Sportmix
„Zwischen 6 Uhr und 6.18 Uhr Geschlechtsverkehr“: Kati Witt beim Sex ausspioniert
Die Stasi beobachtete Katarina Witt bereits als Kind. Später reichte die Überwachung bis in ihr Liebesleben.
Auf dem Eis kam es für Katarina Witt oft auf Sekunden an. Doch eine Zeitangabe aus ihrer Stasi-Akte hat mit sportlichen Höchstleistungen nichts zu tun.
„Zwischen 6 Uhr und 6.18 Uhr kam es zum Geschlechtsverkehr …“, heißt es laut einem Bericht der „Sport Bild“ in einem Vermerk der DDR-Staatssicherheit. Ein intimer Moment aus Witts Privatleben wurde darin mit Anfangs- und Endzeit dokumentiert.
Stasi protokollierte das Sex-Leben von Kati Witt
Wie die Staatssicherheit an die Information gelangte, geht aus dem veröffentlichten Bericht nicht hervor. Auch zur beteiligten Person und zu den näheren Umständen werden keine Angaben gemacht.
Der Eintrag zeigt jedoch, wie weit die Überwachung der späteren Doppel-Olympiasiegerin ging. Die Stasi interessierte sich nicht nur für Witts sportliche Entwicklung, ihre Auslandsreisen und ihre politische Haltung. Auch ihr Liebes- und Sexualleben wurde protokolliert.
Schon als Siebenjährige im Visier der Stasi
Die Beobachtung begann früh. Auf ihrer Internetseite schreibt Witt, dass sie bereits als siebenjährige Eislaufschülerin ins Visier der Staatssicherheit geraten sei. Unter der Bezeichnung „OV Flop“ wurde ein sogenannter Operativer Vorgang angelegt.
Im Laufe der Jahre kamen mehr als 3000 Seiten zusammen. Witt bezeichnete die „Überwachung und Nachstellung bis ins Privateste“ später als Kehrseite der Möglichkeiten, die ihr der DDR-Leistungssport geboten habe.
Kati Witt „bis unter die Bettkante verfolgt“
Sportkommentator Daniel Weiss beschrieb das Ausmaß der Kontrolle in der ARD-Dokumentation „Being Katarina Witt“ so: „Man wollte absolut sicher gehen, dass da alles mit rechten Dingen zugeht. Deswegen hat man sie bis unter die Bettkante verfolgt.“
Witt ließ ihre Unterlagen nach der Wiedervereinigung kopieren und legte sie zunächst beiseite. 2015 sagte sie dem „Stern“: „Seit ich acht bin, wurde ich ja ständig beobachtet. Im Grunde ist die Akte ein Tagebuch meines Lebens.“
DDR-System greift ins Liebesleben ein
Insgesamt soll die Sammlung 27 Ordner umfassen.
Die Staatssicherheit beschränkte sich offenbar nicht auf die Beobachtung. Als Witts erste Beziehung aus Sicht der Verantwortlichen ihre sportliche Karriere gefährdete, griff das DDR-System ein.
Ihre erste große Liebe wurde zur Staatsangelegenheit
Ihr damaliger Freund Ingo Politz, Schlagzeuger und späterer Musikproduzent, wurde zum Wehrdienst an einen weit entfernten Standort geschickt. Gemeinsame Wochenenden waren dadurch kaum noch möglich. Die Beziehung zerbrach.
In der ARD-Dokumentation sprach Witt rückblickend von „großem Herzschmerz“. In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagte sie 2024 über die damalige Zeit: „Als ich verliebt war, sprang ich wohl lieber mal ins Bett, statt einen Dreifachsprung.“
Heute schützt Witt ihr Privatleben
Nach Witts Darstellung habe die Wut über die Trennung zusätzliche sportliche Energie freigesetzt. Jahrzehnte später fasste sie das mit den Worten zusammen: „Man hat mich zu meinem Glück gezwungen.“
Über ihr heutiges Liebesleben spricht die inzwischen 60-Jährige nur selten. In einer NDR-Dokumentation erklärte sie: „Je mehr andere ihre Tür ins Private öffnen – durch soziale Medien geht das mehr denn je – desto mehr ziehe ich mich in mein Schneckenhaus zurück.“
Beziehungsstatus von Kati Witt ist unbekannt
Dieses Schneckenhaus sei für sie eine Festung, geschützt von ihrer Familie und engen Freunden.
Ob Witt derzeit in einer Beziehung lebt, ist nicht bekannt. Auch in einem Interview mit der „Bunten“ äußerte sie sich zwar grundsätzlich über Liebe und persönliche Nähe, ließ ihren eigenen Beziehungsstatus aber offen.
„Liebe sollte fernab von jeglicher Leistung sein“, sagte sie dort.
Beim „Playboy“ bestimmte Witt selbst die Bedingungen
1998 ließ sich Katarina Witt für den „Playboy“ fotografieren. Anders als bei der Überwachung durch die Staatssicherheit entschied sie dabei selbst über Zeitpunkt, Aufnahmen und Veröffentlichung.
Das Magazin hatte nach ihren späteren Angaben rund zehn Jahre lang um sie geworben. Die weltweiten Veröffentlichungsrechte sollen dem amerikanischen „Playboy“ schließlich eine siebenstellige Summe wert gewesen sein.
„Playboy“ mit Kati Witt wurde zu riesigem Erfolg
Witt sagte dazu später: „Und wenn man sein Fell schon zu Markte trägt, muss es sich lohnen.“
Die Dezember-Ausgabe von 1998 wurde zu einem der größten Erfolge des Magazins. Der deutsche „Playboy“ bezeichnet das Heft bis heute als „Rekord-Cover“ und als eine seiner erfolgreichsten Ausgaben.
Bei der Stasi hatte Witt keinerlei Kontrolle
Für Witt bestand zwischen dem freiwilligen Shooting und den Stasi-Protokollen ein grundlegender Unterschied: Beim „Playboy“ entschied sie selbst, was öffentlich wurde. Bei der Staatssicherheit hatte sie diese Kontrolle nicht.
Der minutengenaue Vermerk über eine sexuelle Begegnung steht deshalb vor allem für das Ausmaß der staatlichen Überwachung, der die Sportlerin in der DDR ausgesetzt war.
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