Sie nennt fünf Namen: Ukrainerin wirft Tennis-Stars vor, Putin zu unterstützen

Oleksandra Oliynykova
Oleksandra Oliynykova erhebt Vorwürfe gegen russische und belarussische Tennis-Stars.

Die ukrainische Tennisspielerin Oleksandra Oliynykova hat im Anschluss an das Drittrundenduell bei den French Open gegen Diana Shnaider in emotionalen Worten ihre Vorwürfe gegen die russische Gegnerin erneuert – und in einem Interview mit „Bild“ noch einmal deutlich nachgelegt. Darin nannte die 25-Jährige mehrere russische und belarussische Tennisprofis namentlich, denen sie vorwirft, Zeichen für die Regime von Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko zu setzen.

„Ich weiß, dass manche es vorziehen würden, wenn ich schweige. Aber bei dem, was ich tue, geht es nicht um Politik, sondern um Menschlichkeit“, sagte Oliynykova nach dem 5:7, 1:6 gegen Shnaider am Samstag in Paris.

Oliynykova wirft Shnaider Kriegsunterstützung vor

Oliynykova hatte Shnaider bereits vor dem Duell vorgeworfen, bei einer vom russischen Staatskonzern Gazprom gesponserten Veranstaltung gespielt zu haben. Zudem setze sie in den sozialen Medien ihre Likes auch unter Beiträge russischer Propagandisten. Gazprom sei ein Unternehmen, „das Kriegsverbrechen finanziert“, hatte die 25-Jährige gesagt und dabei Vergleiche zu Nazi-Deutschland und dem Holocaust gezogen.

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Im Interview mit „Bild“ weitete Oliynykova ihre Kritik aus. Sie kenne „tatsächlich keinen einzigen russischen, belarussischen oder ex-russischen Profi“, der klar sage, dass er die russische Aggression, die Taten von Putin und Lukaschenko sowie die Kriegsverbrechen verurteile und die Ukraine unterstütze. Aus Russland oder Belarus habe sie das „nie von einer Person“ gehört.

Oliynykova nennt neben Shnaider weitere Namen: Sabalenka, Kudermetova, Khachanov und Gazanova

Gleichzeitig warf die Ukrainerin einzelnen Tennisprofis vor, „aktiv Zeichen für ihre Regime“ zu setzen. Dabei nannte sie gegenüber „Bild“ Aryna Sabalenka, Polina Kudermetova, Karen Khachanov und Anastasia Gazanova. „Das ist eine lange Liste. Es ist schwer, alle aufzuzählen“, sagte Oliynykova.

Diana Schnaider (l) und Oleksandra Olijnykowa wechseln während ihres Spiels.
Diana Shnaider (l.) und Oleksandra Oliynykova würdigten sich während der Seitenwechsel keines Blickes.

Besonders scharf kritisierte sie Sabalenka. Die Belarussin hatte sich in der Vergangenheit allgemein gegen den Krieg geäußert. Oliynykova reicht das nicht. Sie warf Sabalenka vor, Lukaschenko nicht klar genug zu verurteilen. „Sie lügt! Das ist meine Meinung“, sagte Oliynykova der „Bild“.

WTA bestrafte Oliynykova mit mehreren tausend Dollar

Für ihre öffentlichen Vorwürfe gegen Kolleginnen bekam Oliynykova nach eigener Aussage Probleme mit der Frauen-Tennisorganisation WTA. „Ja, ich musste mehrere tausend Dollar zahlen“, sagte sie im „Bild“-Interview. Anfangs sei sogar von 50.000 oder 60.000 Dollar die Rede gewesen, am Ende sei es weniger gewesen – „aber schon beträchtlich“.

Oliynykova forderte die WTA auf, deutlicher gegen Spielerinnen vorzugehen, die aus ihrer Sicht den russischen Angriffskrieg verharmlosen oder Propaganda ermöglichen. „Die WTA darf nicht akzeptieren, dass ihre Plattform dafür genutzt wird“, sagte sie.

