Von Baum bis Baumgart: Das waren die sportlichen Auf- und Absteiger des Jahres

Die Aufstiegs-Party des FC St. Pauli
Der FC St. Pauli feiert seinen Bundesliga-Aufstieg.

Olympische Spiele, Europameisterschaften, Aufstieg und Titel: Es gab große Höhepunkte im Sportjahr 2024, auch aus Hamburger Sicht. Doch wer hoch strebt, kann auch tief fallen – nicht allen gelang alles. Die MOPO präsentiert die Auf- und Absteiger des Jahres.

Die Aufsteiger

Owen Ansah (24): So schnell war noch keiner! HSV-Sprinter Owen Ansah knackte Ende Juni als erster Deutscher die 10-Sekunden-Marke über 100 Meter. 9,99 Sekunden sprintete der 24-Jährige und sicherte sich damit auch Gold bei den Deutschen Meisterschaften.

Lisa Baum (18): Noch als 17-Jährige spielte sie im DFB-Dress die U20-WM in Kolumbien, in der Zweiten Liga gehört sie zu den Leistungsträgerinnen des HSV. Im Februar 2025 erwartet die Nummer 11 und ihre Mitspielerinnen eine große Kulisse im DFB-Pokal-Viertelfinale, wenn die HSV-Kickerinnen gegen Borussia Mönchengladbach im Volksparkstadion antreten.

Ehlers/Wickler holen Olympia-Silber

Alexander Bommes (48): Fußball-EM in Deutschland und Olympische Spiele in Paris – dass die Sport-Höhepunkte des Jahres so viele Menschen fesselten, lag auch am ARD-Moderator aus Kiel, der seit langem in Hamburg lebt. Fachkundig und emotional erlebten die TV-Zuschauer den ehemaligen Handballprofi etwa beim Olympiasieg der Tennis-Legende Novak Djokovic.

Nils Ehlers (30) und Clemens Wickler (29): In einem packenden Halbfinale besiegte das Duo des Eimsbütteler TV die Norweger Mol/Sørum und zog vor der Kulisse des Eiffelturms ins olympische Beachvolleyball-Finale ein. Auch wenn man dort gegen die Schweden Åhman/Hellvig chancenlos war, bleibt Silber – und ein Eintrag ins Goldene Buch.

Nils Ehlers und Clemens Wickler in Paris. Im Hintergrund ein Turm von Gustave Eiffel
Nils Ehlers und Clemens Wickler in Paris. Im Hintergrund ein Turm von Gustave Eiffel

FC St. Pauli (114): St. Pauli mit der Meisterschale der Zweiten Liga, Bilder, die für immer bleiben werden. Die Kiezkicker feierten im Mai nach einer überragenden Saison die Rückkehr in die Bundesliga, wo sie zeigten, dass sie mithalten können. Dass ihnen dieser Aufstieg vor dem HSV gelang, ist das i-Tüpfelchen in 2024.

Esther Henseleit (25): Die Hamburgerin erstaunte die Golfwelt mit ihrer olympischen Silbermedaille – dank einer furiosen Schlussrunde, in der sie sich als äußerst nervenstark zeigte. Der Shooting Star lebt in Scottsdale, Arizona und ist Mitglied des Hamburger Golf-Club Falkenstein, der – ohne sie – die deutsche Meisterschaft im Frauengolf gewann.

Schwarze Zahlen für den HSV

Eric Huwer (41): Dass die HSV Fußball AG seit drei Jahren schwarze Zahlen schreibt, ist zum großen Teil sein Verdienst. Huwer, seit zehn Jahren beim HSV aktiv, verlängerte seinen Vertrag als Finanzchef unlängst bis 2029.

Neele Ludwig (34): Deutsche Meisterin, Vize-Europameisterin, Fünfte bei der WM und Achte bei den Paralympics in Paris: Die Krankenschwester sammelte in dreieinhalb Monaten vier Top-Platzierungen und zwei Medaillen im Triathlon – und kann an diesem Freitag nach Weihnachten nicht nur alle Erfolge, sondern auch ihren 34. Geburtstag feiern.

Neele Ludwig beim paralympischen Triathlon
Neele Ludwig beim paralympischen Triathlon

Edina Müller (41): Vor zehn Jahren stieg sie vom Rollstuhlbasketball ins Kajak um – und feiert seitdem paralympische Erfolge. In beiden Sportarten gewann sie schon Gold, in Paris 2024 kam eine Bronzemedaille dazu. Außerdem trug die zweimalige Hamburger Sportlerin des Jahres die deutsche Fahne bei der Eröffnungsfeier.

Svenja Müller (23) und Cinja Tillmann (33): Die Kombination aus der jungen Eimsbüttelerin und der erfahrenen Düsseldorferin zeigte bei der Beachvolleyball-EM ihre ganze Klasse. Auf dem Weg zum Titel feierte das Duo sieben Siege und gewann dabei 14 von 15 Sätzen.

