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Seenotrettungskreuzer
  • Die Seenotretter taten alles, um den über Bord gegangenen Fischer zu finden – vergeblich. (Symbolbild)
  • Foto: picture alliance/dpa/DGzRS – Die Seenotretter

Der verschollene Fischer und die Solidarität auf See

Die Fischer sind wieder draußen auf See, um nach ihrem Kameraden zu suchen, während ich dies aufschreibe. Es gibt keine Hoffnung mehr, den Decksmann des Kutters aus Greetsiel lebend zu finden. Die offizielle Rettungsaktion wurde nach vielen Stunden abgebrochen. Doch sie fahren weiter Suchkurse, mit heruntergelassenen Netzen. Sie wollen ihn bergen, um seiner Familie die Trauer zu erleichtern.

Es sind beklemmende Tage auf der Nordsee vor Borkum. Ein Fischer ist in den Morgenstunden des Sonntags in stürmischem Wetter über Bord gegangen. Nach dem Notruf startete eine große Suchaktion.

Man hilft einander auf See

An Land wurde sie von den Seenotrettern in der Bremer Zentrale koordiniert und auf See von der Crew des Seenotrettungskreuzers „Hamburg“, dem „On-Scene-Coordinator“, wie es in der Fachsprache heißt. Seenotrettungskreuzer der Inseln Borkum, Norderney und Juist waren im Einsatz, und zwei Seenotrettungsboote aus den Niederlanden. Man hilft einander auf See.


Stefan Kruecken hfr
Stefan Krücken

Der Autor: Stefan Kruecken, Jahrgang 1975, leitet mit seiner Frau Julia den von ihnen gegründeten Ankerherz Verlag (www.ankerherz.de). Vorher war er Polizeireporter für die „Chicago Tribune“, arbeitete als Reporter für Zeitschriften wie „Max“, „Stern“ und „GQ“ von Uganda bis Grönland. Sein neues Buch „Das muss das Boot abkönnen“ gibt es im MOPO-Shop unter mopo.de/shop. Weitere Bücher gibt es im Ankerherz-Shop – zum Beispiel „Das kleine Buch vom Meer – Helden“ oder „Mayday – Seenotretter über ihre dramatischsten Einsätze“.

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Einheiten der Retter fuhren die Parameter ab, auf und ab, man muss sich das vorstellen wie Rasenmähen auf einer großen Wiese. Crews eines Hubschraubers und eines SAR-Flugzeugs waren in der Luft. Als sich herumsprach, dass einer von ihnen vermisst wurde, liefen an der Küste die Kutter aus den kleinen Häfen aus. Das Wasser der Nordsee hat aktuell 14 Grad. Es bleibt nicht viel Zeit, darin zu überleben.

„Beeindruckendes Zeichen der Solidarität“

Mehr als 20 Boote waren auf der Suche im Seegebiet, das sich wegen der starken Strömung bis zur Vogelinsel Memmert vergrößerte. Ein Sprecher der Seenotretter, die nicht bekannt sind für emotionale Zwischentöne, nannte es ein „beeindruckendes Zeichen der Solidarität“.

Mehrere Feuerwehren suchten entlang der ostfriesischen Küste den Ufersaum ab, zwischen dem Sperrwerk Leysiel und dem Campener Leuchtturm. So viele Menschen versuchten zu helfen. Sie fanden den vermissten Seemann nicht.

Suchaktion hat eine wichtige Botschaft

Die Botschaft aber, die von der Suchaktion ausgeht, die finde ich wichtig: zusammenhalten, füreinander einstehen, ohne darüber zu reden. Wie einander auf See geholfen wird, das sollte auch ein Vorbild für das Handeln an Land sein. Es erinnert mich an den niederländischen Trawlerkapitän Robin Bouma, über den ich hier vor einigen Jahren schrieb. Er hatte vor der Insel Ameland eine Suche für eine 14-jährige deutsche Urlauberin organisiert, die in der Brandung ertrunken war. „Es ist doch selbstverständlich“, sagte er mir damals, als ich in auf See anrief.

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Und eines noch: Wer in den Ferien an die Küste fährt, um in Greetsiel, Neuharlingersiel oder Fedderwardersiel ein Fischbrötchen zu essen, der möge an eines denken, wenn er die Kutter an der Pier fotografiert. Wer darauf arbeitet, hat auch heute noch einen gefährlichen Beruf.

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