60 Sekunden fehlen! Hamburg Towers verspielen ersten Sieg der Saison
Die Erlösung schien zum Greifen nahe. Trotzdem mussten sich die Veolia Towers Hamburg letztlich auch am siebten Spieltag der Bundesliga gegen die MHP Riesen Ludwigsburg geschlagen geben. Das 84:88 besiegelte die sechzehnte Saisonniederlage in Folge. Die absurde Wahrheit ist jedoch: Der Auftritt der Türme war ein kleiner Erfolg für sich und könnte beinahe zum Jubeln verleiten.
Hamburg befindet sich in einer Phase des Neuanfangs. Der jüngste Zugang Devon Daniels hatte trotz Niederlage bei seinem Debüt im Eurocup (73:93) gegen Olimpija Ljubljana ein wenig Hoffnung entfacht. Die Türme steckten fest, doch er brachte neuen Schwung rein. Im Duell gegen den Tabellensechsten war er zwar deutlich weniger auffällig, trotzdem lebte der Funke, den der US-Amerikaner entzündet hatte, sichtlich weiter.
Starke Anfangsphase der Türme – mit vielen Dreiern
So auch in der Anfangsphase am Samstagnachmittag, in der die Towers trotz kurzzeitigem Rückstand über weite Strecken in Führung blieben. Besonders aufgrund der überzeugenden Bilanz von der Drei-Punkte-Linie: Fünf der sieben Versuche wurden erfolgreich versenkt (zumal einer der vergebenen nur eine Verzweiflungstat aus weiter Entfernung kurz vor Abpfiff war). Eine Quote, die sich durchaus sehen lassen kann – gerade als Tabellenschlusslicht. Deswegen beendeten die Gastgeber das erste Viertel verdient mit einer 26:24-Führung.

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Von veränderten Towers zu sprechen, wäre wohl zu weit gegriffen, doch dem Team, das sich auf dem Court präsentierte, war die aktuelle Pleitenserie kaum anzumerken. Und das gegen einen Gegner, der erst zwei BBL-Niederlagen in der laufenden Spielzeit hatte einstecken müssen. Auch in den zweiten zehn Minuten zeigte die Mannschaft von Trainer Benka Barloschky eine souveräne Leistung. Sie ließen sich nicht von dem gesteigerten Niveau der Ludwigsburger einschüchtern, sondern lagen immer wieder vorn – ohne aber je davonzuziehen.
45:44-Führung zur Halbzeit entfacht Hoffnung
Trotzdem versetzten die Türme ihre 3322 Fans mit einem 45:44-Halbzeitstand in eine hoffnungsvolle Stimmung. Auch Coach Barloschky war sicher erfreut darüber, seine Jungs in der Kabinenansprache zur Abwechslung mal wieder loben zu können. Die Atmosphäre in der Inselpark Arena zeigte gleichzeitig: Auch die Anhänger waren stolz auf den Auftritt ihres Vereins – komme, was wolle. An der treuen Unterstützung mangelte es in Wilhelmsburg also schonmal nicht.
Diese Loyalität wurde allerdings im dritten Viertel schon wieder auf die Probe gestellt – wie eigentlich in der gesamten Saison. Ganze vier Minuten lang gelang den Towers kein einziger Punkt. Obwohl sie es immerhin parallel schafften, auch die Gäste weitestgehend vom Scoren abzuhalten. Zwei erfolgreiche Freiwürfe von Kenneth Ogbe, der mit insgesamt 30 Punkten ohnehin einen irren Auftritt hinlegte, lösten die kurze Flaute schließlich auf. Danach ging es ebenso auf Augenhöhe weiter, wie der Nachmittag angefangen hatte. Die Türme waren so nah an der Erlösung, wie schon lange nicht mehr. Und das, obwohl sie zum letzten Viertel mit 61:68 zurücklagen.
Towers müssen Aufholjagd im Inselpark einstecken
In der Schlussphase zeigte sich jedoch, dass Ludwigsburg nicht von Ogbe allein geschlagen werden konnte. Während der 31-Jährige weiterhin ein starkes Spiel machte, trafen seine Teamkollegen nur recht spärlich. Jean-Pierre Tokoto war mit bloß zwölf Punkten der zweitbeste Scorer auf Seiten der Hanseaten. Trotzdem prahlt Ogbe nach der Partie keineswegs über seine Leistung. Im Gegenteil: „Ich bin ein sehr selbstkritischer Mensch, deswegen kann ich mich an zwei, drei Sachen erinnern, die mich heute Abend wachhalten werden“, gab er zu.
Doch sein Team stand nicht ohne Grund so kurz vor dem ersten Sieg seit April. Sie arbeiteten erbittert, bemühten sich um jeden Ball und versuchten, ihre individuellen Schwächen mit kämpferischer Moral wettzumachen. Als Daniels zweieinhalb Minuten vor Ende zum 78:80 traf, tobte die Arena. Die Befreiung lag förmlich schon in der stickigen Sporthallen-Luft.
Ausgerechnet der Hoffnungsträger verpasst
Nur noch 60 Sekunden waren auf der Uhr und der Abstand von den Towers zu den Riesen lag bei einem einzigen Punkt. Die Spannung hätte nicht größer sein können. Es lief der vermeintlich entscheidende Angriff der Türme. Davies setzte zum Korbleger an – die Möglichkeit, in Führung zu gehen. Doch ausgerechnet der hochgelobte Hoffnungsträger traf nur den Rand. Einen kleinen Erfolgsmoment bescherte immerhin Niklas Wimberg, der im darauffolgenden Angriff von kurz hinter der Mittellinie einen Dreier versenkte.
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Letztlich reichte jedoch alles nicht und das Schlusssignal verkündete die sechzehnte Pleite der Hamburg Towers. Die Leistung der Mannschaft ist trotzdem wie ein kleiner Grund zur Freude. Nicht aber für Barloschky, dessen Position als Cheftrainer mittlerweile längst umstritten ist. „Es ist wirklich schwer, jetzt gerade über Zufriedenheit zu sprechen, weil wir am Ende verloren haben“, stellte er nach Abpfiff ernüchtert fest. „Wir haben uns in die Situation gebracht, ein Spiel gewinnen zu können“, lobte er kurz, „aber dass wir das jetzt nicht geschafft haben, tut natürlich mega weh.“ Auf das Positive in der Partie könne er sich erst morgen konzentrieren. Jetzt wird aber erst einmal runtergefahren und während der Spielpause ausgeruht, bevor am 5. Dezember die nächste Eurocup-Partie gegen Bàsquet Manresa (20.45 Uhr) wartet.
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