Von Niendorf nach Norderstedt

Moritz Niemann (28): Nach fünf Jahren beim USC Paloma, den er als Kapitän ins Lotto-Pokal-Finale 2024 geführt hatte, wagte Niemann den Sprung zu Eintracht Norderstedt in die Regionalliga, ist dort Stammspieler. Dabei hatte seine Laufbahn 2015 drei Klassen tiefer in der Bezirksliga beim Niendorfer TSV II begonnen. Ein Aufstieg mit viel Fleiß und Geduld.

Oranje-Fans (alle Altersstufen): In Hamburg nahm die Geschichte ihren Anfang, als vor dem ersten EM-Spiel der Niederlande ein Fan-Aufmarsch durch die Innenstadt die Massen begeisterte. Erst nach links, dann nach rechts – Bilder, die in Erinnerung bleiben.

Der niederländische EM-Fanmarsch tauchte die Glacischaussee in oranje.
Der niederländische EM-Fanmarsch tauchte die Glacischaussee in oranje.

Otto Stange (17): Kaum ein Treffer wurde in dieser Saison im Volkspark inniger gefeiert, als der des Eigengewächses kurz vor Weihnachten gegen Fürth. Stange, Hamburger Junge und HSV-Fan durch und durch, wird eine große Karriere prophezeit. Der Anfang ist gemacht. In dem Stadion, in dem sein Herz am lautesten schlägt.

Die Absteiger

Steffen Baumgart (52): Als Hoffnungsträger gekommen, als weiterer gescheiterter HSV-Trainer gegangen. Steffen Baumgart sollte den HSV zurück in die Bundesliga führen, scheiterte im Mai und musste im November schließlich gehen.

Jonas Boldt (42): Es war eine Ära, die unvollendet blieb. Von Mai 2019 bis Mai 2024 hatte Jonas Boldt den HSV als Sportvorstand geprägt und geformt. Im vergangenen Frühjahr war dann Schluss, weil auch im fünften Jahr das Ziel Bundesliga-Aufstieg verpasst wurde und im Aufsichtsrat der Glaube an ein Happy End fehlte. Boldt wurde durch Stefan Kuntz ersetzt.

Kokain statt Silber

Tom Craig (29): Der australische Hockeyspieler ließ sich bei Olympia in Paris beim Versuch erwischen, Kokain zu erwerben. Der Hamburger Polo Club stellte sich hinter seinen Spieler – aber in der Nationalmannschaft ist erst mal Schluss für den Silbermedaillengewinner von Tokio 2021.

Maurides (30): Auch unter Gewinnern kann es Verlierer geben. Obwohl er mit dem FC St. Pauli in die Bundesliga aufstieg, zählt Stürmer Maurides zu dieser Kategorie, weil er statt voller Tatendrang mit Übergewicht und unfit aus dem Sommerurlaub zurückkehrte. Das hinterließ beim neuen Trainer Alexander Blessin keinen guten Eindruck.

Teutonia backt kleinere Brötchen

Liborio Mazzagatti (50): Nach dem Aufstieg 2020 wollte Teutonia 05 nicht lange in der Regionalliga bleiben, die Dritte Liga war das Ziel der Ottenser Kicker. Nach vier Jahren ohne ernsthafte Aufstiegschance muss Präsident Mazzagatti mit seinem Klub kleinere Brötchen backen, Abstiegskampf ist angesagt. Auch aus ambitionierten Stadionneubauplänen wurde nichts.

Levin Öztunali (28): Mit großen Erwartungen kehrte Uwe Seelers Enkel 2023 zum HSV zurück, angekommen ist er im Volkspark aber nie. Auch unter Steffen Baumgart spielte Levin Öztunali keine Rolle, Interimstrainer Merlin Polzin verbannte den 28-Jährigen dann sogar zur U21.

Levin Öztunali kam beim HSV selten zum Zuge.
Levin Öztunali kam beim HSV selten zum Zuge.

Peter-Michael Reichel (72) und Sandra Reichel (53): Für die Turnierdirektorin für Rothenbaum-Tennis ging 2024 einiges schief. Das Männer-Turnier verloren sie und ihr Vater an die Konkurrenz, bei den Frauen platzte kurzfristig die geplante Austragung im Stadtpark, zu der Angelique Kerber erwartet worden war.

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Martin Schwalb (61): Im Sommer erhielten Hamburgs Handballer gerade noch die Bundesliga-Lizenz, Vizepräsident und Ex-Meistertrainer Schwalb ging nach dem Beinahe-Aus. Als Erlangen-Coach gelang es ihm im November beim Spiel in Hamburg, keinem Vertreter seines Ex-Klubs die Hand zu schütteln.