Anatoliy Bondarchuk im Jahr 1972

Anatoliy Bondarchuk wurde 1972 Hammerwurf-Olympiasieger. Foto: picture alliance/dpa | Karl Schnörrer

„Verlust der Legende“: Hammerwurf-Olympiasieger Bondarchuk gestorben

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Die europäische Leichtathletik trauert um eine der prägendsten Figuren des Hammerwurfs: Anatoliy Bondarchuk ist tot. Wie European Athletics und der ukrainische Verband mitteilten, starb der Olympiasieger von 1972 am 23. Dezember 2025 im Alter von 85 Jahren. Mit ihm verliert die Szene nicht nur einen Ausnahmesportler, sondern auch einen Trainer und Vordenker, der den Hammerwurf über Jahrzehnte beeinflusst hat.

Bondarchuk, der für die Sowjetunion antrat, machte sich bereits Ende der 1960er-Jahre einen Namen. 1969 krönte er sich zum Europameister und setzte in einer Zeit, in der die Disziplin einen gewaltigen Entwicklungsschub erlebte, ein deutliches Zeichen: Seine Weite von 74,68 Metern wurde als Weltrekord geführt. Kurz darauf schrieb er erneut Geschichte, als er als erster Athlet die 75-Meter-Marke übertraf. 75,48 Meter galten damals als neue Messlatte und machten ihn endgültig zur internationalen Referenz im Hammerwurf.

Bondarchuk gewann 1972 in München Olympia-Gold

Seinen größten sportlichen Moment erlebte Bondarchuk bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Dort gewann er Gold und stellte mit 75,50 Metern einen Olympiarekord auf. Vier Jahre später beendete er seine aktive Laufbahn bei den Spielen von Montreal 1976 mit Bronze. Doch sein Name blieb der Leichtathletik nicht nur wegen dieser Medaillen erhalten. Viel nachhaltiger wirkte sein Einfluss nach der Karriere – als Trainer, Analytiker und Autor, der den Sport systematisch durchdringen wollte.


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Bondarchuk war als Coach nicht nur Praktiker, sondern auch ein Forscher des Trainings. Er veröffentlichte Lehrbücher und eine Vielzahl fachlicher Beiträge zur Trainingsmethodik. Besonders bekannt wurde sein Ansatz, Training in klar definierte Übungsgruppen zu gliedern und deren tatsächliche Wirkung auf die Wettkampfleistung konsequent zu überprüfen. Dabei ging es ihm weniger um „mehr“ Training als um das richtige: Welche Übungen übertragen sich messbar auf den Wurf, welche sind nur Beiwerk? Dieser Gedanke machte ihn zu einer Referenzfigur – nicht nur für Werfer, sondern auch für Trainer anderer Disziplinen, die nach belastbaren Prinzipien suchten.

Yuriy Sedykh und Ethan Katzberg wurden von ihm trainiert

Sein prominentester Schützling war Yuriy Sedykh, der 1986 den bis heute gültigen Weltrekord von 86,74 Metern aufstellte und später zweimal Olympia-Gold gewann. In den 2000er-Jahren zog es Bondarchuk nach Kanada, wo er in British Columbia lebte und internationale Athleten betreute. Dort arbeitete er unter anderem mit dem Kugelstoßer Dylan Armstrong sowie mit Werfern aus verschiedenen Ländern. Auch in den vergangenen Jahren galt er weiterhin als gefragter Berater: Unter anderem stand er dem aktuellen Hammerwurf-Star Ethan Katzberg mit seiner Expertise zur Seite.

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Bondarchuk stand sinnbildlich für eine Generation, die Sport als Handwerk und Wissenschaft zugleich begriff. Seine Medaillen machten ihn berühmt, seine Ideen machten ihn einflussreich. Für viele Athleten und Trainer bleibt er damit nicht nur Olympiasieger – sondern eine Persönlichkeit, die den Hammerwurf langfristig verändert hat. (sid/mp)

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