Hamburgs Schulsenator Thies Rabe bekommt aktuell viel Kritik – und das nicht nur für seine Entscheidungen in Zeiten der Corona-Pandemie.
  • Hamburgs Schulsenator Thies Rabe bekommt aktuell viel Kritik – und das nicht nur für seine Entscheidungen in Zeiten der Corona-Pandemie.
  • Foto: picture alliance/dpa

„Fühlen uns im Stich gelassen“: Wut-Brief! Lehrer rechnen mit Schulsenator Rabe ab

Viele Lehrer in Hamburg haben ordentlich Wut im Bauch – und den bekommt Schulsenator Ties Rabe (SPD) weiterhin zu spüren: In einem gemeinsamen Brief attackieren Schulen und die Bildungsgewerkschaft GEW Rabe. Sie fühlen sich von ihm und der Politik im Stich gelassen. Der Druck auf den SPD-Politiker wächst.

Einmal mehr, angesichts einer immer bedrohlicher werdenden Situation mit stetig steigenden Infektions- und Totenzahlen, fühlen wir uns durch Ihre Politik des Herunterspielens und Schönredens allein, regelrecht im Stich gelassen“ – mit diesen Worten leiten die wütenden Pädagogen von der Betriebsgruppe der Schule Grützmühlenweg (Hummelsbüttel) ihren Brief an den Hamburger Schulsenator ein.

Pädagogen in Hamburg fühlen sich im Stich gelassen

Sie machen ihrem Ärger über die Bildungspolitik Luft und zeigen mit dem Schreiben, dass sie schon lange unzufrieden sind mit der Arbeit der Schulbehörde – genau genommen seit „fast zwanzig Jahren“ und auch schon vor der Corona-Pandemie. Doch eben diese sorgt nun dafür, dass die Lehrer und Lehrerinnen ihren Unmut öffentlich äußern. Sie monieren, dass die Behauptung des Schulsenators Rabe, Schulen seien in Corona-Zeiten ein sicherer Ort, schlichtweg falsch sei. Die Behauptung könne laut der Pädagogen und der Gewerkschaft „einer wissenschaftlichen Überprüfung erwiesenermaßen nicht standhalten“.

Kritik an Hamburger Senator: „Unseriöses Vorgehen“

Demnach verdrehe der Senator stattdessen Aussagen des Vorsitzenden des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Dr. Stefan Renz, um damit die Fortsetzung des Präsenzunterrichts zu „legitimieren“. Laut der Verfasser des Wut-Briefs sei dieses Vorgehen „unseriös“. 

Abseits des Umgangs mit den Schulen in Corona-Zeiten bekommt Schulsenator Rabe ebenfalls sein Fett weg. In dem Brief greifen die Pädagogen und die Gewerkschaft auch coronafremde Bereiche auf, in denen der Verantwortliche ihrer Meinung nach Fehler gemacht und Tatsachen verdreht habe, wie beispielsweise beim Thema Digitalisierung.

Video: Corona-News aus Hamburg

Dort stelle Rabe Hamburg als Vorreiter hin, obwohl es laut der Verantwortlichen an den meisten Schulen nicht einmal eine ausreichende Internetverbindung, geschweige denn Geräte, wie Notebooks und Tablets, gebe. 

Sie kommen insgesamt zu dem Schluss, dass Schulsenator Thies Rabe unter anderem bei den Themen Digitalisierung, Inklusion und der aktuellen Krisenbewältigung „herzlich wenig getan“ hat. 

Hamburg: Senator soll in Dialog mit Verantwortlichen treten

Daher fordern Pädagogen und Gewerkschaft nun den Senator auf, mit den Verantwortlichen in einen Dialog zu treten, um endlich „substanzielle Maßnahmen“ zu ergreifen, um die Hamburger Schulen und Beschäftigten sicher durch die Pandemie zu führen – und zugleich fit für die Zukunft zu machen. 

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Denn aktuell sind es laut der Unterzeichner des Briefs einmal mehr „engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die dafür sorgen, dass es irgendwie läuft“.  
Die Veröffentlichung des Brief kommt wenig überraschend. Seit Monaten gibt es großen Streit um das Thema Schulöffnungen. Derzeit wurde der Präsenzunterricht in Hamburg ausgesetzt, doch Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) ließ bereits vor dem Lockdown-Treffen der Ministerpräsidenten, das morgen stattfinden soll, durchblicken, dass er die Maßnahmen im Bereich Kita und Schulen überarbeiten möchte. Gemäß des bisherigen Hamburger Wegs kann es nur bedeuten, dass Hamburg möglichst zeitnah die Schulen so weit wie möglich wieder öffnen möchte.

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