Kostenlos und ohne Wartezeit: „Zeitleben“ bietet psychologische Hilfe

Kostenlos und ohne Wartezeit: „Zeitleben“ bietet psychologische Hilfe Foto: Zeitleben

Kostenlos und ohne Wartezeit: „Zeitleben“ bietet psychologische Hilfe

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Manchmal kippt das Leben leise. Nicht mit einem Knall, sondern mit schlaflosen Nächten, Erschöpfung und dem Gefühl, allein nicht mehr weiterzukommen. „Dann braucht es jemanden, der einen ernst nimmt“, sagt Maria Wendeler. Sie weiß, wovon sie spricht. Seit 20 Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich für Menschen, die nicht mehr weiterwissen. Maria Wendeler ist Mitgründerin von „Zeitleben“, einem Verein in Eimsbüttel, der psychologische Unterstützung anbietet – professionell, kostenlos  und ohne lange Wartezeiten.

Maria lacht, als sie über ihr Alter spricht. „Ich bin 78. Nee, stimmt gar nicht, 77.“ Dann schiebt sie hinterher: „Ich habe halt gute Gene.“ Lächelnd winkt sie ab und spricht über ihr Ehrenamt. „Wenn jemand in einer Sackgasse ist, aus der er alleine nicht rauskommt, dann bieten wir ihm an, ihn ein Stück zu begleiten.“ Begleiten heißt bei „Zeitleben“: zuhören, ernst nehmen, nach Lösungen suchen.

„Zeitleben“: Jedes Jahr begleiten die Coaches etwa 100 Menschen

Die Hilfesuchenden bekommen direkt Beratung – ohne lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz. Die meisten kommen wegen beruflicher Krisen: Burn-out, Mobbing, Überforderung oder Probleme beim Wiedereinstieg nach einer Krankheit. Viele arbeiten in sozialen Berufen. Häufig sind es Frauen, alleinerziehend und schlecht bezahlt. „In der Regel stellt sich heraus, dass es nicht nur das berufliche Problem ist, sondern dass es Gründe gibt, weshalb sie damit alleine nicht klarkommen. Und dann geht es ans Eingemachte.“

Rund 70 Coaches und Berater:innen arbeiten für den Verein, alle professionell ausgebildet, alle ehrenamtlich. Jedes Jahr begleiten sie etwa 100 Menschen. Besonders nahe gehen Maria familiäre Konflikte. „Mich rührt das als Mutter.“ Häufig gehe es um Frauen ohne Perspektive, mit wenig Geld, in denen aber noch „so viel Stärke und Potenzial steckt“.

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Eine Begegnung ist ihr besonders in Erinnerung geblieben: eine selbstständige Mutter mit zwei kleinen Kindern, die depressive Phasen hatte. „Gemeinsam sind wir durch eine solche Phase gegangen und sie hat ihren Weg gefunden.“ Der Kontakt besteht bis heute. Die Frau meldet sich, spendet für den Verein.

Dass Maria Wendeler für diese Geschichten besonders sensibel ist, hat auch mit ihrer eigenen Biografie zu tun. Sie hat drei Töchter. Ihr Mann starb früh. Da war sie 42 Jahre alt, die jüngste Tochter zehn, die Zwillinge zwölf. Alleinerziehend hielt sie Familie und Beruf zusammen. Die studierte Psychologin arbeitete als Office-Managerin in einer Unternehmensberatung. „Ich glaube, ich war eine der ersten Homeoffice-Führungskräfte, wenn man so will.“

Schwere Krise für den Verein: Miete sollte verdreifacht werden

Als die Kinder erwachsen waren, machte sie sich selbstständig als Psychologin. Gemeinsam mit anderen Frauen gründete sie eine Beratungsstelle in Osdorf. Es kamen vor allem Menschen, die Beratung brauchten, sie sich aber nicht leisten konnten. „Wir konnten sie einfach nicht wegschicken. Deshalb haben wir den Verein mit sieben Kolleginnen gegründet.“ Heute sind nur noch sie und ihre Vorstandskollegin aus der Gründungszeit dabei, viele neue sind hinzugekommen.

