Sportmix

Von Elmshorn auf den EM-Thron? Nordlicht nach besonderem Coup Gold-Kandidat

Johannes Liebmann klatscht am Beckenrand nach dem Sieg über 800 Meter Freistil in Stockholm ab.
Plötzlich ein Idol für die Kleinen: Johannes Liebmann lässt sich nach seinem Europarekord in Stockholm feiern.

Johannes Liebmann (19) ist seit April Europarekordler über 800 Meter Freistil. Im August krault er bei den Europameisterschaften in Paris um Gold. Was er vor den Wettkämpfen kritisiert.

In Paris springt Johannes Liebmann als Mitfavorit ins Becken. Der ehemalige Elmshorner krault bei der Schwimm-Europameisterschaft um Medaillen mit.

„Ein bisschen überrascht war ich schon“, sagt Liebmann: „Es ist jetzt mehr zu tun, als ich gedacht hätte.“ Das betrifft nicht die Trainingszeiten im Becken, sondern das Drumherum wie etwa Medienanfragen, denn seit dem 12. April ist die Aufmerksamkeit massiv gestiegen. Da schwamm der 19-Jährige in Stockholm die 800 Meter Freistil in 7:37,94 Minuten – schneller als je ein Europäer zuvor. Und deshalb interessiert sich jetzt mindestens halb Schwimm-Europa für den Teenager, der in Eckernförde zur Welt kam und vom Elmshorner MTV den Weg an die Spitze nahm.

Liebmann hat parallel zur EM-Vorbereitung das Abitur gemacht

2023 war das, als Liebmann vom Badepark Elmshorn ins Magdeburger Sportinternat aufbrach – ins Mekka der deutschen Schwimmer, die dort von Bernd Berkhahn trainiert werden, auch er einst in Elmshorn tätig. Seitdem ist Liebmann permanent mit der nationalen Elite konfrontiert, allen voran 400-Meter-Olympiasieger Lukas Märtens.

„Es gibt sehr viel Erfahrung und gleichzeitig Konkurrenz hier“, berichtet Liebmann: „Damit habe ich jeden Tag ein Vergleichsniveau, das mich noch mal auf ein anderes Level bringt.“ Inzwischen auf das Level eines Europarekordlers, der im Frühjahr auch außerhalb des Beckens gepunktet hat. Parallel zur Vorbereitung auf Paris baute er sein Abi­tur mit den Leistungskursen Sport und Mathematik. „Da habe ich vom Wettkampfmodus auf den Prüfungsmodus umgestellt“, schildert Liebmann: „Es lief gut, ich bin den Umständen entsprechend zufrieden.“

Johannes Liebmann schwimmt beim Malmsten Swim Open in Stockholm zum 800-Meter-Freistilsieg.
Johannes Liebmann schwamm in Stockholm Europarekord. Die größte Konkurrenz in Paris kommt aus dem eigenen Land.

Auch wenn Wissensprüfung und Sportwettkampf für ihn unterschiedliche Dinge sind, eines steht fest: Der nächste große Test findet in Paris statt. „Ich möchte das Bestmögliche herausholen“, gibt Liebmann sich zurückhaltend: „Natürlich ist mein Ziel, möglichst weit vorn mitzuschwimmen und um eine Medaille zu kämpfen. Dafür muss an dem Tag aber einfach viel zusammenpassen.“

Liebmann setzt bei der EM auf die längeren Strecken 

Er hat drei Gelegenheiten dazu und startet zwischen dem 11. und 16. August im freien Stil über die 400, 800 und 1500 Meter. Die längeren Strecken scheinen aussichtsreicher: Zum einen startet Topstar Märtens diesmal nur über 200 und 400 Meter und lässt die 800 Meter aus.

Die WochenMOPO 31/2026

Drei Ausgaben einer Wochenzeitung auf rotem Hintergrund, mittig mit großem Titelbild und Schlagzeilen.

Die WochenMOPO – ab Freitag neu und überall, wo es Zeitungen gibt!

CSD: Wie Hamburger den Hass gegen queere Menschen erleben

Na dann: Prost! Fünf Biergärten für Top-Wetter

16 Seiten Sport mit St.-Pauli-Poster: Mit diesem Team gehen die Kiezkicker ins Rennen

Jede Woche mit 40 Seiten Rätsel und Kultur: Hamburg feiert seine Braukunst

Zum anderen findet der Vorlauf über 400 Meter rund zwölf Stunden nach dem Finale über 1500 Meter statt, in dem Liebmann hoffentlich Grund zum Auspowern hat. „Das ist schon ein Brett“, findet Liebmann, der das Schwimmen mit fünfeinhalb Jahren begonnen hat. „Erst mal wollte ich nur die Abzeichen machen, aber es hat so viel Spaß gemacht. Und dann wurde ich immer besser.“

Liebmann wünscht sich mehr Medienpräsenz für das Schwimmen

Was inzwischen auch in Magdeburg bekannt ist. „Ich habe mir einen eigenen Namen verschafft, das finde ich ganz gut“, sagt Liebmann, der sich das, was er selbst gerade erlebt, auch für seinen Sport in Gänze wünscht: eine stärkere Medienpräsenz. „Da wird noch ein bisschen geschlafen“, kritisiert der Kraulschwimmer und argumentiert: „Mehr Aufmerksamkeit würde den Sportlern helfen, eine Karriere aufzubauen oder auch den Abschluss einer Karriere zu schaffen.“

Ein Abschluss der Karriere liegt noch fern, er hat ja gerade erst sein Abi geschafft. Mit einem Studium will er bis 2028 warten, sich davor komplett auf die Olympischen Spiele in Los Angeles konzentrieren. „Das ist für jeden Sportler etwas ganz Besonderes. Wenn es soweit ist, freue ich mich vor allem auf die besondere Atmosphäre, die unterschiedlichen Sportarten und das Zusammensein mit Athletinnen und Athleten aus aller Welt.“

Auch die Hamburger Cornelius Jahn (Rücken) vom Ahrensburger TSV und Björn Kammann (Schmetterling) von der SG AMTV/Farmsen sind in Paris dabei.

Kommentare öffnen