• Soll abgerissen werden: das „Café Seeterrassen“ in Planten un Blomen.
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Abriss des Café Seeterrassen: Kritiker hat schlimme Befürchtung – Petition gestartet

Ist das Architektur, oder kann das weg? Da scheiden sich beim Café Seeterrassen in Planten un Blomen die Geister. Die Messe Hamburg als Eigentümer würde dort gern einen Neubau errichten, weil das Haus marode ist und eine Sanierung nicht wirtschaftlich sei. Der Hamburger Architekturkritiker Claas Gefroi hält dagegen. Er fürchtet, dass die Messe den Neubau vor allem für ihre exklusiven Gäste nutzen will. Die Hamburger hätten das Nachsehen.

„Gegen den Abrisswahn“ heißt die Petition für die Rettung des Cafés, die Claas Gefroi gestartet hat. Mehr als 1.700 Unterstützer hat der Hamburger bereits. Für ihn ist der Pavillon ein integraler Bestandteil des Parks und ein wichtiges Zeitzeugnis. Die wirtschaftlichen Argumente, die laut Messe-Chef Bernd Aufderheide für einen Abriss sprechen, teilt er nicht.

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Die Innenausstattung des „Café Seeterrassen“ wird rausgerissen.

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Im Gegenteil: Gefroi fürchtet, dass es der Hamburg Messe und Congress (HMC) vor allem darum geht, dort durch einen Neubau eine interessante Immobilie zu schaffen, „in der mitten in einem öffentlichen Park Gäste der Messe in geschlossenen Veranstaltungen tagen und feiern“. Und das sei völlig inakzeptabel.

Wie Gefroi auf die Befürchtung kommt? Messe-Chef Aufderheide hatte bei einem Pressetermin gesagt, dass dort auch Räume für Veranstaltungen entstehen sollten, die begleitend zu Messen und Kongressen genutzt werden können.

Claas Gefroi: Seeterrassen müssen für alle offen bleiben

Gefroi: „Der Pavillon muss zur Gänze für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben.“ Alle Hamburger hätten ein Anrecht darauf. Sein Appell: „Machen wir deshalb das Café Seeterrassen wieder zu dem architektonischen und gastronomischen Schmuckstück, das es einmal war und geben es den Menschen zurück.“

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Mittlerweile ist alles leergeräumt im „Café Seeterrassen“.

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Wenn es ein Gutachten gebe, laut dem eine Sanierung nicht wirtschaftlich sei, so müsse es laut Gefroi sofort öffentlich gemacht werden. „Welche Kosten für eine Sanierung akzeptabel sind und welche nicht mehr, ist eine politische Frage und darf nicht vom Chef der Messe Hamburg GmbH entschieden werden“, argumentiert der Architekturkenner.

Modernisierung von Teehaus und Alsterschwimmhalle Hamburg

Die ebenfalls stark angegriffene Alsterschwimmhalle werde ja auch nicht abgerissen, sondern aktuell für 80 Millionen Euro saniert und modernisiert. Auch das Teehaus in Planten un Blomen von 1962/63, das ebenfalls stark verändert wurde und in schlechtem Zustand war, wird derzeit saniert und wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt. „Entscheidend ist einzig der politische Wille, erhaltenswerte Gebäude auch zu erhalten.“

Bezirksamtsleiter von Mitte: Nutzung muss parkverträglich sein

Dass die Messe Hamburg ein neues Gebäude am Ende vor allem für sich selbst nutzen würde, das weist Falko Drossmann, der Chef des Bezirks Mitte zurück. Der Bezirk verwaltet das Café Seeterrassen und müsste zudem eine Baugenehmigung erteilen. Drossmann: „Was hier entsteht, das muss zum Konzept des Parks passen.“ Nur eine parkverträgliche Nutzung sei dort vorstellbar. Keine Eventflächen. Der Park bleibe nachts ja auch geschlossen.

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„Dort entstehen sicher keine Messeflächen“, verspricht Drossmann. Mercedes werde da keine neuen Modelle in exklusiver Runde vorstellen. Sinnvoll sei an der Stelle etwa ein wertiges Restaurant. Dort könnte die Messe dann, wie andere auch, in kleinerer Runde Gäste empfangen. Drossmann spricht sich für einen Architekturwettbewerb aus. Von einer Sanierung hält er hingegen nichts. Zudem habe das Denkmalschutzamt ja auch keine Schutzwürdigkeit gesehen. „Eine Sanierung wäre Verschwendung von Steuergeldern.“

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