„Meine Schuld“: Towers-Topscorer selbstkritisch nach Keller-Niederlage gegen Jena
Zwei Tage nach der schmerzhaften Niederlage gegen die MHP Riesen Ludwigsburg (67:75) mussten sich die Veolia Towers Hamburg gegen Science City Jena in einer packenden Schlussphase mit 82:84 geschlagen geben. Nach einem furiosen Start der Thüringer kämpfte sich die Mannschaft von Trainer Benka Barloschky wieder heran und konnte in Schlagdistanz bleiben. 2235 Zuschauer sahen am Familienspieltag der Towers zwar eine fulminante Aufholjagd der Wilhelmsburger, doch am Ende waren es die Thüringer, die den längeren Atem behielten und sich mit 82:84 (44:50) durchsetzen konnten. Entsprechend angespannt war die Stimmung nach Abpfiff bei den Türmen.
Towers-Trainer Barloschky warnte bereits nach dem Spiel gegen Ludwigsburg vor Jena und bezeichnete die Aufgabe als „sehr gefährlich“. Der Druck für die Hamburger war nicht nur aufgrund des Duells gegen einen direkten Tabellennachbarn hoch. Durch den überraschenden Sieg von Heidelberg (sechs Siege) gegen Trier am Montagabend waren sie den Towers (sieben Siege) dicht auf den Fersen. Jena hingegen reiste mit vier Niederlagen in Folge und einem schwachen Punktschnitt von 66 Punkten aus den letzten drei Partien an. Die Vorzeichen standen also eher auf Kellerduell, doch beide Mannschaften bewiesen im Verlauf des Spiels das Gegenteil.
Towers verschlafen die Anfangsphase
Wie schon in Ludwigsburg kamen die Türme zunächst schlecht ins Spiel und starteten mit einem 0:8-Lauf. Mithilfe der lautstarken Fans kamen die Towers zumindest in der Offensive langsam ins Spiel. Doch die Defensive war es, in der wenig bis gar nichts funktionierte. Die sonst so schwachen Werfer aus Thüringen überzeugten im ersten Viertel mit einer starken Zweier-Quote von 92 Prozent (zwölf Versuche). Mitte des ersten Viertels kam dann Neuzugang Karl Gamble erstmals in den Genuss der heimischen Kulisse im Inselpark. Mit einem unerwartet hohen Scoring liefen die Türme – wie auch schon in Ludwigsburg – nach den ersten zehn Minuten einem Zwölf-Punkte Rückstand (22:34) hinterher.

Im zweiten Viertel machte speziell Martin Breunig den Eindruck, keinen Bock aufs Verlieren zu haben. Er ging voran und bescherte den Towers sieben Punkte in einer Minute. Durch seinen sehenswerten Dreier sowie einen spektakulären Dunking brachte er zudem Feuer in die Halle. Zur Halbzeit kamen die Türme bis auf sechs Punkte ran (44:50). Von der Zweier-Schwäche der Gäste nach wie vor keine Spur (93 Prozent).
Towers drehen das Spiel – Jena lässt nicht nach
In der Pause scheint Coach Barloschky die richtigen Worte gefunden zu haben. Mit frischer Kraft holten sie erstmals bis zum 55:55-Gleichstand auf. Kurz darauf brachten Martin Breunig und Devon Daniels die Gastgeber durch ihre Dreier nach 28 Minuten zur ersten Führung des Spiels. Das merkte man den Gästen an, die immer unsicherer wirkten und plötzlich auch die Zweier nicht mehr trafen. Die Towers hingegen blühten weiter auf, rissen das Publikum mit, und erspielten sich im dritten Viertel eine 68:63-Führung.

In den letzten zehn Minuten wurde es dann aber bitter für die Towers. Der zwischenzeitliche Sieben-Punkte-Vorsprung war im Handumdrehen verspielt. Zu schwach waren die Türme offensiv wie defensiv. Noch eine Minute zeigte die Anzeigetafel an, da führte Jena wieder mit drei Zählern. Auch Freiwürfe brachten die Gastgeber kurz vor Schluss nicht im Korb unter. Doch die Geschichte war noch nicht zu Ende erzählt. Zehn Sekunden zu gehen. Towers-Ballbesitz, nur zwei Punkte Rückstand. Aber die Türme verstolperten den Angriff leichtfertig.
So dicht können die Gefühle im Basketball beieinanderliegen. Erst Comeback-Stimmung, dann die bittere Niederlage. 82:84 hieß es am Ende. Damit zieht Jena an den Türmen vorbei und verdrängt sie auf den 15. Rang. Towers-Topscorer wurde, wie schon am Wochenende in Wilhelmsburg, Martin Breunig (16).
Barloschky: „Dürfen dieses Spiel nie im Leben verlieren“
Trotz dieser kleinen Auszeichnung zog der Topscorer nach dem Spiel ein selbstkritisches Fazit. „Es ist natürlich bitter. Wir haben uns zurückgekämpft, haben einen sehr guten Job gemacht. Ich muss ganz ehrlich sagen, es war teilweise meine Schuld im vierten Viertel. Ich bin an den Leuten vorbeigeflogen, was überhaupt nicht mein Job ist“, sagte Breunig sichtlich frustriert nach dem Spiel. „Wir hätten es einfach in die Tasche stecken sollen.“
Zumindest einen kleinen Lerneffekt nahm Breunig aus dem Spiel mit: „Wir lernen auf jeden Fall daraus, dass wir das Spiel nicht aufgeben können. Dass wir nach dem Rückstand noch mal wiederkommen, das Ding sogar noch drehen, das können nicht viele von sich behaupten.“ Auch Coach Barloschky zeigte sich frustriert: „Meines Erachtens dürfen wir dieses Spiel nie im Leben verlieren. Es ist das gleiche wie in Ludwigsburg. In beiden Spielen graben wir uns zu Anfang ein Riesenloch. Wenn wir uns das nicht graben, gewinnen wir das Spiel in einer kontrollierten Art und Weise. Wir waren über weite Strecken heute die bessere Mannschaft.“
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Schon am Freitag (20 Uhr) haben die Towers die nächste Gelegenheit, es gegen ein weiteres Kellerkind besser zu machen. Dann reist Heidelberg als Gast in die Inselpark Arena – mit nur einem Sieg weniger auf dem Konto als die Towers. Langsam ist das Team von Barloschky also wieder richtig in Zugzwang.
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