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Das Team guckt ratlos und traurig nach dem Abstieg
  • Für das Team ist der Abstieg ein großer Schock.
  • Foto: picture alliance / Fotostand | Fotostand / Voelker

„Konsequenzen in allen Bereichen“: Hansa Rostock kehrt die Scherben zusammen

Beim FC Hansa Rostock haben nach dem Abschied aus der 2. Fußball-Bundesliga die Aufräumarbeiten begonnen. Dabei gilt es für den Verein aus Mecklenburg nach dem 1:2 gegen den SC Paderborn am Sonntag nicht nur sportlich einiges aufzuarbeiten. „Die gesamte Saison wird letztendlich dazu führen, dass wir Konsequenzen ziehen, und zwar in allen Bereichen“, kündigte Interims-Vorstand Jürgen Wehlend an.

Von dem Abstieg bleiben womöglich weniger die Bilder der weinenden Spieler auf dem Platz im Ostseestadion und das enttäuschte Gesicht von Trainer Mersad Selimbegovic in Erinnerung. Vielmehr werden die tiefschwarzen Rauchwolken auf der Tribüne der Hansa-Fans, die Böller und die Raketen, die einige von ihnen kurz vor dem Spielende entzündeten und beinahe zum Abbruch führten, mit dem Gang in die 3. Liga verbunden sein.

Ausschreitungen „nicht zu entschuldigen“

„Was die Sicherheitslage angeht, wird das sicher auch Diskussionspunkt sein“, sagte Wehlend zu den Bildern. „Es gibt nichts zu entschuldigen“, sagte er weiter. Und versuchte dann doch eine Erklärung. Es sei ein Abbild der Saison gewesen, sagte er. „Die Leute waren unglaublich frustriert, haben sich in der letzten Woche noch einmal aufgerafft, haben unglaubliche Emotionen gezeigt.“

Die Emotionen seien noch einmal hochgefahren. „Und dann entlädt sich etwas im Stadion“, sagte er. Dass es sich keinesfalls um eine spontane, sondern angesichts der Menge an Pyrotechnik um eine vorbereitete Aktion drehte, wusste er auch. Deshalb fügte er hinzu: Er meine nicht „die Böller, Raketen und den ganzen Scheiß, der geflogen ist“. Das habe er auch schon bei anderen „Do-or-Die“-Spielen erlebt. „Das ist aber nicht zu entschuldigen. Null Toleranz.“

Hansa steigt nach sechs Niederlagen in Folge ab

Es war nicht das erste Mal, dass einige Hansa-Fans negativ auffielen. Sie diskreditieren mit ihren Aktionen auch die Mehrheit der Rostocker Anhängerschaft, die mit dem Verein leiden und dennoch friedlich bleiben. Und zu leiden hatten die Menschen mit Hansa-Herzen in dieser Saison genug. Die Bedeutung des Vereins geht weit über die Stadt hinaus. Hansa steht für das gesamte Bundesland.

Drei Jahre war der Klub zweitklassig. Im ersten Jahr nach dem Aufstieg landete der Verein nach einer einigermaßen sorgenfreien Saison 2021/22 auf Rang 13. Im vergangenen Jahr war es dank eines Schlussspurts nach langer Abstiegsgefahr erneut Platz 13. Sechs Niederlagen am Saisonende waren diesmal zu viel.

Selimbegovic konnte den Abstieg nicht abwenden

„Es ist ein brutaler Schlag für alle, die für Hansa stehen, die Hansa im Herzen tragen“, sagte Trainer Mersad Selimbegovic. Der Bosnier hatte zur Rückrunde die Mannschaft übernommen. Zuvor hatte sich der Verein von Alois Schwartz, dem Retter aus der Vorsaison, getrennt.

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Selimbegovic konnte nicht mehr viel retten. Gerade einmal 14 Punkte holte er in der Rückrunde mit seinem Team. Einem Team, in dem viele Spieler kaum Zweitliga-Qualität zeigten. Vor allem im Aufbau und in der Offensive offenbarte die Mannschaft erhebliche Schwächen. Sinnbildlich dafür der Hansa-Treffer von Nils Fröling am Sonntag, der durch einen schweren Patzer von Paderborns Torwart Pelle Boevnik ermöglicht wurde.

Großer Umbruch wird erwartet

In jedem Fall wird es im Kader einen Umbruch geben. „Fakt ist, dass wir vom Grundsatz her etwas ändern müssen, auch was die Spielertypen angeht“, sagte Wehlend. In der sportlichen Leitung ist der Umbruch schon eingeleitet. Amir Shapourzadeh übernimmt die Aufgaben als Sportchef von Kristian Walter, von dem sich die Rostocker Anfang Mai getrennt hatten.

Wie geht es mit Trainer Selimbegovic weiter?

Ob Selimbegovic den Neuaufbau als Trainer mitgestalten, ist offen. Der Vertrag des 42-Jährigen für die neue Saison gilt nur für die 2. Bundesliga. Die Zukunft interessierte Selimbegovic am Tag des Abstiegs indes nicht: „Meine Person ist völlig egal.“

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Interims-Vorstandschef Wehlend schloss zumindest nicht aus, dass es mit dem Trainer weitergeht. „Mersad Selimbegovic ist immer eine Option für einen Drittligisten“, sagte er. „Er ist ein Riesentyp, ein gerader Mensch mit Haltung, mit dem man gerne zusammenarbeitet. Als Trainer ist er in meinen Augen unumstritten.“

Zukunft von Wehlend auch offen

Wie lange Wehlend noch in seiner Funktion als Vorstandschef bleibt, ist ebenfalls offen. Gedacht ist, dass er vorerst bis September den seit März pausierenden Robert Marien ersetzt. „Ich habe immer gesagt, dass ich dem Verein zur Verfügung stehe“, sagte Wehlend. Er werde nicht von Bord gehen, „weil wir abgestiegen sind“. Eines mochte er in jedem Fall nicht tun: „Zu versprechen, dass wir wieder aufsteigen, wäre fahrlässig.“ (dpa/fs)

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