• Til Schweiger schockierte am Sonntag mit einem Selfie mit Boris Reitschuster seine Fans auf Instagram.
  • Foto: picture-alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Stefan Sauer

Til Schweiger posiert mit „Querdenker“–Journalist

So schnell kann’s gehen. Im März 2020 regte sich der Hamburger Schauspieler Til Schweiger (57) noch auf über Menschen, die die Corona-Regeln missachteten und im Park nicht auf Mindestabstände achteten. Jetzt sorgt sein eigenes auf Instagram veröffentlichtes Foto für Empörung.

Grund dafür ist er: Boris Reitschuster (50). Ehemaliger „Focus“-Journalist, der 16 Jahre lang das Büro des Magazins in Moskau leitete. Heute betreibt er eine eigene Online-Plattform mit gleichlautendem Namen. Dort erscheinen schwerpunktmäßig negative Berichte über die deutsche Regierung, über Migration und öffentlich-rechtliche Sendeanstalten. Seit mehr als einem Jahr macht er vor allem mit Kritik an den Corona-Maßnahmen und seiner Nähe zur „Querdenker“-Szene auf sich aufmerksam.

Til Schweiger postet auf Instagram ein Foto mit Boris Reitschuster

Auf seinem Instagram-Profil veröffentlichte Til Schweiger am Sonntagabend ein Foto mit Boris Reitschuster und der Unterschrift: „barefoot boat mit meinem helden boris reitschuster“. Ans Ende setzte er ein rotes Herz.

Seine Follower sind geteilter Meinung. Während die einen den Schauspieler in seinem Statement unterstützen und Kommentare wie „Starke Besetzung“ oder „i love reitschuster“ hinterlassen, können die anderen ihren Augen nicht trauen. „Zu viel Sonne abbekommen?“ schreibt eine Userin, „Wie tief kann man sinken?“, heißt es von einem Nutzer. Insgesamt bekam Schweigers Beitrag mehr als 16.000 Likes.

Til Schweigers neuer Freund: Wer ist eigentlich Boris Reitschuster?

Reitschuster beschreibt seinen Blog als „Kritischer Journalismus. Ohne ,Haltung‘. Ohne Belehrung. Ohne Ideologie.“ Dieser gilt als beliebte Plattform für „Querdenker“. Mehrere Portale haben in der Vergangenheit Reitschusters Texte als falsch bewertet. Darunter das Recherchezentrum „correctiv.org“ und der Blog „Volksverpetzer“.

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Zum Beispiel veröffentlichte „correctiv.org“ im März 2021 einen Faktencheck zu einem Text von Reitschuster, in dem er die Aussagen eines anonymen Arztes aus Bayern verbreitete. Dieser habe angeblich in einer Klinik Totenscheine fälschen und Corona eintragen sollen, obwohl dies nicht die Todesursache war. Laut „correctiv.org“ gibt es keine Hinweise darauf, dass diese Geschichte stimmt.

Corona-Pandemie: Reitschusters Blog gilt als beliebt bei Querdenkern

Im August 2020 interviewte Boris Reitschuster den inzwischen diskreditierten Mediziner Sucharit Bhakdi, dessen Thesen unter anderem von „Volksverpetzer“ und dem ZDF als unwissenschaftlich widerlegt wurden. Das YouTube-Video dazu wurde nach ein paar Tagen wegen Falschinformationen gelöscht. Reitschuster kündigte daraufhin an, dagegen beim Berliner Landgericht vorzugehen.

Patrick Gensing ist Leiter des Online-Portals „faktenfinder“ der Tagesschau und bewertet die Berichte und Quellenauswahl auf Reitschusters Blog als höchst selektiv. „Seine Haltung springt den Leser geradezu an“, sagt er der MOPO. „Er belehrt Politik und Medien, die zumeist unfähig, korrupt oder verlogen seien. Und er macht sich damit selbst zur Partei anstatt zu berichten.“

Jan Böhmermann kommentiert Schweigers Post auf Twitter

Mit diesem Geraune, diesen Spekulationen und Halbwahrheiten, mit Auslassungen und selektiver Quellenauswahl täte Reitschuster genau das, was er anderen vorwerfe, so Gensing. „Er desinformiert.“ Klar sei: „Zuspruch von Promis wie Til Schweiger sind für Medien-Aktivisten wie Reitschuster Gold wert.“

Auch der ZDF-Satiriker Jan Böhmermann ist bereits auf die neuen Freunde Schweiger und Reitschuster aufmerksam geworden. „Jetzt dann offiziell: Honig im Kopf!“ schrieb er süffisant auf Twitter — und spielt damit auf den Schweigers Film an, in dem es um einen demenzkranken Mann geht.

Das nutzte Boris Reitschuster wiederum direkt, um mal wieder gegen die Öffentlich-Rechtlichen auszuteilen. Er wirft Böhmermann „Hass und Hetze“ vor und warnt seine Follower:innen: „In anderen Zeiten und Regimen hätten es solche Leute wie Böhmermann noch wesentlich weiter gebracht und hätten wirklich gefährlich werden können.”

Aber nicht nur Böhmermann, auch andere, die sich kritisch über das Selfie der beiden äußern, bekommen von Reitschuster ordentlichen Gegenwind. „Nach einem Selfie von Schweiger mit mir wünschen sich selbsternannte ‚Bunte, & Tolerante und Weltoffene‘ faktisch Berufsverbot für ihn (für mich eh schon lange)“, twittert er. Dadurch würden diese Menschen sich selbst entlarven.

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Dabei forderte der erwähnte Tweet, den Reitschuster zitiert, gar kein explizites Berufsverbot für Schweiger. Dieser suggerierte lediglich, dass der Schauspieler sich wohl selbst dafür entschieden habe, seine berufliche Karriere zu beenden — durch die Nähe zu Reitschuster. (aba)

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