Towers-Riese machte die Liebe zum Beruf – Flucht aus dem Sudan
An viel kann er sich nicht erinnern. Kein Wunder, Kur Kuath war erst wenige Monate alt, als seine Familie mit ihm aus dem von Bürgerkriegen gepeinigten Sudan nach Kairo floh. „Die einzigen Erinnerungen, die ich an Afrika habe, sind, in einem kleinen Apartment mit 25 Kindern und meinen Tanten und Onkeln zu sein“, erzählt der 26-Jährige im Gespräch mit der MOPO. „Wir Kinder wussten nicht, dass wir nichts hatten. In meinen Augen hatten wir alles, denn Familie ist alles für mich.“ Worte, die das beschreiben, wofür der neue Riese der Veolia Towers Hamburg steht und was sein Leben ausmacht: viel Liebe, Zusammenhalt und Dankbarkeit.
Sein Weg war zunächst vor allem geprägt von Herausforderungen. Über Kairo landete die Familie in Salt Lake City in den USA, ohne Geld und ohne Arbeit. Seine Eltern erinnerten ihn stets daran, bescheiden zu bleiben. Kuath: „Sie wollten immer, dass wir dankbar sind für die Situation, die wir haben“, erzählt der 2,08 Meter große Center.
Kuath bleibt bescheiden: „Anderen geht es schlechter“
Ein Rat, den er sich trotz der schwierigen Situation zu Herzen nahm. „Wir waren definitiv auf der armen Seite der Amerikaner, aber wir hatten immer noch mehr Glück als andere zu Hause. Für mich war das eine Motivation“, erinnert er sich. „Wir hatten nichts, aber jetzt hatten wir ein Haus, Kleidung und ich teilte mir ein Zimmer mit nur meinen Brüdern. Deshalb wussten wir, dass wir für alles dankbar sein und unser Leben nutzen sollten, um anderen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Denn anderen Menschen geht es viel schlechter.“
Kuath wusste das Leben zu nutzen. „Als Teenager begann ich, Basketball zu lieben und ernst zu nehmen. Der Sport hat mir damals die Augen für neue Möglichkeiten geöffnet.“ Er verhalf Kuath schließlich dazu, zwei Top-Colleges (erst Oklahoma, dann Marquette) zu besuchen und 2021 als Erster in seiner Familie einen Uni-Abschluss zu machen, wie er stolz erzählt. „Bei meiner Abschlussfeier war fast meine ganze Familie anwesend.“ Viele hatten eine lange Reise hinter sich. „Es war ein glücklicher Moment für mich, als ich sah, wie meine Familie mich anfeuerte. Daran werde ich mich immer erinnern“, sagt er lächelnd.
Kuath startet ins Abenteuer Europa
Es folgte der nächste große Schritt – Kuath verließ Amerika und startete ins Abenteuer Europa, weit weg von den Vertrauten. Eine schwere Entscheidung? „Nicht wirklich“, sagt er: „Ich wusste, dass ich das Spiel spielen würde, das ich liebe. Von der Familie getrennt zu sein, ist manchmal hart, aber vom Basketball weg zu sein und nicht zu spielen, ist auch hart. Meine Familie wird mich immer unterstützen und sie verstehen, dass ich meinen Träumen nachgehen will. Sie sind stolz auf mich.“
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Über Griechenland und Spanien landete er im Sommer in Wilhelmsburg. Kuath hat sich sofort in die Towers und Hamburg verliebt, ist stark in die Saison gestartet. Trotz der Entfernung zu seinen Liebsten weiß er, dass sie hinter ihm stehen. „Sie schauen sich die Spiele zu Hause an und unterstützen mich. Ich bin gesegnet, denn ich kann tun, was ich liebe, und ich werde alles geben, um meinen Traum zu verwirklichen.“
„Wäre ganz Besonders“: Kuath träumt von Olympia
Dieser lautet: Olympia 2028 in Los Angeles! Kuath ist zwar im heutigen Sudan geboren, läuft aber für die Nationalmannschaft des Südsudan auf. „Meine Familie in Amerika könnte mich spielen sehen, und ich wollte schon immer mal vor ihnen spielen. Das war bisher nicht möglich“, erzählt Kuath. „Es wäre etwas ganz Besonderes, dann den Südsudan vertreten zu dürfen.“