„Unsere Amis werden denken …“: Weltmeister Hollatz über seine Rückkehr nach Hamburg
Das Spiel zwischen den Veolia Towers Hamburg und dem FC Bayern München in der Barclays Arena ist nicht nur in Hamburg ein Highlight. Für einen Münchner ist die Partie auf eine doppelte Art besonders. Justus Hollatz ist gebürtiger Hamburger und wurde bei den Towers groß. Mittlerweile ist das einstige Aushängeschild der Türme Welt- und Europameister. Er spielt beim amtierenden Meister in München. Als die MOPO Hollatz spricht, befindet er sich am Flughafen in Litauen. Es ist der Morgen nach der Euroleague-Niederlage gegen Zalgiris Kaunas.
MOPO: Wie schwer sind die Beine?
Justus Hollatz: Ach, es geht. Natürlich ist es gestern doof gelaufen, aber das kann man nicht ändern. Der Körper ist vielleicht etwas müde, aber da muss man durch.
Justus Hollatz: „Man muss immer seine Balance finden“
72 Spiele ohne Playoffs sind eine Menge. Wie kommen Sie mit der Fülle klar?
Das nimmt schon viel ein und mental ist es auch echt anstrengend. Da muss man seine Balance finden und trotzdem das Leben genießen, wenn man freie Zeit hat. Mal was mit Freunden machen, essen gehen, Spiele spielen. Dazu kommt die Regeneration. Also viel Eisbad, viel Sauna, viel Behandlung, viel schlafen, gut essen.
Es ist das erste Mal unter Svetislav Pesic, dass Sie vier Spiele in Folge verloren haben. Wie ist die Stimmung bei Ihnen?
Die könnte natürlich besser sein. Wir hatten ein paar bittere Niederlagen, die wehtun. Wir wollen mal wieder ein Ausrufezeichen setzen und Selbstvertrauen gewinnen. Ich glaube, innerhalb der letzten Wochen sieht man, dass ich deutlich besser spiele und mich wohler fühle.
Haben Sie während der 24-Niederlagen-Serie mit den Towers mitgelitten?
Auf jeden Fall. Ich habe gesehen, wie es meinen Bruder (Towers-Co-Trainer Jacob Hollatz; d. Red.) mitgenommen hat und alle anderen Beteiligten. Ich weiß, wie viel Arbeit und Leidenschaft alle reinstecken. Das war hart zu sehen, weil es eine echt bedrohliche Situation war. Jetzt ist es eine komplett andere Mannschaft. Man sieht, dass sie sich Gott sei Dank positiv entwickelt haben und besser als Team funktionieren. Ich gucke die Spiele weiterhin und freue mich wirklich sehr, wenn sie gewinnen und dann auch in der Liga bleiben.
Towers-Pleiten-Serie war auch bei Bayern ein Thema
War die Negativserie bei Ihnen im Team ein Thema?
Ja, vor allem unter den Deutschen. Die wissen natürlich, dass ich noch Bezug habe. Dann wird man gefragt: „Was ist eigentlich bei den Towers los?“, und es wird ein bisschen gestichelt. Anfang des Jahres gab es auch nicht viel Positives, womit ich die Towers schützen konnte. Aber Gott sei Dank sind sie jetzt leise, seitdem es gut läuft.
Sie sind es gewohnt, auf der größten Bühne zu spielen. Ist es trotzdem besonders, in der Barclays Arena zu spielen?
Ja, schon. Vor allem in Deutschland ist es nicht normal, vor so vielen Menschen zu spielen. Deswegen ist das auch für uns was Besonderes. Ich glaube, es wird auch für die Amis hier bei uns so sein, dass sie denken: „Oh, wow, die haben ja eine echt gute Halle.“ Deswegen glaube ich schon, dass es auch für uns ein bisschen Extra-Motivation gibt. Mir ist bewusst, dass es das Spiel der Saison ist und die Towers besonders motiviert sind.
Was vermissen Sie, abgesehen von Freunden und Familie, am meisten an Hamburg?
Die Stadt einfach an sich, die Schönheit der Stadt. Dieses Schöne, aber auch das Lockere, was in der Stadt ist, in der Schanze zum Beispiel.
Hollatz vermisst in München vor allem Franzbrötchen
Da kann München nicht mithalten?
Ja, da ist vielleicht alles ein bisschen schicker (lacht). Ansonsten vermisse ich einfach Restaurants, Cafés, wo ich immer hingegangen bin. Und natürlich Franzbrötchen. Das auf die Nummer eins (lacht).
Können Sie neben dem Spiel noch ein paar Stunden in Hamburg verbringen?
Leider nicht. Wir kommen Samstagabend an und fliegen nach dem Spiel direkt wieder nach Hause. Das letzte Mal war ich im Sommer da. Durch den Plan ist das leider schwierig.
Wir schreiben das Jahr 2040. Sie sind fit und in Höchstform. Mit Deutschland stehen Sie im olympischen Finale. Wo wollen Sie die Goldmedaille lieber holen – Hamburg oder München?
Natürlich in Hamburg, also das ist ganz klar. Das wäre schon ein Traum und richtig geil einfach, in der Heimat die Olympischen Spiele zu haben.