Ebenfalls vor 20 Jahren zog der Verein in die Räume an der Eimsbütteler Chaussee. Im vergangenen Jahr wechselte der Eigentümer, die Miete sollte verdreifacht werden. Der neue Hausbesitzer ließ zwar mit sich reden, verlangte aber noch immer das Doppelte. Das wäre das Aus für „Zeitleben“ gewesen. Der Verein gab die Hälfte der Fläche auf und baute mit finanzieller Unterstützung der Haspa die übrigen Räume um.

Maria Wendeler und Elisabeth Keßeböhmer (r.): Die Haspa-Mitarbeiterin engagiert sich als Coach für den Verein. Florian Quandt
Maria Wendeler und Elisabeth Keßeböhmer (r.): Die Haspa-Mitarbeiterin engagiert sich als Coach für den Verein.
Maria Wendeler und Elisabeth Keßeböhmer (r.): Die Haspa-Mitarbeiterin engagiert sich als Coach für den Verein.

„Wir sind sehr froh über diese Lösung“, sagt die Frau, die seit der Gründung Schatzmeisterin des Vereins ist. „Ich kann gut mit Zahlen umgehen und stehe nicht so gerne in der Öffentlichkeit.“ Und doch sitzt sie hier. Maria lacht. „Das ist okay. So lange klar wird, dass wir ein großartiges Team sind, in dem jeder gleich wichtig ist.“

Maria ist seit zehn Jahren in Rente. Doch zur Ruhe setzen – das ist nichts für sie. Sie lebt in Altona, kümmert sich viel um ihre Enkel, malt, spielt Ukulele. Und sie bleibt engagiert. Vielleicht, weil sie weiß, wie schnell sich ein Leben verändern kann. Und wie viel es bedeutet, wenn in schwierigen Momenten jemand da ist.


Die Bessermacher – eine Aktion von MOPO und Haspa MOPO
Die Bessermacher – eine Aktion von MOPO und Haspa (Logo)


Die Bessermacher ist eine Aktion von der MOPO und der HASPA.

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„Zeitleben“: Haspa-Mitarbeiterin engagiert sich als Coach

Gutes verdient Unterstützung. Mit der Aktion „Die Bessermacher“ wollen wir nicht nur engagierte Menschen zeigen. Die Projekte bekommen auch finanzielle Hilfe und langfristige Unterstützung. 

Die Patenschaft für den Verein übernimmt Elisabeth Keßeböhmer. Sie ist Abteilungsleiterin im Personalbereich und hat zusätzlich eine Ausbildung zum systemischen Coach gemacht. Regelmäßig engagiert sich die Haspa-Mitarbeiterin ehrenamtlich bei „Zeitleben“. Für sie eine Herzensangelegenheit, Teil dieses „warmherzigen, engagierten Teams“ zu sein. „Coaching ist ein tolles Instrument, um in schwierigen Lebenssituationen zu helfen. Dass der Verein Menschen berät, die sich die Unterstützung sonst nicht leisten könnten, ist etwas ganz Besonderes.“

„Zeitleben“ wird auch finanziell unterstützt. Der Verein benötigt neue Möbel. Die Haspa kümmert sich um die Finanzierung aus den Mitteln des Haspa-Lotteriesparens.

LotterieSparen für den guten Zweck

Jedes Jahr werden über das Haspa LotterieSparen rund 2,3 Mio. Euro für gemeinnützige Einrichtungen in und um Hamburg ausgeschüttet. Die Teilnehmer kaufen Spar-Lose für je 5 Euro. Davon gehen 4 Euro direkt auf das Sparkonto, 75 Cent fließen in eine Verlosung mit Geldpreisen bis zu 30.000 Euro – und mit 25 Cent werden gemeinnützige Einrichtungen gefördert. So können jedes Jahr mehr als 500 Fördermaßnahmen umgesetzt werden. Unterstützt werden Sportvereine, Bildungs-, Pflege- und Senioreneinrichtungen, Hilfsorganisationen, Museen, Theater und viele mehr. Die Teilnahme ist ganz einfach über das Online-Banking und auf haspa.de/lotteriesparen möglich.

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