Zacharie Perrin war der beste Werfer der Hamburg Towers.

Zacharie Perrin war der beste Werfer der Hamburg Towers. Foto: imago/Beautiful Sports

Hamburg Towers verlieren historisches Spiel – aber mit kleinem Hoffnungsschimmer

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Politisch war es ein wichtiger und würdiger Auftritt der Hamburg Towers, sportlich wurde die alte Leier angestimmt: Das 76:86 (40:48) bei Hapoel Jerusalem war die saisonübergreifend 24. Niederlage in Folge – die trat aber vor dem Umstand in den Hintergrund, dass sie nach langer Zeit das erste europäische Sportteam waren, das in dem von nicht allen gelobten Land seine Aufwartung machte.

Und 30 der 40 Minuten lang taten die Hamburger ihr Bestes, um dem stimmungsvollen Hapoel-Anhang in Ungewissheit zu lassen, ob ihre Lieblinge den Eurocup-Tabellenletzten wirklich bezwingen würden. Wie schon beim letzten internationalen Auftritt in Manresa am Freitag übernahm Zacharie Perrin die ersten drei Körbe der Towers, Niklas Wimberg sorgte dann sogar für die 9:8-Führung, die jedoch ein Unikat bleiben sollte.

Jerusalem setzte sich ab, aber lange nicht so, als dass die Towers chancenlos gewesen wären. Acht Punkte Rückstand zur Pause, das wäre auch ohne den Rucksack voller Niederlagen kein schönes, aber ein durchaus normales Halbzeitergebnis beim israelischen Spitzenteam gewesen. Und als Martin Breunig nach 27 Minuten mit einem Dreier auf 53:57 verkürzte, schienen sich die Türme sogar das Momentum zu schnappen.

Towers-Dreierquote unter 16 Prozent

Doch Breunigs starker Fernversuch blieb die Ausnahme unter den Distanzwürfen, insgesamt verwandelten die Wilhelmsburger nur 15,8 Prozent ihrer Dreier-Versuche (Jerusalem: 35,6 Prozent) – ein weiteres Mal ein nicht konkurrenzfähiger Wert. Auch der jüngste Zugang Ross Williams, eigentlich ein Distanz-Experte, sammelte nach sechs Fehlwürfen erst zwölf Sekunden vor Schluss seinen ersten Dreier, als Jerusalems Abwehr schon abgeschaltet hatte.

Auch aufgrund dieser Hamburger Schwäche konnte sich das Publikum im letzten Viertel entspannen und gewiss sein, dass das historische Spiel auch ein erfolgreiches sein würde. Es war die erste internationale Sportgroßveranstaltung in Israel seit mehr als zwei Jahren. Nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 und dem nachfolgenden Krieg im Gazastreifen fanden Heimspiele israelischer Teams zumeist in Südosteuropa statt.

Jerusalem spielte in der Nähe von Tel Aviv

Für Hapoel war es dennoch keine vollständige Rückkehr nach Hause, aufgrund der kurzfristigen Entscheidung der Veranstalter musste das Team aus Jerusalem nach Holon in der Nähe von Tel Aviv ausweichen. „Die Situation ist nicht alltäglich“, hatte Towers-Trainer Benka Barloschky im Vorfeld erklärt, „aber ich freue mich für die Menschen vor Ort, dass sie dort wieder für ein Sportereignis in die Halle können“.

So begrüßenswert die Austragung zumindest in der eigenen Nachbarschaft auch ist – für die Towers war die erst Ende November durchgewunkene Premiere nicht nur sportlich ein Ritt, sondern auch organisatorisch. Erst am Freitag wurde das Hotel gebucht, im Vertrauen auf rechtzeitig erteilte Visa, die am Sonntag vollständig vorhanden waren. Am Montag setzte sich das Team dann in den Flieger – viel Zeit, die dramatische Bundesliga-Niederlage in Vechta zu verarbeiten, hatten Benedikt Turudic und Co. nicht.

Perrin und Daniels erfolgreichste Hamburger

Dennoch zeigten die drei jüngsten Auftritte, dass die Towers – inklusive der Neuzugänge – langsam zu sich und zu einem eigenen Stil finden könnten. Die allgemeine Verunsicherung, die vor Wochen noch zu dramatischen Einbrüchen geführt hatte, scheint verflogen – ein kleiner Hoffnungsschimmer. „Wir haben unser Bestes gegeben und hatten Jerusalem zeitweise am Rand einer Niederlage“, resümierte Barloschky und betonte: „Das war nicht das Spiel, das wir gewinnen müssen.“ Gegen Jerusalem waren Perrin und Devon Daniels mit je 16 Punkten die erfolgreichsten Werfer, Perrin überzeugte auch mit acht Rebounds. Williams arbeitete sich mit sicheren Freiwürfen auf 13 Punkte hoch.

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Auch auf die Towers wartet nun ein besonderes Heimspiel: Gegen Alba Berlin ziehen die Wilhelmsburger am Sonntag (18 Uhr) zum ersten Mal in dieser Saison vom heimischen Inselpark in die weit größere Barclays Arena um. Dann wird auch Kenneth Ogbe wieder mit von der Partie sein, der wegen einer leichten Blessur am Hüftbeuger auf die Reise nach tel Aviv verzichtete. Bleibt zu hoffen, dass die Kulisse den Türmen so sehr den Rücken stärkt, dass die Negativserie von 24 Niederlagen in Folge ein Ende findet.

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