Oliynykova verurteilt russische Spielerinnen und Spieler

„Wenn Menschen getötet werden, wenn Kinder sterben, wenn Gewalt gerechtfertigt oder gefeiert wird, können wir nicht vorgeben, als würde nichts geschehen“, sagte die Ukrainerin nach ihrem Match in Paris: „Wir können nicht wegsehen. Wir können diejenigen nicht schützen, die solche Handlungen unterstützen.“

Spielerinnen wie sie würden eine „Verantwortung“ tragen, „die über den Tennissport hinausgeht, denn der Sport sollte stets im Dienste der Menschlichkeit stehen“, sagte Oliynykova. Die russischen Spielerinnen und Spieler würden „einfach nicht kommunizieren“ wollen. „Sie haben diese schrecklichen Ansichten. Genau das erleben wir gerade auf der Tour. Meiner Meinung nach dürfen wir das im Profisport nicht länger hinnehmen. Wenn sie nicht zuhören wollen und weiterhin diese Propaganda verbreiten, dann sollte es im Rahmen unserer Tour einen Mechanismus geben, um dem ein Ende zu setzen.“

Ukrainerin kritisiert IOC: Russische Flagge „Symbol des Terrors“

Wie sehr der Krieg ihren Alltag weiter prägt, schilderte Oliynykova ebenfalls gegenüber „Bild“. In Kiew sei die Stromsituation zwar etwas besser geworden, doch die Raketenangriffe gingen weiter. Luftalarm, Sirenen und Explosionen bekomme sie mit, wenn sie in der Ukraine sei.

Scharf äußerte sich Oliynykova auch über die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees, russischen Sportlerinnen und Sportlern wieder Auftritte unter Flagge und Hymne zu ermöglichen. Das sei „fürchterlich“, sagte sie der „Bild“. Für Ukrainerinnen und Ukrainer seien diese Symbole mit großem Leid verbunden. Russische Flagge und Hymne sollten aus ihrer Sicht überall verbannt bleiben.

Shnaider verteidigt Teilnahme an kritisiertem Event

Auch an der Praxis ukrainischer Profis, russischen und belarussischen Gegnerinnen nach Matches nicht die Hand zu geben, hält Oliynykova fest. Entscheidend sei für sie nicht ein allgemeines „Ich bin gegen den Krieg“, sondern die klare Verurteilung der russischen Aggression. Selbst Daria Kasatkina, die inzwischen für Australien spielt, gebe sie deshalb nicht die Hand, sagte Oliynykova, weil sie von ihr keine aus ihrer Sicht ausreichende Verurteilung des Krieges gehört habe.

Shnaider verteidigte derweil ihre Teilnahme an dem kritisierten Event. Sie sei „das ganze Jahr unterwegs“, sagte die Russin: „Ich sehe weder meine Familie noch meine Freunde, und das ist die einzige Gelegenheit, einfach ein wenig mehr Zeit zu Hause zu verbringen.“

Oliynykova: Wenn Shnaider ihre Meinung sagt, „wäre das ein riesiger Skandal“

Bei Instagram werde sie nun „keine Kommentare und keine Videos mehr liken“, führte Shnaider auf ihrer Pressekonferenz aus: „Aber offen gesagt weiß ich nicht, was sie da entdeckt hat. Ich bin hier nur, um Tennis zu spielen, und nicht, um über Instagram oder Video-Likes zu reden.“

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Zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine wollte sich Shnaider nicht äußern. „Wenn sie ihre Meinung sagen würde, wäre das ein riesiger Skandal“, sagte Oliynykova, die ihrer Gegnerin schon in der Vergangenheit vorgeworfen hatte, Russlands Präsidenten Wladimir Putin zu unterstützen.

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Oliynykova selbst sammelt nach eigenen Angaben weiter Geld für die Ukraine. Ein Teil ihrer Preisgelder fließe in Unterstützung für die Armee, unter anderem für Drohnen. Über ihr Projekt seien bereits „mehr als 30 Drohnen“ finanziert worden, sagte sie der „Bild“. „Wenn ich schweigen würde, wenn ich müde würde, sähe ich keinen Sinn darin, hier zu sein“, sagte Oliynykova: „Ich glaube, dass es die Aufgabe des Sports ist, Menschen zu vereinen, damit sie für die richtigen Dinge zusammenstehen.“ (sid/tb)