Ein Ermittler der Mordkommission am Tatort an der Bleicherstraße in Hamburg.
  • Ein Ermittler der Mordkommission am Tatort an der Bleicherstraße in Hamburg.
  • Foto: Marius Roeer

Zahlen für Hamburg: Hier wird am meisten gemordet

Neun Menschen sind in Hamburg im vergangenen Jahr Opfer eines Mordes oder eines Totschlages geworden, insgesamt bearbeitete die Kripo 43 Fälle, bei denen es um vollendete oder versuchte Tötungsdelikte ging – die niedrigste Fall-Anzahl seit 1965.

Mord und Totschlag inklusive der Versuche haben an der Gesamtkriminalität in der Stadt nur einen Anteil von 0,02 Prozent. Bei mehr als drei Viertel aller Taten blieb es beim Versuch. Am häufigsten wird bei solchen Delikten das Messer benutzt; klein, handlich, überaus gefährlich. Bei 22 Taten wurde es im vergangenen Jahr eingesetzt – das entspricht einem Anteil von 55,8 Prozent. Knapp die Hälfte der Taten spielten sich in Wohnungen ab. Das geht aus Polizei-Zahlen hervor, über die das „Abendblatt“ zuerst berichtete. Ein Beamter wird dort so zitiert: „Ein Messer gibt es eben in jeder Küche. Es ist schnell verfügbar und deswegen die am meisten benutzte Tatwaffe.“

Zahlen für Hamburg: Hier wird am meisten gemordet

In 75 Prozent der Fälle kannten sich Täter und Opfer. Tötungsdelikte – oft das Ende eines persönlichen Streits. Häufig spielen sich solche Taten innerhalb von Familien und Liebesbeziehungen ab, in den seltensten Fällen wird man willkürlich Opfer eines Mordes oder Totschlages.

In vier Fällen gingen Kinder auf ihre Elternteile los. Im Februar 2020 soll Florian E. in Bramfeld zunächst seine Ex-Freundin, und dann, um die Tat zu verschleiern, auch seine eigene Mutter umgebracht haben. Sie hatte von der Leiche der jungen Frau erfahren. An der Ohlendiekshöhe in Poppenbüttel bedrohte im selben Monat ein 22-Jähriger seinen Vater mit einem Messer – offenbar im Streit um Geld. Kurz zuvor hatte in Wandsbek ein Mann seine Mutter erstochen. Auch hier war ein Streit vorausgegangen.

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Bei derartigen Delikten spielen häufig auch Drogen und Alkohol eine Rolle: In zwölf Fällen (23 Prozent) waren die Täter alkoholisiert, sieben Täter galten als drogensüchtig. Bei drei von ihnen nahm man eine psychische Störung an. Nur bei zwei Taten wurde im vergangenen Jahr geschossen. Knapp 90 Prozent der Täter waren Männer, in nur sechs Fällen waren Frauen Beschuldigte.

Motive für Tötungsdelikte variieren, sind meistens aber einfach gestrickt: Eifersucht, Gier, Rache. Die Zahl der Taten, die als Morde eingestuft wurden, sprang von sieben (2019) auf im vergangenen Jahr 17. Knapp 48 Prozent der Täter sind Ausländer, in acht Fällen waren Festgenommene Flüchtlinge. Nur sechs Opfer waren unter 21 Jahre. Örtlich gesehen gab es die meisten Taten im Bezirk Mitte (13), danach folgten die Bezirke Nord und Bergedorf.

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