Ross Williams unter dem Korb gegen den Trierer Marco Hollersbacher

Ross Williams unter dem Korb gegen den Trierer Marco Hollersbacher Foto: WITTERS

„Schneller, härter, besser“: Towers nehmen erfolgreich Revanche an Trier

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Abstiegskampf adé? Dank einer beeindruckenden Leistung setzten sich die Hamburg Towers gegen die Trier Gladiators mit 90:72 (26:19, 22:22, 24:15, 18:16) durch und können angesichts von drei Siegen Vorsprung auf einen Abstiegsplatz erst mal tief Luft holen. Ross Williams stellte einen persönlichen Punkterekord auf.

Vier Tage nach dem 92:101 der Towers in Trier kam es bereits zur Revanche gegen den Überraschungs-Aufsteiger mit Playoff-Chancen. Eigentlich hätten die Moselstädter schon im Januar in Wilhelmsburg antreten sollen, doch eine zu große Schneelast auf dem Hallendach verhinderte damals die Austragung. Ebenso wie die Niederlage im Hinspiel (das eigentlich das Rückspiel war) wurde das aber spätestens mit dem Tipoff um 18 Uhr zu Schnee von gestern.

Daniels und Maronka treffen ihre Dreier – Trier nicht

Frühlingsfrisch starteten die Towers in die Partie, auch wenn der erste Dreier-Versuch von Ross Williams noch nicht saß. Vier Minuten später lagen die Türme 10:4 vorn, wozu Williams die ersten sechs und insgesamt acht Punkte beigesteuert hatte.

Weil sie sich mehr Defensiv-Rebounds sicherten und durch ihre aggressive Verteidigung die Trierer viel weniger zu ihrer Spezialität Drei-Punkte-Würfe kommen ließen, entwickelte sich das Spiel im ersten Abschnitt zugunsten der Hamburger. Einmal gelang es ihnen sogar, den Ball zu erobern, indem sie die Trierer acht Sekunden lang nicht aus deren Hälfte ließen – ein äußerst seltener Turnover. Devon Daniels traf schließlich per Dreier mit dem Viertelende zum 26:19.

Towers müssen längerfristig auf Breunig verzichten

Zsombor Maronka stellte Anfang des zweiten Viertels zur Freude der meisten unter den 3320 Zuschauer:innen mit einem Dreier auf 29:21. Die Wurfquote ließ dann zwar nach, die Trierer fanden ihre Anspiele besser – aber die Gäste trafen nach wie vor ungewöhnlich schlecht aus der Distanz. Nur zwei von zehn Versuchen vor der Halbzeitpause fanden ihr Ziel, die Towers lagen dagegen bei einer vernünftigen Dreierquote von 35 Prozent. Auch daran lag es, dass der Sieben-Punkte-Vorsprung nach dem ersten Viertel auch zur großen Pause (48:41) Bestand hatte.

Her mit dem Ball! Zsombor Maronka gegen den Trierer George King IMAGO/Eibner
Her mit dem Ball! Zsombor Maronka gegen den Trierer George King
Her mit dem Ball! Zsombor Maronka gegen den Trierer George King

Nach der Oberschenkelverletzung von Center Martin Breunig in Trier rückten die Towers als Team weiter zusammen. „Der Ausfall ist bitter, Martin war eine Säule für den Erfolg“, hatte Trainer Benka Barloschky vorab erklärt, Kapitän Benedikt Turudic „mehr Einsatzbereitschaft“ von jedem einzelnen Spieler gefordert.

Williams auf dem Weg zum Punkterekord

Gesagt, getan: Nach einem Defensiv-Rebound von Turudic eröffnete Williams den dritten Abschnitt mit einem Dreier zur erstmaligen Zehn-Punkte-Führung. Das Zusammenspiel der beiden funktionierte jetzt prächtig. Einen Freiwurf von Turudic und einen weiteren Dreier von Williams später stand es 55:41 – und Williams hatte noch nicht genug, steuerte weitere fünf Punkte zum Zwischenstand von 60:43 bei.

Mit nun 24 Zählern hatte der 25-jährige US-Amerikaner seine bisherige Bundesliga-Bestmarke (23 Punkte gegen Ulm) somit bereits nach knapp 23 Spielminuten übertroffen. Inspiriert von Williams, ließ sich LJ Thorpe bei seinem erfolgreichen Dreier auch nicht von einem Foul stoppen – und verwandelte den zusätzlichen Freiwurf zum 66:45. Die Towers zogen davon, waren wie von Coach Barloschky gefordert „schneller, härter, besser“ als im Hinspiel – und als Trier.

Türme überzeugen mit starker Defensive

Barloschky wollte das Momentum auf keinen Fall dem Gegner überlassen. Schon nach einem einfachen Ballverlust und einem Fünf-Punkte-Minilauf der Trierer rief er sein Team zur Auszeit, um die Sinne zu schärfen. „In den letzten Spielen haben wir eine komfortable Führung nicht immer über die Ziellinie gebracht“, begründete Barloschky sein schnelles Eingreifen, das von Erfolg gekrönt war. Vor dem Schlussviertel blieb es bei den 16 Punkten Vorsprung (72:56) der Wilhelmsburger.

Und so etwas lassen sich die Towers im Kalenderjahr 2026 nicht mehr nehmen. Triers mächtiger Center Maik Zirbes brachte mit seinem Dunk noch einmal die Korbanlage der Hamburger kurz ins Wanken, aber welches Team dieses Spiel unbeschadet überstehen würde, war da längst klar. „Zum ersten Mal haben wir eine Führung über die gesamte Zeit gebracht“, freute sich Turudic. Tatsächlich führte Trier nach acht Minuten mit 17:16 und danach nie mehr. Im ganzen Spiel ließen die Türme nur sechs Offensiv-Rebounds der Gäste zu, ein eindrucksvoller Beleg für die starke Defensivarbeit. Niklas Wimberg überzeugte mit acht Rebounds, Turudic und Maronka sammelten jeweils sechs.

Towers treffen nun auf Jena und die Bayern

Am meisten Punkte sammelte natürlich Williams, der seine große Show mit 27 Zählern abschloss. „Wir sind körperlicher aufgetreten als in Trier und haben einfach das Spiel bestimmt“, resümierte Williams: „Wir wussten auch dort schon, worum es geht, aber diesmal haben wir einen besonderen Schwerpunkt auf die Rebounds gelegt.“

Außer Williams punkteten Daniels (15) und Maronka (12) ebenfalls zweistellig, Turudic und der neueste Neuzugang Karl Gamble kamen auf neun Punkte. Dank des 99:85-Erfolgs von Bamberg bei den abstiegsbedrohten Heidelbergern am Samstagabend haben die Hamburger nun drei Siege Vorsprung auf die Abstiegsplätze.

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Für die Towers geht es am Donnerstag mit dem Spiel beim zweiten Aufsteiger Jena weiter. Die Thüringer hatten das Hinspiel in der Inselpark Arena erst vor zwei Wochen mit 84:82 knapp für sich entschieden. Danach kommt es am Sonntag zum Besuch des deutschen Meisters Bayern München in der Barclays Arena.

„Wir haben den neunten Sieg geschafft, jetzt hoffen wir auf den zehnten in Jena“, blickte Kapitän Turudic voraus und demonstrierte Selbstbewusstsein: „Wenn wir unsere Sachen konsequent machen, können wir jeden Gegner der Liga schlagen.“ Im dritten Viertel gegen Trier spielten die Türme so auf, als könnte das sogar stimmen – doch Jena und die Bayern werden dies sicherlich überprüfen.

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