Handball-Bundestrainer Alfred Gislason 
  • Handball-Bundestrainer Alfred Gislason 
  • Foto: imago images/Laci Perenyi

Sieg ohne Spiel: DHB-Team atmet kurz auf – aber Kap Verde hält die WM weiter in Atem

Das am heißesten diskutierte Spiel im bisherigen Verlauf der Handball-WM ist eines, das gar nicht stattgefunden hat. Das Hickhack um die kurzfristige Absage des für Sonntagabend in Gizeh angesetzten zweiten Vorrundenspiels der deutschen Mannschaft gegen das von anhaltenden Corona-Fällen geplagte Team von Kap Verde wirft einen weiteren dunklen Schatten auf das umstrittene Turnier in Ägypten – und Fragen auf, denn der Gegner bleibt im Turnier.

Training statt Wettkampf. Zum Zeitpunkt des geplanten Anwurfes um 18 Uhr versammelte Bundestrainer Alfred Gislason seine Spieler zu einer intensiven Trainingseinheit in der Halle, um das Beste aus der für alle Seiten misslichen Situation zu machen.

Einerseits hatte die erste Absage eines WM-Spiels überhaupt, die erst am späten Sonntagvormittag durch den Weltverband IHF endgültig erfolgt war, für Erleichterung im DHB-Lager gesorgt. „Es ist die einzig richtige Entscheidung, um Druck aus der Situation zu nehmen“, so DHB-Vize Bob Hanning nach der Hängepartie, die mit jeder Stunde mehr zur Farce geriet.

Handball-WM: Hanning nennt Absage „einzig richtige Entscheidung“

Andererseits fehlen der neu zusammengewürfelten Mannschaft nun 60 wichtige Minuten Wettkampfpraxis, um sich weiter einzuspielen für das wegweisende letzte Vorrundenspiel gegen Ungarn am Dienstag. Darüber hinaus bedeutet der Spielausfall einen Image-Schaden für die WM und den Handball.

DHB-Torhüter Johannes Bitter

DHB-Torhüter Johannes Bitter

Foto:

imago images/Sven Simon

„Es ist eine schwierige Situation“, sagt Torhüter Johannes Bitter (38) der MOPO. „Wir haben die Austragung des Spiels vom ersten Moment an kritisch gesehen und sind froh, dass es abgesagt worden ist.“ Bitter hatte sich im Vorfeld der WM aufgrund der Corona-Lage gegen ein Turnier mit Zuschauern ausgesprochen und engagiert.

Johannes Bitter zu Kap Verde und Corona: „Schwierige Situation“

Im Team von Kap Verde hat es nun schon dreimal positive Corona-Tests gegeben. Zehn bereits vor der Abreise zur WM, vier nach der Ankunft in Ägypten und am Sonnabend waren erneut zwei Spieler positiv getestet worden, einen Tag nach dem Auftaktspiel gegen Ungarn. Die Partie gegen Deutschland wurde abgesagt, weil  laut Regularien der WM zu wenige spielberechtigte Akteure zur Verfügung standen (neun).

Das ausgefallene Spiel wurde mit 2:0 Punkten und 10:0 Toren für Deutschland gewertet, was zugleich den Einzug in die Hauptrunde bedeutet. Im ersten Spiel hatte die DHB-Auswahl Uruguay locker mit 43:14 besiegt.

Corona-Alarm, aber Kap Verde darf bei WM weiterspielen

Brisant: Kap Verde bleibt vorläufig im Turnier. Zum rigorosen Schritt eines Ausschlusses des kleinen Verbandes, der Signalwirkung gehabt hätte, konnte sich die IHF nicht durchringen.

Das normale Reglement sieht einen Ausschluss nicht vor, anders als die Mannschaften der USA und Tschechien, die aufgrund zahlreicher positiver Tests kurzfristig ihren WM-Verzicht erklärt hatten, will Kap Verde mit aller Macht im Turnier bleiben und spielt dabei auf Zeit.

Kap Verde will mit Sieg gegen Uruguay in Hauptrunde

Das Team des afrikanischen Inselstaates, für den die WM-Premiere von immenser Bedeutung ist, will jetzt mindestens vier Spieler aus dem erweiterten Kader nachnominieren, um am Dienstag gegen Uruguay anzutreten. Im Falle eines möglichen Sieges stünde der WM-Exot in der Hauptrunde.

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Bitter ist sich im Klaren, dass der Verbleib von Kap Verde zwar dem Reglement entspricht, aber „in der Außendarstellung schwierig“ ist, nicht zuletzt angesichts der sich weltweit verschärfenden Corona-Lage. Bei der WM spielt das Risiko weiter mit.

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