Eine Traube von Besuchern sammelt sich vor einem Uhu-Nest, um einen Blick darauf zu erhaschen.

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Folglich würden die Tiere in großer Hast fliehen. „Ich sag den Besuchern dann immer, Sie lassen doch auch keine schwangere Frau einen Marathon laufen, oder?“, so K. mit hochgezogenen Brauen. Denn Stress und Bewegung könne dazu führen, dass die tragende Ricke das Kitz verliere und schlimmstenfalls selbst an einer Blutvergiftung versterbe.

Hamburg: Ärger im Duvenstedter Brook

Ein weiteres Problem sei, dass die Besucher von den Wegen abwichen. Dadurch zerstören sie Nistmöglichkeiten für seltene Bodenbrüter oder zertrampeln Blumen und anderes Gewächs. Matthias K.: „Die Leute kommen hier zum Teil mit Picknick-Decken hin und setzen sich mitten auf die Heidewiesen. Das geht so natürlich nicht.“

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Der Uhu sitzt im Baum und wacht über die Küken – während dutzende Kameras auf ihn gerichtet sind.

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In einem Naturschutzgebiet gilt: Besucher müssen auf den offiziellen Wegen bleiben. Das Ignorieren der Regeln führe dazu, dass sich die Tiere immer mehr in den Wald zurückziehen. Auf Nachfrage der MOPO bestätigt das auch Ilka Bodmann vom NABU. Schon jetzt sind die imposanten Rot- und Damhirsche kaum mehr sichtbar – es könnte dazu kommen, dass die Tiere sogar in andere Gebiete abwandern.

Im Gespräch betont der Matthias K. immer wieder: „Wir sprechen hier von fünf Prozent, die sich danebenbenehmen. Die restlichen 95 Prozent sind echt super im Umgang mit der Natur.“

Hamburger Naturschutzgebiete: Unwissenheit über Regeln

Doch insbesondere mit der erhöhten Zahl der Besucher wüchsen eben auch diese fünf Prozent zu einem Problem an. „Es kommen immer mehr Menschen aus der Stadt, die sich zuvor nie so richtig mit einem Naturschutzgebiet auseinandergesetzt haben. Die denken, der Duvenstedter Brook ist wie der Stadtpark und nehmen ihre Federball-Sets mit, um auf den geschützten Heideflächen zu spielen“, erzählt Matthias K. empört.

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Rücksichtslose Biker, die querfeldein fahren, stellen ein immer größeres Problem dar.

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Mit bedrückter Stimme fährt er fort: „Das Problem ist – die Natur hat fast keine Pause mehr. Die Biker fahren zum Teil nachts durch das Gebiet und schrecken die Tiere auf. Genauso die Hundebesitzer.“

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Trotz allem freuen sich die Mitarbeiter über die hohen Besuchszahlen. „Es ist wichtig, dass die Leute hier rauskommen und sehen, wohin die Steuergelder fließen. Doch muss mit der Natur sorgsam umgegangen werden, damit sich auch noch unsere Kinder daran erfreuen können“, betont K.

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