Sportmix
Verrückte WM-Chance! Hamburger Kadiru will die Boxwelt „schocken“
Der Hamburger Peter Kadiru kämpft in Moskau um den WM-Titel – mit null Vorbereitung. Denn der Deal kam gerade mal fünf Tage vor dem Kampf überhaupt erst zustande.
Plötzlich WM-Herausforderer! Ringschlacht statt Strandurlaub. Es ist der mit Abstand größte Kampf seiner Karriere, die Chance seines Lebens – und sie kam überraschend und rasend schnell. Am Samstag boxt der Hamburger Peter Kadiru in Moskau um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht. Vorausgegangen ist eine Reihe spektakulärer Ereignisse und Wendungen. Kadiru steigt als Außenseiter ohne echte Vorbereitung in den Ring und will die Sensation schaffen. In der MOPO spricht er über seine verrückte Mission.
Es sind atemlose und turbulente Tage für den Kämpfer und sein Team. Am vergangenen Freitag kam die Anfrage, ob Kadiru kurzfristig als WM-Herausforderer einspringen könne. Nach Blitz-Verhandlungen wurde Montagabend der Vertrag unterzeichnet, dass der 29-Jährige gegen den russischen WBA-Champion Murat Gassiev (32) antritt. Ganze fünf Tage vor dem Kampfabend in Moskau (ab 20.45 Uhr live bei DAZN).
Kadiru steckt voller Vorfreude auf den WM-Kampf
„Es ist alles sehr kurzfristig und aufregend, aber die Vorfreude ist extrem groß“, sagt Kadiru im Gespräch mit der MOPO. „Ich freue mich, dass ich mir einen Traum erfüllen kann, um die Weltmeisterschaft zu boxen. Ich träume davon, seit ich als Kind mit dem Boxen angefangen habe.“ Das war im Alter von elf Jahren.
Eigentlich hat Kadiru dieses Wochenende am Timmendorfer Strand verbringen wollen. „Es war sogar schon das Hotel gebucht und ich wollte da schön entspannen. Tja, ist anders gekommen“, erzählt der in Altona geborene Sohn ghanaischer Eltern lachend. „Eine WM geht vor!“
Stattdessen packte der Hamburger Hüne am Dienstag seinen Koffer für eine berufliche Reise, fuhr mit Trainer Christian Morales um 5 Uhr morgens mit dem Zug nach Berlin, um in der russischen Botschaft im Schnellverfahren ein Visum zu bekommen. Von der Hauptstadt ging es am Nachmittag um 14.15 Uhr via Istanbul nach Moskau. „Trubel ohne Ende, von morgens bis abends – echt verrückt“, berichtet Morales.
Hamburger Boxer Kadiru hielt sich im Urlaub fit
Verrückt mag auch das ganze Unterfangen wirken. Ohne echte Vorbereitung geht Kadiru in seinen größten Kampf – seinen letzten hat er am 15. Mai bestritten und den 23. Sieg (13 Knockouts) im 24. Duell gefeiert. „Ich war vor Kurzem noch im Urlaub, habe mich aber fit gehalten“, sagt Kadiru. „Natürlich ist das nicht optimal, aber so eine WM-Chance kann man sich nicht entgehen lassen“, sagt Coach Morales und sein Schützling bekräftigt: „Deshalb habe ich nicht lange überlegt und zugesagt. Es fühlt sich richtig an.“
Die Kette der Ereignisse, die Kadiru unverhofft die WM-Chance eröffnet haben: Am 26. Juni legte Superstar Oleksandr Usyk (39) überraschend seine drei WM-Titel (WBA, WBC, IBF) nieder. Von der WBA wurde daraufhin Gassiev zum vollwertigen Weltmeister hochgestuft und sollte seinen neuen Titel an diesem Samstag gegen Tony Yoka verteidigen. Doch der Franzose sagte am 2. Juli den Fight verletzt ab. Einen Tag später kam Kadirus Promotion „Ringside Zone“ ins Spiel und machte den Deal.
Außenseiter? „Ich fühle mich nicht wie ein Underdog“
„Ich bin der totale Underdog“, sagt Kadiru angesichts der Nicht-Vorbereitung und des Heimvorteils für Gassiev (33 Siege, 26 durch K.o., zwei Niederlagen). „Aber ich fühle mich nicht wie ein Underdog. Ich weiß, dass ich gewinnen kann, und hoffe auf faire Punktrichter. Wenn es sein muss, werde ich ihn k.o. schlagen.“
Körperlich mag Kadiru ein gutes Stück von seiner Bestform entfernt sein, aber „mental bin ich mehr als ready. Ich bin bereit, das Schwergewicht zu schocken und als neuer Weltmeister nach Deutschland zurückzukehren“. Das wäre mehr als verrückt.
Sie sind bereits M+ Abonnement?