Towers-Profi verteilt schwersten Korb seines Lebens und spricht über Hamburg-Zukunft

Kenneth Ogbe führt den Ball
Der 1,98 Meter große Kenneth Ogbe macht bei den Towers im Schnitt 9,3 Punkte pro Spiel.

Obwohl die Veolia Towers Hamburg in den vergangenen Spielen nur wenige Siege einfahren konnten, stimmte die Leistung oft – so auch bei Kenneth Ogbe. Der Neuzugang aus Oldenburg, der im Sommer nach Hamburg wechselte, ist nach viel Verletzungspech endlich wieder fit und zeigt, was in ihm steckt. Seine starken Auftritte blieben auch dem neuen Bundestrainer der deutschen Basketball-Nationalmannschaft Álex Mumbrú nicht verborgen, der den Flügelspieler für die aktuelle Länderspielpause nominierte. Und auch wenn Ogbe aus einem besonderen Grund an dieser nicht teilnehmen kann, ist er derzeit in Topform und schwebt, wie er im Gespräch mit der MOPO verrät, auf einer Erfolgswelle Richtung Korb.

Dem Nationaltrainer hingegen einen Korb zu geben, das kann man nur schweren Herzens tun. Ogbe hat genau das getan, allerdings aus einem sehr wichtigen Grund – dem wohl „einzigen Grund“, wie er selbst sagt, für den er die Nationalmannschaft absagen würde. Der 30-Jährige und seine Frau erwarten die Geburt ihres dritten Kindes. „Ich habe bis zuletzt gehofft, dass ich beides noch irgendwie unter einen Hut bekomme. Aber am Ende ist es wichtiger, dass es meiner Frau gut geht“, erklärt der Familienvater. Und trotzdem: „Natürlich tut es ein bisschen weh, weil ich so gerne gespielt hätte.“

Ogbe hatte immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen

Dennoch bedeutet die Nominierung für Ogbe viel. In den vergangenen Jahren hatte der Flügelspieler immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen – ob Muskelfaserriss oder Knieprobleme, Ogbe musste immer wieder pausieren. Doch in Hamburg läuft es für den BBL-Routinier. „Ich habe mich im Sommer sehr gut vorbereitet. Zudem habe ich in Absprache mit dem Trainerteam und den Physios ein sehr gutes Programm, das mich fit hält. Gesundheitlich läuft bei mir bisher alles super“, erzählt Ogbe und klopft dreimal für das gute Omen aufs Holz.

Die Folge: Der 1,98 Meter große Forward kann wieder viel spielen und hilft den Towers mit seiner Erfahrung aus mittlerweile 172 BBL-Spielen – gesammelt in Berlin, Bamberg, Oldenburg und seit diesem Sommer Hamburg. Der athletische Flügelspieler ist wieder in Form, sein Trainer Benka Barloschky davon begeistert. Der 36-Jährige ist beeindruckt von der gestiegenen Qualität der deutschen Spieler im Kader und bezieht sich damit auch auf Ogbe, der mit 9,3 Punkten im Schnitt pro Spiel seinen bislang besten Wert in der BBL aufweist. „Es tut gut, im Rhythmus zu sein und viel Spielzeit zu bekommen. Dass ich endlich verletzungsfrei spielen kann, spielt dabei eine große Rolle. Außerdem bin ich auch mental gewachsen“, sagt Ogbe zu seiner aktuellen Form.

Gespräche zwischen Ogbe und Mumbrú schon zu Saisonbeginn

Die endgültige Bestätigung seiner Form kam dann mit der Nominierung. Bereits nach dem Sieg am ersten Spieltag gegen Alba Berlin gab es das erste Gespräch zwischen Ogbe und Mumbrú. „Irgendwann habe ich dann angefangen, mit dem Gedanken zu spielen, dass ich nominiert werde“, verrät der achtmalige Nationalspieler über die Wochen danach.

Aber wenn es aus einem Gedanken dann auch noch Realität wird, fühlt es sich eben nochmal anders an. „Als der Anruf kam, war ich überglücklich. Nach zwei schwierigen Jahren war es eine Bestätigung, dass sich die harte Arbeit gelohnt hat“, erzählt Ogbe mit einem Lächeln. „Einfach diese Bestätigung zu erhalten, dass man von außen gesagt bekommt, dass man Qualität ins Spiel der deutschen Basketball-Nationalmannschaft bringen kann, fühlt sich super an und treibt einen auch an, weiter alles zu geben.“ Und auch wenn es für ihn dieses Mal nicht mit zur Nationalmannschaft ging, wird es sicherlich nicht seine letzte Gelegenheit gewesen sein.

Ogbe kann sich Zukunft bei den Towers vorstellen

Vorerst kann sich Ogbe auf seine Familie und die Towers konzentrieren und alles geben. Das ist auch nötig, denn trotz ordentlicher Leistungen wurde es für die Wilhelmsburger zuletzt nichts mit den Siegen – zumindest in der Bundesliga. „Ich glaube, wir sind in der Vorbereitung sehr gut gestartet, haben sehr frei gespielt und auf einmal lief es halt. Dann ist die Erwartungshaltung natürlich hoch und die vielen Niederlagen zuletzt dämpfen dann die Euphorie“, ordnet Ogbe die aktuelle Situation der Türme ein. „So eine Saison ist lang. Wir dürfen jetzt nicht den Kopf verlieren, das ist das Wichtigste“.

Am Ende der Saison geht es dann wie jeden Sommer in die USA, damit auch die Familie von Ogbes Frau den neuesten Nachwuchs kennenlernen kann. Das Ehepaar lernte sich während Ogbes Collegezeit in den USA kennen, die Sommerreise hat mittlerweile Tradition. Doch was kommt nach den Sommerferien?

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Der Vertrag des 30-Jährigen läuft nur bis zum Ende der Saison. Und auch wenn es bis dahin noch ein bisschen hin ist, hat sich Ogbe bereits eine erste Meinung gebildet, wie es danach weitergehen soll. „Ich kann von meiner Seite sagen, dass wir Familie und ich uns hier unglaublich wohl fühlen – in der Stadt und ich bei den Towers“, verrät Ogbe und fügt hinzu: „Dass ich hier mein Basketball-Leben wieder aufleben lassen kann, fühlt sich sehr gut an.“