Büro
  • Auf dem Höhepunkt der Pandemie haben fast ein Viertel der Arbeitnehmer nicht mehr im Büro sondern von Zuhause aus gearbeitet.
  • Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Sebastian Kahnert

Homeoffice-Pflicht vorbei: So könnte es weitergehen

Etwa ein Viertel aller Arbeitnehmer hat auf dem Höhepunkt der Pandemie von zu Hause aus gearbeitet. Mit Beginn des Julis ist die Pflicht zum Homeoffice nun aber vorbei. Es zeigt sich: Viele Firmen werden bei dem Thema einen flexiblen Weg gehen. Doch wie eine künftige gesetzliche Regelung aussehen könnte, ist noch offen.

Die Home-Office-Pflicht war bisher in der Bundesnotbremse verankert. Diese ist nun abgelaufen. Unternehmen müssen allerdings weiterhin Corona-Maßnahmen aufrechterhalten, zwei Tests pro Woche anbieten und Hygienepläne erstellen.

Unternehmen setzen auf flexible Lösungen

Viele Firmen wie der Hamburger Versandhändler Otto stellen es ihren Beschäftigten weitgehend frei, ob sie in Zukunft „mobil“ oder vor Ort arbeiten wollen. Wo es möglich ist, sollen Angestellte selbst entscheiden, wann es sinnvoll ist, ins Büro zu kommen und wann sich andere Lösungen anbieten, heißt es aus dem Konzern.

Und auch die meisten DAX-Unternehmen handhaben es so, wie eine Umfrage von „Tagesschau.de“ ergeben hat. Die Deutsche Bank ermöglicht es ihren Mitarbeitern, zwei Tage pro Woche von zu Hause aus zu arbeiten. Ähnlich die Telekom, die auch die Zahl der Dienstreisen mit Hilfe der digitalen Technik reduzieren will. Volkswagen ist am radikalsten und setzt weiter auf die „die maximale Nutzung der mobilen Arbeit“.

Volkswagen
Das Volkswagen-Werk in Wolfsburg: Der Konzern setzt weiterhin voll auf mobiles Arbeiten.

Der Versicherungskonzern Allianz hingegen will so viel Büro-Arbeit wie möglich. Dort argumentiert man: Kreativität und ein „Wir-Gefühl“ entfaltet sich am besten in der persönlichen Begegnung. Einige Unternehmen bauten sogar ihre Büros zu „Arbeits-Wohlfühloasen“ um, um ihren Mitarbeitern die Büroarbeit so schmackhaft wie möglich zu machen.

Zwiespältige Gefühle bei den Arbeitnehmern

Die Arbeitnehmer haben gegenüber dem Homeoffice laut einer Umfrage der Krankenkasse DAK zwiespältige Gefühle: Zwar finden mehr als die Hälfte der Bundesbürger, Homeoffice sollte nach dem Ende der Pandemie weiter zur Arbeitsrealität gehören. Der Zeitgewinn und die bessere Vereinbarkeit von Job und Familie sind hier wichtige Argumente.

Gleichzeitig sieht eine Mehrheit aber die mangelnde Trennung von Privatleben und Beruf sowie den mangelnden Kontakt zu Kollegen als Problem an.

Heil hat ein fertiges Gesetz in der Schublade

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat schon seit längerem einen Gesetzentwurf in der Schublade liegen, der das Homeoffice neu regeln soll. Dieser sieht einen Rechtsanspruch auf 24 Tage mobiles Arbeiten im Jahr vor, wenn der Job dafür geeignet ist. Außerdem sollen Arbeitgeber begründen, warum sie einen Wunsch auf mobile Arbeit oder Homeoffice ablehnen. Tun sie dies innerhalb einer Frist nicht, wäre Homeoffice automatisch für ein halbes Jahr bewilligt.

Peter Weiß
Peter Weiß (CDU), Arbeitsexperte der Unions-Bundestagsfraktion, will von einem Recht auf Homeoffice nichts wissen.

Die Grünen sind ebenfalls für einen Rechtsanspruch, wollen ihn aber mit einem Rückkehrrecht für Arbeitnehmer versehen. Doch ein Rechtsanspruch ist mit der Union nicht zu machen. „Man darf den Arbeitgebern nicht reinreden, wie sie ihre Unternehmen organisieren“, argumentiert Arbeits-Politiker Peter Weiß (CDU). Ähnlich sieht das auch die FDP.

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Konservative und Liberale bevorzugen das „Niederländische Modell“. Dort gibt es einen „Erörterungsanspruch“. Arbeitgeber dürfen nicht einfach mürrisch „Nein“ zu einem Home-Office-Wunsch sagen, sondern müssen eine genaue Begründung liefern.

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