Ross Williams bejubelt den Sieg der Hamburg Towers

Ross Williams bejubelt den Towers-Sieg über Braunschweig. Foto: WITTERS

„Fuck Donald Trump“: Politischer Zwischenfall bei wichtigem Sieg der Hamburg Towers

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Am Sonntagnachmittag bekamen die 3400 Zuschauer in der ausverkauften Inselpark Arena die Definition eines Kampfsieges zu sehen. In einer hitzigen Partie, in der auf dem Platz deutlich wurde, worum es ging, erkämpften sich die Veolia Towers Hamburg gegen die neu aufgestellten Basketball Löwen Braunschweig mit 95:85 (52:51) den Sieg. Neben dem intensiven Spiel wurde es in der Halbzeit dann auch noch politisch. US-Präsident Donald Trump wurde ein Thema.

Die Vorbereitung auf das wohl wichtigste Spiel der aktuellen Phase war für die Wilhelmsburger keineswegs einfach. „Braunschweig ist in ihrer aktuellen Konstellation eine absolute Blackbox“, sagte Towers-Trainer Benka Barloschky vor der Partie. Anders als bei den Türmen, bei denen Barloschky nach 24 Niederlagen in Serie weiterhin an der Seitenlinie stehen durfte, trennten sich die Braunschweiger, die auf dem letzten Tabellenplatz standen, nach sechs sieglosen Spielen von ihrem Trainer Kostas Papazoglou. Für ihn übernahm am Dienstag Liviu Calin, der unter anderem Weltstar und Klubchef Dennis Schröder entdeckte und förderte. „Ich hasse solche Spiele nach einem Trainerwechsel. Das ist immer sehr schwer einzuschätzen“, sagte auch Martin Breunig nach der Partie.

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Das Hinspiel verloren die Towers noch mit 85:73. „Wir waren mitten im Umbruch und einfach nicht stabil genug, um dem Druck eines Bundesligaspiels standzuhalten. Das ist jetzt anders“, schätzte Barloschky mit Blick auf die Neuauflage des Nordduells ein.

Schiedsrichter im Fokus beim Sieg der Hamburg Towers

Zu Beginn war den Towers vom Druck der wegweisenden Partie zumindest nichts anzumerken. Die ersten drei Dreier verwandelten Ross Williams (2) und Osaro Rich (1). Zum Problem wurden eher die vermeintlich einfachen Würfe aus dem Spiel. Von den ersten zehn Versuchen aus kurzer Distanz trafen die Türme nur einen. Das sollte nicht die einzige bittere Nachricht der Anfangsphase bleiben. Bereits nach knapp sechs Minuten musste Zacharie Perrin angeschlagen von der Platte. Er wurde mit Verdacht auf Mittelhandbruch bereits während des Spiels ins Krankenhaus gebracht.

Beim Stand von 22:31 für die Gäste blieb das Duell hitzig. Nach 17 Minuten sammelten mit Martin Breunig und Benedikt Turudic gleich zwei Türme bereits vier persönliche Fouls. Durch diese Intensität fanden die Towers scheinbar in die Partie. Anschließend riss Devon Daniels das Spiel an sich und traf in unter zwei Minuten viermal für zwei Punkte. Erstmals gingen die Towers durch einen Dunking von Devon Daniels (17.) mit 37:35 in Führung. Bei einem Zwischenstand von 52:51 für die Gastgeber und nach zahlreichen strittigen Entscheidungen schickten die Towers-Fans das Schiedsrichtergespann mit Pfiffen in die Pause. Breunig wollte nach dem Spiel „keinen Kommentar“ zu den Offiziellen geben.

Rapper Dazzit wird in der Halbzeitshow politisch

Als „die wahre Halbzeitshow“ des Tages wurde anschließend Rapper Dazzit als Hamburger Newcomer vorgestellt. Für Aufsehen sorgte dessen Auftritt vor allem durch seine Botschaft zwischen seinen zwei vorgestellten Songs. „Fuck ICE. Fuck Donald Trump“, äußerte er sich, und setzte damit, wie schon viele andere Künstler, ein klares Zeichen gegen die aktuelle politische Lage in den USA, wo in der Nacht auf Montag der Super Bowl ansteht. Mit zurückhaltendem Applaus reagierte das Publikum auf das politische Statement des Rappers. „Ich bin ehrlich gesagt nicht so politisch, darum kann ich dazu nichts sagen“, sagte Daniels zu der Szene nach dem Sieg.

78:77 stand es zehn Minuten vor Schluss – es blieb spannend. Die Towers machten es sich über das gesamte Spiel selbst schwer und vergaben 14 von 39 Freiwürfen. Auch dadurch blieben die Löwen auf der Anzeigetafel immer in der Nähe. Nach einer chaotischen Endphase waren es die Türme, die ein wenig mehr Ruhe bewahrten – und das Kellerduell mit 95:85 für sich entschieden. Wichtigster Mann bei den Türmen war wieder einmal Devon Daniels mit 29 Punkten und neun Rebounds.

Devon Daniels überzeugte für die Towers im Spiel gegen Braunschweig – unter anderem durch spektakuläre Körbe. WITTERS
Devon Daniels setzt zum Dunking an
Devon Daniels überzeugte für die Towers im Spiel gegen Braunschweig – unter anderem durch spektakuläre Körbe.

„Wir packen Hamburg wieder auf die Karte“ aus Beginners „Ahnma“ hallte es nach Abpfiff durch die Arena. Eine Zeile, die besser kaum zur aktuellen Situation passen könnte. Mit dem wichtigen Sieg gegen den direkten Konkurrenten verschafften sich die Türme weiter Luft im Abstiegskampf – und stehen absolut wieder auf der Karte von Basketball-Deutschland.

Towers-Coach Barloschky: „Das war wirklich absurd“

„Ich glaube, ich war noch nie Teil eines Spiels mit so vielen Schwierigkeiten“, zeigte sich Martin Breunig nach dem Spiel erleichtert. „Ich glaube mehr Widrigkeiten als das heute kann es in einem Basketballspiel nicht geben. Das war wirklich absurd, was da teilweise passiert ist“, sagte auch Barloschky mit Blick auf die Verletzung von Perrin, die strittigen Schiedsrichter-Entscheidungen und die früh vorbelasteten Big-Men Breunig und Turudic – die die zweite Halbzeit jeweils ohne weiteres Foul überstanden. Auch das war eine „Team-Arbeit“, wie Breunig anschließend verriet.

Auch Barloschky, der mit LJ Thorpe, Ross Williams, Devon Daniels Lincoln Rosebush gleich vier US-Amerikaner in seinen Reihen hat, äußerte sich nach dem Spiel zurückhaltend zur politischen Lage im Heimatland vieler seiner Spieler. „Das ist bei uns in der Mannschaft nicht wirklich Thema.“ Ein Thema hingegen sei der anstehende Super Bowl, auf den sich speziell seine US-amerikanischen Spieler freuen würden. Es sei eine Watchparty geplant – das Training soll dennoch morgen wie geplant stattfinden.

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Nach der langen Super-Bowl-Nacht geht es für die Towers bereits am Mittwoch weiter. Dort treffen sie um 19.30 Uhr im letzten EuroCup-Spiel der Saison auf Bàsquet Manresa. In der Bundesliga folgt am Samstag um 20.00 Uhr gegen die Telekom Baskets Bonn, derzeit Tabellendritter, eine echte Mammutaufgabe.

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