WM-Kommentar: Jesus‘ legitimer Nachfolger? Infantino ist verrückt geworden

FIFA-Präsident Gianni Infantino bei seiner Skandal-Pressekonferenz in Katar kurz vor WM-Start.
FIFA-Präsident Gianni Infantino bei seiner Skandal-Pressekonferenz in Katar kurz vor WM-Start.

Gianni Infantino hatte rote Haare. Das ist wichtig zu wissen, denn laut eigener Aussage ist sein früherer Schopf ein Grund dafür, warum sich der FIFA-Boss so gut hineinversetzen kann in die katastrophale Lebenssituation vieler katarischer Gastarbeiter. Der andere Grund: Auch Infantino hat eine Migrationsgeschichte, seine Eltern kamen schließlich aus dem fernen Italien in die Schweiz. Er wisse also, wie es sich anfühle, diskriminiert zu werden. Die Worte des Multimillionärs, sie waren eine Verhöhnung der mutmaßlich 6500 Opfer, die diese WM gefordert hat, zu denen Zigtausende gepeinigte Arbeiter noch hinzukommen, ein Schlag ins Gesicht für queere Menschen, denen bis zu sieben Jahre Haft drohen, wenn sie in Katar ihre Liebe ausleben.

Wer Infantinos Rede am Samstag verfolgt hat, der kam nicht umhin, sich die Frage zu stellen, ob der FIFA-Boss verrückt geworden ist. Mit langen Kunstpausen und ausgebreiteten Armen sprach er fast 90 Minuten lang, als wäre er Jesus’ legitimer Nachfolger.

FIFA-Präsident Infantino baut keine Brücken – im Gegenteil

Infantino aber baute keine Brücken, sondern riss die bestehenden Gräben zwischen der westlichen Welt und dem WM-Gastgeber so weit auf, dass eine gemeinsame Verständigung in naher Zukunft unmöglich geworden ist. Die Europäer dürften 3000 Jahre nichts anderes tun, als sich zu entschuldigen für das Leid, das sie in den vergangenen 3000 Jahren über die Menschheit gebracht haben. Der seit acht Monaten auch in Katar lebende Infantino blickte also bis in die späte Bronzezeit zurück, in der er offenbar auch interkontinentale Konflikte vermutet.

Was ist in dieser Woche im Volkspark passiert? Jeden Freitag liefert Ihnen die Rautenpost Analysen, Updates und Transfer-Gerüchte – pünktlich zum Wochenende alle aktuellen HSV-News der Woche kurz zusammengefasst und direkt per Mail in Ihrem Postfach. Hier klicken und kostenlos abonnieren.

Sein Rundumschlag gegen alle Kritiker zeigt, dass der wohl schwächste FIFA-Präsident in der Geschichte des Weltverbandes keinerlei Interesse an einem Diskurs hat. Dass er ernsthaft zu glauben scheint, mit seinen Worten einen weltweiten Waffenstillstand für die Zeit der Fußball-WM herbeiführen und Kritiker mundtot machen zu können, zeigt, dass Infantino größenwahnsinnig und naiv zugleich ist.

Das könnte Sie auch interessieren: Spieler vor WM bestochen? Das ist dran am Betrugs-Vorwurf gegen Katar

Und dennoch: Dieser Präsident der Schande wird im März 2023 in Ruanda erneut ohne Kontrahent wiedergewählt werden. Und das ist auch die Schuld der Europäer. Deren Verband, die UEFA, hat es nie geschafft, ein ernstzunehmendes Gegengewicht in den Ring zu schicken, weil man nur auf die eigene Gewinnmaximierung schaut statt andere Kontinentalverbände für einen gemeinsamen Weg zu begeistern. Und so reicht es Infantino aus, kleine Verbände mit WM-Startplätzen zu locken, um ihre Stimme zu bekommen. Welch wirres Zeug dieser Anwalt von Katar dann von sich gibt, ist vielen der 211 Mitgliedsländer einfach herzlich egal.