Liebe bis aufs Blut: Sie geben für die Hamburg Towers alles

Die Fanklub-Mitglieder auf dem Spielfeld mit Towers-Geschäftsführer Jan Fischer
Die Fanklub-Mitglieder mit Towers-Geschäftsführer Jan Fischer (2.v.l.)

Vor dem Spiel ist vor dem Spiel: Anderthalb Stunden, bevor die Veolia Towers Hamburg in der Bundesliga gegen Würzburg antreten, versammelt sich ein halbes Dutzend Fans vor der Wilhelmsburger Inselpark-Arena. Die Fanklub-Mitglieder betreten die fast leere Halle, um ihre Unterstützung vorzubereiten.

„Wir trommeln auch für die deutsche Nationalmannschaft, wenn sie in Hamburg oder Berlin spielt“, erzählt Harald Dreyer. Die eigentliche Leidenschaft ist ihm aber deutlich anzusehen. Der 72-Jährige hat das klassische Towers-Logo auf einem Arm tätowiert, die aktuelle Version mit dem Sponsoren Veolia auf dem anderen. Mehr gehe leider nicht, dafür sei sein Blut zu dünn, bedauert er.

Fans der ersten Stunde erlebten Arena-Bau hautnah

Zwei von fünf Trommeln sind auf einem Podestwagen bereits an ihren Platz gefahren worden, die übrigen werden per Hand nachgeliefert. Seine Frau Margit erzählt derweil, wie die beiden zu Fans der ersten Stunde wurden. „Wir haben gegenüber gewohnt und konnten den Bau der Halle während der Internationalen Gartenschau verfolgen“, sagt die 69-Jährige.

Ein Fan stellt Fahnen und Trommeln bereit
Vorbereitung: Zum Spielbeginn müssen Trommeln und Fahnen am richtigen Ort sein.

2013 wurde die Inselpark-Arena eingeweiht, seit 2014 spielen die Türme dort. Zunächst in der Zweiten, seit 2019 in der Ersten Liga.

Die Fanklub-Mitglieder begannen ganz oben

„Wir haben in der obersten Reihe begonnen“, berichtet Margit: „Aber es war schnell klar, dass wir weiter unten sein wollten. Wenn ich Emotionen habe, will ich sie auch rauslassen.“ So griff sie zu Trommel und Tamburin: „Das ist anstrengend, aber macht Spaß. Wir sind der sechste Mann der Towers und geben unsere Emotionen an die Spieler weiter.“

Fanklub-MItglieder posieren auf der Tribüne mit einem Banner
Auf der Galerie: Bernd, Sven, Christoph, Harald, Margit und Daniela hinter ihrem Banner

Noch 70 Minuten bis zum Tip-off. Die Spieler haben begonnen, sich einzuwerfen. „Basketball ist ein sehr intensiver Teamsport“, sagt Sven Bostelmann, der selbst für die Hittfeld Sharks Körbe wirft: „Die Spieler müssen sich sehr eng austauschen, weil jeder von ihnen an jedem Spielzug beteiligt ist. Das ist beim Fußball oft anders.“ Gemeinsam mit Daniela trägt Bostelmann das Fanklub-Transparent zur Balustrade und befestigt es über der Anzeigetafel. „Ich mag die Schnelligkeit des Spiels, es ist die ganze Zeit was los“, sagt Daniela: „Ich hatte immer Interesse an Basketball und dann war da endlich eine Profimannschaft, die man unterstützen konnte.“ Der Towers-Fanklub hat rund 50 Mitglieder, die nicht nur in Wilhelmsburg für Stimmung sorgen wollen – und damit steht für Daniela und Sven die nächste Aufgabe an.

Towers wollen mit 200 Fans nach Berlin fahren

Sie bauen hinter den Sitzplatzreihen einen Tisch auf und werben für die Auswärtsfahrt nach Oldenburg am 15. März. 52 Euro, Eintrittskarte inklusive. „Vierzig müssen wir werden, damit der Bus fährt“, erklärt Daniela. Am besten zwei Wochen vorher, sonst wird es für das Busunternehmen schwierig, einen Fahrer zu stellen.

Am Fan-Tisch wird für die Auswärtsfahrt zu den Baskets Oldenburg geworben.
Am Fan-Tisch wird für die Auswärtsfahrt zu den Baskets Oldenburg geworben.

Noch 37 Minuten. Die Halle mit ihren 3400 Plätzen füllt sich langsam, aus den Boxen dröhnt Chaka Khans „Ain’t noboby loves me better“. Der Fanklub-Vorsitzende Bernd Conrad unterhält sich mit Bostelmann über das Spiel beim elfmaligen Meister Alba Berlin am 9. Februar. „Berlin am Samstagnachmittag bietet sich an“, sagt Conrad: „Aber so ein Glück wie der HSV, der mit 20.000 Fans nach Berlin fährt, haben wir nicht.“ Bostelmann ergänzt: „Über 200 wären wir froh.“

Alles ist etwas kleiner, aber darum nicht weniger leidenschaftlich. Und größer darf es ja werden. Conrad wünscht sich nicht nur neue Fanklub-Mitglieder, sondern auch eine Halle für 6000 bis 7000 Zuschauer. „In der Akustik gibt es noch Potenzial, das würde man in einer neuen Halle lösen können“, ergänzt Christoph Rosenkötter. Doch ob sich für den grundsätzlich geplanten „Elbdome“ in Rothenburgsort Investoren finden, steht in den Sternen.

„Die Leute haben gepusht, so wünschen wir uns das“

Inzwischen heizt der Hallensprecher die Stimmung an, was beim Fanklub überflüssig, beim Rest des Publikums bisweilen nötig scheint. Vor Saisonbeginn haben sich Fanklub und Hallensprecher ausgetauscht, welche Ansagen je nach Spielverlauf am günstigsten sind. „Wir versuchen, gegenseitig das Beste rauszuholen“, sagt Conrad.

Margit und Harald Dreyer trommeln
Es könnte laut werden: Margit und Harald Dreyer geben mit ihrem Fanklub den Ton an bei den Towers.

Das Spiel beginnt schlecht. Würzburg führt mit 16 Punkten und lässt manchen Zuschauer verstummen. Der Fanklub trommelt ungerührt weiter – und bald finden auch die Spieler ihren Rhythmus. 3,7 Sekunden vor Schluss liegen die Türme mit 68:66 vorn, doch der Gegner könnte mit zwei Freiwürfen noch eine Verlängerung erzwingen. Der Würzburger Jhivvan Jackson muss direkt vor den Towers-Trommeln werfen, die so laut sind wie selten – und scheitert!

Towers-Startspieler Kenneth Ogbe strebt dem Würzburger Korb entgegen.
Towers-Startspieler Kenneth Ogbe strebt dem Würzburger Korb entgegen.

„Eine schöne Hausnummer“, freut sich Harald Dreyer. „Super, ich hab’s nicht mehr geglaubt“, atmet Margit auf. „Die Stimmung war da, die Leute haben gepusht“, bilanziert Rosenkötter: „So wünschen wir uns das.“ Dann wird mit den Spielern abgeschlagen und die Fan-Utensilien werden wieder in der Halle verstaut. Am Samstag geht es gegen Göttingen weiter, dann auch wieder mit einem Werbetisch für den Ausflug nach Oldenburg.