Szene aus dem Film „Ökozid“: Frau Dr. Angela Merkel (Martina Eitner-Acheampong, r), Bundeskanzlerin a.D. im Gespräch mit den Richtern.
  • Szene aus dem Film „Ökozid“: Frau Dr. Angela Merkel (Martina Eitner-Acheampong, r), Bundeskanzlerin a.D. im Gespräch mit den Richtern.
  • Foto: picture alliance/dpa

Vorbild Nürnberger Prozesse: Merkel sollte in ARD-Film wie die Nazis vor Gericht stehen

Berlin –

Schon der Name ist provokant und zieht eine Verbindung zum Thema Kriegsverbrechen: „Ökozid“. Der Science-Fiction-Film, der am Mittwoch Premiere in der ARD feierte, spielt im Jahr 2034. Das Thema: In diesem Jahr der Zukunft findet die juristische Aufarbeitung der Klima-Krise statt, die bis dahin die Lebensgrundlage von Millionen Menschen vernichtet hat. Die ursprüngliche Idee des Films sollte jedoch weit mehr Kriegsbezüge haben als nur den Filmtitel …

Wie die „Bild“ zuerst berichtete, dienten die Nürnberger Prozesse als Idee hinter den Gerichtsszenen in „Ökozid“. „Anfangs sollten zum Beispiel – nach dem Vorbild der Nürnberger Prozesse – Angela Merkel und Gerhard Schröder direkt als Angeklagte vor Gericht gestellt werden“, erzählt Alexandra Kemmerer, Referentin am Max-Planck-Institut in einem Interview. Die Drehbuch-Autoren Jutta Dobersetin und Andres Veiel wandten sich, um Rat einzuholen, für ihren Film an das Max-Planck-Institut für ausländisches Recht und Völkerrecht.

„Ökozid“: Drehbuch-Autoren wollten Film-Merkel direkt vor’s Gericht stellen

Die Nürnberger Prozesse als Vorbild für ein Gerichtsszenario mit Merkel zu nehmen, mutet dabei recht makaber an. Denn: Diese Prozesse gingen nach dem Zweiten Weltkrieg in die Geschichte ein. Damals wurden deutsche Politiker, Militärs und NS-Funktionäre erstmals für ihre Verbrechen in der NS-Zeit strafrechtlich zur Verantwortung gezogen.

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Letztendlich bekam die Figur der Bundeskanzlerin jedoch nur die Rolle einer prominenten Zeugin, nicht Angeklagten, im Film „Ökozid“. Doch nicht, weil das andere Szenario den Machern dann doch zu krass erschien, sondern weil sie sich für den Internationalen Gerichtshof (IGH) als Ort des Geschehens entschieden haben. Hier konnte die ursprüngliche Idee nicht umgesetzt werden, da vor dem IGH nur sogenannte Staatenverfahren vorgesehen sind.

Die Idee des Films: Vor einem provisorischen Internationalen Gerichtshof in Berlin soll verhandelt werden, ob auch die deutsche Politik für ihr Versagen beim Klimaschutz zur Verantwortung gezogen werden muss. Nicht nur Merkel, sondern auch andere Vertreter aus Politik und Wirtschaft sind dafür als Zeugen geladen. Die Abschwächung dürfte dem Film dabei gut getan haben. (vd)

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