Tote Fische am Strand
Tote Fische am Strand
  • Der Strand am Mar Menor in Spanien mit toten Fischen
  • Foto: picture alliance/dpa/Ecologistas en Accion

Das größte Massensterben seit den Dinosauriern

Alle Welt spricht von den Folgen des Klimawandels. Darüber wird manchmal eine ganz andere Umweltkatastrophe vergessen: Jeden Tag sterben im Schnitt 150 Arten aus – Pflanzen und Tiere zusammengenommen. Meist dafür verantwortlich: der Mensch. Der Weltnaturgipfel der UN will das Ruder nun noch einmal rumreißen. Laut Expert:innen sei dies gerade noch möglich.

Mit eindringlichen Worten hat UN-Generalsekretär António Guterres die Teilnehmerstaaten des Gipfels in Kanada zum „Friedensschluss mit der Natur“ aufgerufen.

Guterres: „Wir führen Krieg gegen die Natur“

„Mit unserem bodenlosen Appetit auf unkontrolliertes und ungleiches wirtschaftliches Wachstum ist die Menschheit zu einer Massenvernichtungswaffe geworden“, sagte Guterres bei der Eröffnungsfeier. „Wir führen Krieg gegen die Natur. Bei dieser Konferenz geht es um die dringende Aufgabe, Frieden zu schließen.“

Die Menschheit behandle die Natur wie eine Toilette, so Guterres. „Und letztendlich begehen wir damit stellvertretend Suizid, denn der Verlust von Natur und Artenvielfalt geht mit gewaltigen Kosten für die Menschheit einher.“

Es gibt keinen Planeten B

Ihn beeindruckten junge Klima-Aktivisten auf der ganzen Welt, aber man könne es nicht den jungen Menschen überlassen, das Chaos wieder in Ordnung zu bringen. „Wir müssen die Verantwortung übernehmen für den Schaden, den wir angerichtet haben, und handeln, um es wieder in Ordnung zu bringen. Trotz der Träume von Milliardären, die sich etwas vormachen, gibt es keinen Planeten B. Wir müssen die Welt in Ordnung bringen, die wir haben.“

Organisatoren, Wissenschaftler und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen erhoffen sich von dem bis zum 19. Dezember angesetzten Treffen ein globales Abkommen für den Artenschutz. Eines der Hauptziele der Konferenz ist es, mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen bis 2030 unter Schutz zu stellen. Derzeit sind weltweit weniger als 17 Prozent der Landflächen und acht Prozent  der Ozeane Schutzgebiete.

Auch Umweltministerin Lemke wird vor Ort sein

Eine globale Vereinbarung müsse „messbare Ziele“ festlegen und eine Trendwende bewirken, betonte auch Bundesumweltministerin Steffi Lemke, die ab dem 14. Dezember als deutsche Vertreterin an den Verhandlungen teilnehmen wird. Außerdem müssten am Ende wirksame Umsetzungs- und Kontrollmechanismen stehen.

Die Menschheit zerstöre derzeit lebenswichtige Ökosysteme in einem „atemberaubenden Tempo“, betonte sie. „Wir verlieren biologische Vielfalt in einem schlimmen, schnellen Tempo – bis zu 100 Mal schneller als im Schnitt der letzten zehn Millionen Jahre.“

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Expert:innen sprechen schon vom größten Artensterben seit den Dinosauriern. Aber: Noch sei es nicht zu spät. Gegenüber der „Tagesschau“ sagte gestern etwa der Biologe Volker Mosbrugger: „Ja, das sechste Massenaussterben hat begonnen, gar keine Frage – aber kann auch noch gestoppt werden.“ (mp/dpa)

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