Der angespannte Wohnungsmarkt führt zu abstrusen Mietangeboten wie hier in diesem Neubau in Barmbek.
  • Der angespannte Wohnungsmarkt führt zu abstrusen Mietangeboten wie hier in diesem Neubau in Barmbek.
  • Foto: Patrick Sun

945 Euro Miete für 23 Quadratmeter!: So hart werden Mieter in Hamburg geschröpft

KOMMENTAR –

945 Euro für 23 Quadratmeter: Die Angebote auf dem Hamburger Wohnungsmarkt werden immer unverschämter. Und dann gibt’s da einen neuen Köder der Abzock-Vermieter, mit dem vor allem junge Menschen angelockt werden sollen.

Konkret geht es um eine Anfang der Woche veröffentlichte Annonce auf dem Portal „Immowelt“. Dort wurde eine 23 Quadratmeter möblierte Ein-Zimmer-Wohnung in der Bachstraße in Barmbek Süd angeboten. Allein die Kaltmiete soll etwa 827 Euro kosten — warm werden es bis zu unfassbaren 945 Euro.

Wohnen in Hamburg: Quadratmeterpreise von 36 Euro

Ein Quadratmeterpreis von fast 36 Euro! Die Wohnung soll laut der Anzeige Erstbezug sein und auch die Zimmer sehen auf den Fotos hell und schön aus. Laut Vermieter handelt es sich um einen Neubau.

Leidtragende sind Studierende oder Auszubildende, die meistens kurzfristig eine Unterkunft suchen und deshalb solche Mieten akzeptieren.

Wohnen in Hamburg: So ist der aktuelle Mietenspiegel

Der Hamburger Mietenspiegel von 2019 erhebt für Wohnungen unter 25 Quadratmeter keine Daten und für solche zwischen 25 und 41 Quadratmetern ist die Datenbasis zu klein.

Für eine Wohnung zwischen 41 und 66 Quadratmetern selbst in „guter Wohnlage“ soll der Quadratmeterpreis im Durchschnitt nur bei 15,14 Euro liegen. 

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Ein Anruf beim Mieterverein zu Hamburg. Wie kommen solche Angebote zu Stande? „Das sind die Auswüchse des angespannten Wohnungsmarktes in Hamburg“, sagt Siegmund Chychla, Vorsitzender des Mieterverein zu Hamburg.

„Der Wohnungsmangel führt dazu, dass einige Vermieter eine Goldgräberstimmung spüren und versuchen, die Wohnungssuchenden auszunutzen.“

Wohnen in Hamburg: Drei Monate umsonst als Köder

Aber damit noch nicht genug: Bei diesem „Special Offer“ sind die ersten drei Monate mietfrei. Hört sich verlockend an, aber schließlich ist das Einziehen in eine Wohnung nicht mit einem Test-Abo zu vergleichen, das man nur rechtzeitig kündigen muss.

„Es liegt auf der Hand, dass Mieter bei solchen Angeboten für längere Zeit an die Wohnung gebunden werden sollen, ohne dass sie kündigen können“, vermutet Chychla. „Die Mieten sind so astronomisch hoch, da können sie auch drei Monate erlassen.“ 

Hamburg: Mietpreisbremse auch für möblierte Wohnungen

Viele Vermieter gingen davon aus, dass die Mietpreisbremse bei möblierten Wohnungen nicht gelte. Das sei allerdings unzutreffend, so Chychla. „Auch für renovierte Wohnungen wird diese nicht automatisch ausgesetzt. Ein ausgetauschter Fußboden oder Waschbecken sind zum Beispiel Instandhaltung und schließen die Mietpreisbremse nicht aus.“ 

Für neu gebaute Häuser gilt sie allerdings nicht. Der Fall zeigt: Die aktuelle Mietpreisbremse reicht nicht, um derart überteuert und die Not der Hamburger ausnutzende Wohnungen zu verhindern. 

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